Qualität ist entscheidend: bvse für versachlichte Klärschlammdiskussion

1091
Klärschlamm-Behandlung (Foto: VKU)

Bonn — 60 Prozent des Klärschlamms werden mittlerweile verbrannt, teilte kürzlich das Statistische Bundesamt mit. Nach Ansicht des bvse-Experten Andreas Habel nimmt die Verbrennung immer weiter zu. Zudem geht die stoffliche Verwertung des Klärschlamms weiter zurück. Diese Entwicklung hält der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. für falsch.


Andreas Habel: „Es ist unumstritten, dass sich insgesamt die Qualität des Klärschlamms innerhalb der letzten Jahre enorm verbessert hat. Es kommen außerdem nur die Klärschlämme als landwirtschaftliche Dünger auf die Felder, die strenge Grenzwerte einhalten. Ein effektiver Schutz für den Boden und das Grundwasser wird durch mehrere rechtliche Regelungen wie beispielsweise die Düngemittelverordnung und die Düngeverordnung sichergestellt. Zudem darf Klärschlamm nicht auf Grünlandflächen und im Obst- und Gemüseanbau verwendet werden.“

Es sei zu bedenken, dass Klärschlämme neben dem Phosphat auch weitere für die Landwirtschaft wichtige Nähr- und Spurennährstoffe wie Stickstoff, Kalium oder Zink enthalten. Klärschlämme tragen über ihre hohen Gehalte an Huminstoffen, Humin- und Fluvinsäuren ganz entscheidend zur Bodenverbesserung bei. Der bvse weist darauf hin, dass durch die zunehmende Verbrennung von Klärschlämmen dieses stoffliche Verwertungspotenzial auf der Strecke bleibt.

Der bvse plädiert daher dafür, das Thema grundsätzlicher zu behandeln. So müsste auch hinterfragt werden, warum denn überhaupt Schadstoffe in den Klärschlamm gelangen. Die Bemühungen, den Verbraucher darauf hinzuweisen, dass beispielsweise Medikamente nicht über die Klospülung entsorgt werden dürften, Haushaltsreiniger nur sparsam verwendet werden sollten und dass eine übermäßige Verwendung von Körperpflegemitteln das Abwasser belasten, könnten beispielsweise intensiviert werden.

Nach Meinung des bvse müsse deshalb eine intensive Qualitätsdiskussion geführt werden. Ideologien oder diffuse Ängste seien fehl am Platz. Von daher lehnt der Verband auch ein grundsätzliches Verbot der Klärschlammverbringung in der Landwirtschaft ab, wie es der vorliegende Referentenentwurf zur “Verordnung zur Neuordnung der Klärschlammverwertung” derzeit noch vorsieht.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.