Runder Tisch Reparatur fordert bessere Rahmenbindungen für Aufarbeitungen

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Werkzeuge (Foto: Der Runde Tisch Reparatur)

Berlin — Steuervergünstigungen auf Reparaturen und Gebrauchtwaren sowie verbesserten Zugang zu Ersatzteilen: Das sind nur einige der Forderungen des Runden Tisches Reparatur. Anlässlich der europäischen Abfallvermeidungswoche haben gestern Mitglieder der neuen Initiative ihren Forderungskatalog an Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth übergeben und dabei die überragende Bedeutung der Reparatur für eine ressourcensparende und klimafreundliche Lebensweise betont.

Das breite Bündnis aus Verbraucherschützern und Wissenschaftlern, von Umweltverbänden, der reparierenden Wirtschaft, Reparaturinitiativen und der Zivilgesellschaft fordert von der Politik, die Rahmenbedingungen für die Reparatur deutlich zu verbessern. Produkte zu reparieren sei deutlich nachhaltiger als Recycling, da jede Form von Recycling viel Energie verbraucht und nur ein Teil der Stoffe erneut verwendet werden kann. „Aktuell ermöglicht die Politik, dass für die Mülltonne produziert wird. Verschleißteile wie Akkus müssen austauschbar bleiben und die Bedingungen für die Reparatur dürfen sich nicht weiter verschlechtern. Eine Rahmensetzung, die Reparatur erleichtert, muss ein zentraler Baustein bei der Umsetzung des Nationalen Programms für Nachhaltigen Konsum werden“, sagt Cornelia Heydenreich von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, die beim Runden Tisch vertreten ist.

Zentrale Forderungen des Runden Tisches Reparatur sind unter anderem, den Zugang zu Ersatzteilen und allen wichtigen Informationen, Werkzeugen und Diagnosetools zu erschwinglichen Preisen für alle reparierenden Marktakteure sicherzustellen. Zudem schlägt die Initiative eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf Reparaturen und Gebrauchtwaren vor – als Kaufanreiz für solche Produkte und um die für die Nachhaltigkeit so wichtige Reparaturbranche zu stärken. „Verbraucher müssen die Option erhalten, durch Reparatur die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und damit Ressourcen zu schonen“, betont Marion Jungbluth von der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Detlef Vangerow vertritt beim Runden Tisch etwa 1000 reparierende Werkstätten und FachhändlerInnen und weist auf die Probleme der Branche hin. Er fordert: „Wir brauchen eine richtige Reparaturrevolution. Alle reparierenden Marktakteure müssen Zugang zu Ersatzteilen erhalten, und zwar zu erschwinglichen Preisen.“ Tom Hansing vom Netzwerk Reparatur-Initiativen ergänzt: „Wir fordern eine neue Reparaturkultur. Ein verändertes Konsumentenbewusstsein entfaltet sich dort, wo Nachhaltigkeit gemeinsam und kooperativ praktiziert werden kann. Reparaturrelevante Informationen müssen daher unkompliziert zur freien Verfügung gestellt werden.“

„Das Reparieren und Wiederverwenden möglichst vieler Geräte leistet einen wichtigen Beitrag zum Ressourcenschutz“, meint Rolf Buschmann vom BUND und warnt: „Defekte Geräte zu recyceln ist nur die zweitbeste Lösung, da wichtige Rohstoffe verloren gehen. Und beim Produzieren neuer Geräte werden wieder neue Ressourcen verbraucht.“ Und Dr. Eick von Ruschkowski vom NABU macht klar: „Die Bundesregierung und die EU-Kommission werden ihrer Verantwortung bei der Gestaltung reparaturfreundlicher Produkte und Prozesse nicht gerecht. Nur durch klare Vorgaben beim Ökodesign und steuerliche Anreize wird Reparieren einfacher und lohnt sich wieder.“

Der Runde Tisch Reparatur will Wege zu einem Ende der Wegwerfgesellschaft aufzeigen. Reparaturen stärken die lokale Wirtschaft, schaffen Arbeitsplätze und haben positive Auswirkungen auf die Umwelt: Nirgendwo in Europa fällt so viel Elektroschrott an wie in Deutschland.Allein2014 waren es nach Angaben der United Nations University der EU 1,8 Millionen Tonnen.

Das Positionspapier des Runden Tischs Reparatur kann unter runder-tisch-reparatur.de heruntergeladen werden.

Quelle: NABU