bvse: E-Schrott-Recycling soll zurück zu Umweltdienstleistung und Rohstoffhandel

1198
Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

Bonn – „Recycler von Elektro-Altgeräten müssen in Zukunft wieder Umweltdienstleister und Rohstoffhändler sein“, lautete der Apell von Ullrich Didszun, Consultant und langjähriger Branchenkenner, anlässlich des 14. Elektro(nik)-Altgerätetages am 19. November in Köln. Die derzeitige Situation an den Rohstoffmärkten scheine sich nicht so schnell zu stabilisieren. Gleichzeitig würden die Anforderungen an die Lagerung und Behandlung erhöht und auch die Wertigkeit des E-Schrotts nehme zunehmend ab.

Zur Bewältigung zukünftiger technischer Herausforderungen seien andererseits Investitionen notwendig, die mit derzeitigen Margen nicht zu leisten wären. Um die Situation zu verbessern, müsse es daher wieder dazu kommen, die Entsorgungsdienstleistung in den Vordergrund zu stellen. Es müsse wieder stärker kommuniziert werden, dass Recycling nicht nur Wertschöpfung, sondern eben auch eine sichere Schadstoff-Entsorgung sowie den Behandlungsaufwand implementiere. Diese Leistungen kosten Geld.

Altgeräte-Markt wettbewerbspolitisch problematisch

Dass dies nicht leicht umzusetzen sei, ist auch dem Branchenexperten klar. Denn wettbewerbspolitisch ist der Markt um die Altgeräte ohnehin problematisch. Hersteller- und Einkaufskonsortien bestimmten den Markt und stünden mit einer begrenzten Anzahl von Dienstleistern im Geschäft, und Systembetreiber beherrschten die Ausschreibungssituation, so Didszun. Hinzu käme die oft schlechte Wareneingangsqualität von Sammelsystemen, die viel zu wenig reklamiert werden kann, weil die gesetzliche Grundlage einen Vertrag zwischen dem Entsorger und der Übergabestelle im EAR-System nicht vorsehe. Dies sei jedoch angesichts volatiler Rohstoffpreise heute für eine stabile Kalkulation wichtiger denn je.

Es sei unerlässlich, dass die Prozesskosten wieder in die Kalkulationen zurückkehrten und das Augenmerk auch verstärkt auf den Materialeingang gelegt werde. Darum müssten die Sammler hinsichtlich der gesetzlichen Vorgaben zur qualitativen Erfassung ebenso kontrolliert werden wie die Erstbehandlungsanlagen, forderte Didszun.

Zusätzlich Kunststoffe aus Altgeräten verwerten

Chancen seien außerdem in der Behandlung von komplexen Materialien zu ergreifen. Ein solches Aufgabenfeld finde sich beispielsweise in der Verwertung von Kunststoffen aus Elektroaltgeräten, bestätigte auch Chris Slijkhuis, Mitglied im Vorstand der EERA-European Electronics Recyclers Association. Einer Schätzung nach könnten jährlich rund 1,2 Millionen Kunststoffe aus dem Elektronikbereich zurückgewonnen werden.

Zudem sei es nahezu unmöglich, die ambitionierten Ziele des Kunststoffrecyclings in Zukunft ohne die zusätzliche Verwertung von Kunststoffen aus Altgeräten zu erreichen. Gemäß Slijkhuis, der in der Müller-Guttenbrunn Gruppe den Bereich E-Waste & Public Affairs betreut, habe eine Studie zudem belegt, dass stoffliche Verwertung 4-mal besser sei als eine Verbrennung dieser Kunststoffe. Der Vergleich mit der stofflichen Verwertung gegenüber Primärkunststoffen ergab sogar einen um 6- bis 10-mal besseren Faktor für die stoffliche Verwertung.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.