ISTE: Kommunen und Verwaltungen müssen RC-Baustoffen aufgeschlossener begegnen

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Quelle: ISTE

Ostfildern — Nach der kurz vor Weihnachten unterzeichneten „Gemeinsamen Erklärung zur Abfallvermeidung im Bausektor“ spricht sich der Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE) nun dafür aus, das Papier und seine Zielsetzung auch in die Praxis umzusetzen. „Alle müssen dieses Thema im neuen Jahr mit neuem Schwung angehen“, sagt ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger. „Hier sind vor allem die öffentlichen Verwaltungen sowie die Kommunen und die Landkreise gefordert. Sie müssen in Zukunft Recycling-Baustoffen deutlich aufgeschlossener begegnen, wenn die Gemeinsame Erklärung wirklich auch gelebt werden soll.“


Beißwenger verweist darauf, dass mineralische Rohstoffe wie Natursteine sowie Sand und Kies den bei weitem größten Massenstrom in Baden-Württemberg ausmachen. Sie seien unverzichtbar für unser modernes Leben und würden keineswegs nur für den Bau von Gebäuden oder Infrastrukturen genutzt. Auch die chemische und die Lebensmittelindustrie benötigen diese Materialien: „Umso wichtiger ist es, bewusst, sparsam und wertschätzend mit solchen Bodenschätzen umzugehen, damit auch künftige Generationen noch regionale, verbrauchernahe Abbaustätten nutzen können. Die Rückgewinnung gebrauchter Baustoffe durch selektiven Rückbau und Aufbereitung und der Einsatz gebrauchter Gesteinskörnungen zur Substitution von Primärrohstoffen ist ein wichtiges Element auf diesem Weg.“

Die im ISTE organisierten baden-württembergischen Unternehmen könnten sowohl hochwertige Primär- als auch Sekundärrohstoffe liefern, erläutert der Verbandsmanager.
Deshalb liege es vor allem an der Nachfrage der Kunden, welche Materialien zum Einsatz kommen.

Vielfach ließen sich ohne Qualitätsverlust und ohne Risiko Recycling-Baustoffe verwenden, etwa als Frostschutzschichten bei Straßen oder Parkplätzen. Zur Sicherung der Umweltqualität der Recycling-Baustoffe wurde im Jahr 2004 gemeinsam mit dem Umweltministerium das Qualitätssicherungssystem Recycling- Baustoffe Baden-Württemberg (QRB) initiiert. Recycling-Baustoffe, die den QRB-Anforderungen genügen, verlieren den Abfallstatus und können als Produkte eingesetzt werden und sind bei zusätzlichem Nachweis der bauphysikalischen Eignung nach den einschlägigen technischen Regelwerken völlig gleichwertig mit Primärrohstoffen einsetzbar, erläutert Dr. Bernd Susset, Geschäftsführer des QRB.

Beißwenger fügt hinzu: „Wer  solche Sekundärrohstoffe einsetzt, tut aktiv etwas für die Entlastung von Deponien und für die Ressourcenschonung. Eine solche Entscheidung sollte man von Seiten der Politik und der öffentlichen Hand fördern. Zögern und Misstrauen darf es da nicht geben. Man muss den Bauträgern, die RC-Materialien einsetzen, die Gewissheit geben, dass sie nicht in einigen Jahrzehnten induziert durch Grenzwertänderungen auf Altlasten sitzen, die sie teuer entsorgen müssen. Der Gesetzgeber muss also diejenigen, die RC-Baustoffe einsetzen, auch schützen. Einmal eingesetzter RC-Baustoff einer bestimmten Qualitätsklasse muss ein RC-Baustoff bestimmter Qualitätsklasse bleiben“, betont Beißwenger auch mit Blick auf die geplante Ersatzbaustoffverordnung des Umweltbundesministeriums.

Der ISTE-Hauptgeschäftsführer regt deshalb an, dass produktneutrale Ausschreibungen bei öffentlichen Bauvorhaben zum Standard im Land werden sollten. Nur so könne ein Bewusstseinswandel und damit langfristig Akzeptanz für Sekundärrohstoffe erzielt werden. Anderenfalls laufe man Gefahr, ein Gutteil der jährlich im Lande Baden-Württemberg anfallenden 10,8 Mio. Tonnen Bauschutt und Straßenaufbruch auf Deponien lagern zu müssen. Die aber gingen mehr und mehr zur Neige, und Neuanlagen seien nur schwer zu verwirklichen. Deshalb sei Bauschutt-Recycling eine ökonomische, umweltpolitische und gesellschaftliche Aufgabe, so Beißwenger.

„Wenn es die Unterzeichner der Gemeinsamen Erklärung ernst meinen, zu denen neben dem ISTE auch Landesumweltminister Franz Untersteller, Vertreter des Finanz- und des Verkehrsministeriums, der kommunalen Spitzenverbände, der Kammern sowie der Bau- und der Wohnungsindustrie zählen, dann starten sie ins neue Jahr mit Initiativen, die ganz konkret und vor Ort zur Abfallvermeidung bei Bauprojekten führen. Über die wird der Industrieverband Steine und Erden dann auch gerne berichten“, schlägt Beißwenger vor.

Quelle: Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V.