VDMA: Deutscher Maschinenbau weiterhin belastet durch Russland-Sanktionen

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Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA)

München – Mitte Dezember werden die EU-Außenminister über eine Verlängerung der EU-Sanktionen gegen Russland um weitere sechs Monate abstimmen. Die Hoffnung der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland auf konstruktive Gespräche und einen schrittweisen Abbau der Sanktionen hat sich nun schon im Vorfeld zerschlagen. Dabei wäre die inzwischen deutlich ruhigere Lage in der Region ein Grund gewesen, in Richtung Wirtschaft bereits jetzt ein Zeichen zu setzen.

Noch immer belastet vor allem die Wirtschaftskrise in Russland, basierend auf einem niedrigen Ölpreis und der Rubelkrise, die Stimmung im Land erheblich. Aber auch die Sanktionen führen zu spürbaren Konsequenzen für den deutschen Export von Maschinen- und Anlagen nach Russland. „Allein in den ersten neun Monaten fielen die Maschinenexporte um knapp 27 Prozent auf 3,58 Milliarden Euro“, berichtet Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA. „Wenn das so bleibt, werden wir in diesem Jahr für nur noch rund 5 Milliarden Euro Güter nach Russland exportieren. Das wären fast 3 Milliarden Euro weniger, als noch vor zwei Jahren.“

Bereits 2014, im ersten Jahr der Sanktionen, waren die Maschinenausfuhren nach Russland um 17 Prozent gesunken. Nur wenige Fachzweige, darunter Hütten- und Walzwerkeinrichtungen, Holzbearbeitungsmaschinen, Kompressoren und Papiertechnik konnten sich diesem Trend noch widersetzen. Und nur sehr wenige Maschinenbauunternehmen können zurzeit in Russland noch Gewinne schreiben. Insgesamt fiel das Land innerhalb der vergangenen zwei Jahre im Ranking der wichtigsten Exportmärkte des deutschen Maschinenbaus von Platz 4 auf Platz 10 zurück.

Deutschland vorerst wichtigster Technologielieferant

Auch 2016 bietet hier kaum Aussicht auf eine Besserung der Situation. „Die Auftragslage ist sehr kritisch, weshalb wir auch für das kommende Jahr noch keinen signifikanten Aufschwung der Maschinenexporte nach Russland für die deutschen Maschinenbauunternehmen erwarten“, warnt Thilo Brodtmann. Selbst eine baldige spürbare Lockerung der Sanktionen würde sich erst mit einiger zeitlicher Verzögerung bemerkbar machen.

Dennoch ist Deutschland vorerst wichtigster Technologielieferant Russlands geblieben. Zwar haben die asiatischen Wettbewerber versucht, in jede freie Lücke auf dem russischen Markt zu springen – bislang jedoch noch ohne großen Erfolg. Die russischen Maschinenimporte gingen im vergangenen Jahr krisenbedingt insgesamt stark zurück: Die Einfuhren aus der Region Ostasien sanken 2014 um mehr als 30 Prozent. Die Maschinenimporte aus China sind 2014 sogar um rund 50 Prozent geschrumpft. Während Deutschland seine Anteile an den russischen Maschinenimporten 2014 halten konnte (19,2 Prozent), halbierten sich die Anteile Chinas von zuvor 15,4 Prozent auf 8,5 Prozent. Und dies trotz der angekündigten Hinwendung der russischen Wirtschaft nach Asien. Auch in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres gingen die russischen Importe aus nahezu allen Lieferländern zurück.

Kein Grund zur Entwarnung

„Es zeigt sich darin, wie stark die Geschäftsbeziehungen der deutschen Maschinenbauer in Russland sind. Das kann aber kein Grund zur Entwarnung sein. Denn sollten die Sanktionen noch lange andauern, wird die angekündigte Hinwendung nach Asien Realität werden und die deutschen Lieferanten dauerhaft ins Hintertreffen geraten“, sagt Ulrich Ackermann, Leiter Außenwirtschaft im VDMA.

Auch für den russischen Industrieminister Denis Manturow ist Deutschland immer noch der Wunschpartner in Sachen Technologietransfer. Dies bekräftigte er gleich mehrfach vor Vertretern der deutschen Wirtschaft im Rahmen seiner Deutschlandreise Anfang November. Manturow warb dabei abermals um Investitionen auch des deutschen Maschinenbaus in seinem Land.

Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA)