Munitionsbeseitigung im Meer: Großprojekt RoBeMM soll Roboter entwickeln

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Werfergranate (Foto: © Lehrmittelsammlung Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein, 2011)

Kiel – Mit einem Roboter soll Munition im Meer in Zukunft vollautomatisch beseitigt werden können. Dies ist Ziel eines entsprechenden Millionenprojekts, das Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck gestern gemeinsam mit dem technischen Direktor Jan Kölbel von der Heinrich Hirdes EOD Services GmbH vorgestellt hat. „Häufig wurde darauf verwiesen, dass es keine wirtschaftliche Lösung für die vielleicht erforderliche Beseitigung der Kampfmittel gäbe. Dies könnte sich mit einem Erfolg des Projekts nun ändern“, hofft Habeck. Das Projekt zur Beseitigung der „drückenden Altlast“ markiere möglicherweise den Wendepunkt beim Umgang mit Munition im Meer.

Das Projekt RoBeMM wird mit rund 3,2 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Ziel des dreijährigen Projektes ist es, den Prototyp einer Maschine zu entwickeln, die am Meeresgrund Munition vollautomatisch unschädlich macht und umweltgerecht entsorgt.

Für Meerestiefen von 0 bis 35 Meter

Dazu soll eine Plattform aufgebaut werden, ergänzt durch eine Bearbeitungseinheit mit verschiedenen Werkzeugen, die je nach Bergungsschritt unter Wasser zum Einsatz kommen. Das System soll für Meerestiefen von 0 bis 35 Meter (perspektivisch bis 50 Meter) entwickelt werden. Die Funktionsfähigkeit des Prototyps wird in Tests unter Realbedingungen an Minen-Dummys erprobt werden. Mit einem solchen automatisierten System könnte der gerade bei maritimen Großkampfmitteln wie Seeminen und Torpedos immer noch praktizierte gefährliche Tauchereinsatz und die oftmals alternativlose Sprengung entbehrlich werden.

Das Engagement des Antragskonsortiums erläuterte Jan Kölbel: „Als ausgewiesene Spezialisten haben wir mit dem Projekt nach über 70 Jahren nach Ende des zweiten Weltkrieges gemeinsam mit den anderen Partnern einen sehr konkreten Plan entwickelt, wie wir die versenkte Munition im Küsten- und Flachwasserbereich, die eine latente Gefahr für Mensch und Umwelt insbesondere bei Baumaßnahmen zur Umsetzung der Energiewende darstellen, ressourcenschonend beseitigen können. Nun gilt es, das Projekt mit allen Partnern in den nächsten drei Jahren erfolgreich umzusetzen.“

Noch mindestens 1,6 Millionen Tonnen Munition vorhanden

Maschinen, die die Munitionsbeseitigung im erforderlichen Maßstab möglich machen, wären auf Jahre hinaus ausgelastet. Allein in deutschen Meeresgewässern lagern nach jetzigen Erkenntnissen noch mindestens 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition.

Minister Habeck erklärte: „Jahrzehntelang wurde dieses Kriegserbe im Prinzip quasi nur verwaltet und im wahrsten Sinne des Wortes liegen gelassen. Damit können wir uns aber nicht abfinden. Deshalb haben wir den Projektantrag in meinem Ministerium nach Kräften unterstützt – mit Erfolg.“

Lebensgefährliche Arbeit einem Roboter überlassen

Die Belastung durch Munition im Meer wird zwar seit einigen Jahren systematisch erfasst – Bergung und Entsorgung sind aber bisher nur in gefährlicher Handarbeit durch Mitarbeiter der Kampfmittelräumdienste oder spezialisierte Firmen möglich. Auch in diesem Jahr musste beispielsweise im Schifffahrtsweg der Kieler Förde durch Taucher des Kampfmittelräumdienstes Weltkriegsmunition beseitigt werden, die noch bis vor kurzem unentdeckt am Grund der Kieler Förde lag. „Vor der Leistung dieser Menschen unter unmittelbarer Lebensgefahr am Grund des Meeres zu arbeiten, habe ich sehr großen Respekt; ihnen gebührt unsere Anerkennung. Ich hoffe aber auch, dass wir diese lebensgefährliche Arbeit künftig einem Roboter überlassen können“, so Umweltminister Habeck.

Schleswig-Holstein ist als Land zwischen Nord- und Ostsee besonders betroffen und hat daher seit Jahren den Vorsitz des Bund-Länder Expertenkreises „Munition im Meer“ inne, um in Abstimmung mit den anderen Küstenbundesländern und dem Bund Lösungen für das gesamtgesellschaftliche Problem im Meer versenkter Munition zu entwickeln.

Weitere Informationen sind auf den Internetseiten der Landesregierung Schleswig-Holstein unter schleswig-holstein.de zu finden.

Quelle: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume