Das bewirkt die Mülltrennung tatsächlich

2145
Foto: O. Kürth

Kaum ein Land in Europa sortiert nach so strengen Linien den Müll wie in Deutschland. Manch einer ist genervt, denn der Gang zum Müllplatz wird zum kleinen Spießrutenlauf. Die gelbe Tonne für die Verpackungen, die blaue jedoch für Altpapier – „Warum kann das nicht zusammen gesammelt werden?“ fragt man sich. Fein säuberlich getrennt vom Müll werden die Altbatterien und dürfen beim nächsten Einkauf im Supermarkt nicht vergessen werden. Und selbst das Glas wird nach Farben getrennt gesammelt. Letztendlich ist die Farbgewalt der Müllcontainer eine Wissenschaft für sich. Jedoch wurden 37,6 Millionen Tonnen Abfälle bei den Haushalten im Jahr 2014 eingesammelt, was eine Steigerung des Vorjahres bedeutet. Aber lohnt sich denn der Aufwand der Mülltrennung in der Wirtschaft?

Wie sieht Recycling heute aus?

Die ursprüngliche Idee, Kunststoffabfälle zu neuen Produkten zu entwickeln, hat sich langfristig nicht durchgesetzt und wird wohl auch kein Erfolgsmodell in Deutschland werden. Insgesamt ist es heute nur ein minimaler Teil der Plastikabfälle, die als neu entwickeltes Produkt im Regal landen. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen bestehen die Materialien oft nicht nur aus einem Stoff, sodass ein Plastikbecher vorher erst in seine einzelnen Bestandteile aufgelöst werden müsste. Diese Arbeitsprozesse sind aufwendig und letztendlich auch zu teuer. Andererseits haben sich die Verpackungen zu einem guten Geschäftsmodell entwickelt. Waren es im Jahr 2005 noch 65 % der Kunststoffverpackungen, die recycelt wurden, sind es heute nur noch 10 %. Für sortenreine PE-Flocken liegt der Marktpreis derzeitig bei rund 1000 Euro pro Tonne. Also werden Joghurtbecher schlichtweg verkauft, was am Ende weitaus erträglicher erscheint. Allerdings gilt dies nur für Kunststoffe, die rein sind. Alle anderen Abfälle, die sich nicht trennen lassen, werden tatsächlich am Ende auf dem Müll verbrannt. Der Vorwurf, dass der Müll doch wieder mit allen anderen Materialien in der Industrieanlage zum Verbrennen landet, ist demnach teilweise richtig und gehört dennoch zum offiziellen Begriff Recycling. Nicht zuletzt sind Kunststoffabfälle als Brennstoff der Strom- und Fernwärmekraftwerke gefragt. Die Mischkunststoffe landen unter Umständen auch wieder in der Verbrennungsanlage, wenn auch einer anderen.

Plastikabfälle nicht waschen!

Reinlichkeit ist sehr schön im Haus. Falsch verstandenes Umweltbewusstsein endet jedoch dann, wenn Saftpackungen und Quarkbecher ausgewaschen werden. Der Wasserverbrauch für die Reinigung ist zu hoch und macht keinen Sinn, vor allem deshalb, weil bei einer eventuellen Wiederverwertung alle Abfälle gesondert gereinigt werden.

Last but not least wird der Biomüll tatsächlich auf großen Anlagen der Städte gesammelt und zu Kompost verarbeitet. Sobald sich die gesammelten Bioabfälle zu Humus umgewandelt haben, werden sie bei der städtischen Gartenpflege genutzt, in der Landwirtschaft gebraucht oder zu Blumenerde verarbeitet. Hier lohnt sich also das Sammeln der Küchenabfälle in einem extra Eimer.

Pluspunkt: Der Biomüll wird zu Humus

Dennoch lohnt es sich aus Kostengründen, den Müll weiterhin zu sortieren. Warum? Die Abholung der gelben Säcke bzw. Entleerung der gelben Tonnen ist für den Endverbraucher kostenlos, die Restmülltonne jedoch nicht. Alles, was im normalen Müll also Platz wegnimmt, kostet Geld solange es den „Grünen Punkt“ auf der Verpackung hat. Denn der Verbraucher hat die Entsorgung dieser Abfälle im Grunde genommen schon beim Kauf des Produkts mitbezahlt. Warum also ein zweites Mal für die Entsorgung bezahlen?

Auch in Unternehmen wird zunehmend auf eine strikte Trennung der Abfallprodukte geachtet. Haben sich vor einigen Jahren nur wenige Unternehmer überhaupt mit diesem Thema beschäftigt, sind heute klare interne Vorschriften nicht mehr selten vorzufinden. Verschiedene Varianten von flexiblen Wertstoffsammlern mit entsprechenden Etiketten zur Erläuterung sind preiswert zu beschaffen und stellen in der Entsorgung lediglich einen minimalen Mehraufwand dar. Letztlich dient das natürlich auch als Vorbildfunktion den Arbeitnehmern gegenüber. Keinesfalls aber soll daraus eine Müll-Olympiade werden.

Beim Statistischen Bundesamt, Wiesbaden sind alle Zahlen zur Menge des Abfalls in den Haushalten abrufbar.

Autorin: Sophie Barth