Kaskadennutzung: ASA-Positionspapier plädiert für Kompostierung und Vergärung

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Ennigerloh — Mit der geplanten flächendeckenden Einführung der Biotonne will der Gesetzgeber unterschiedliche Abfallfraktionen durch getrennte Sammlung einer optimalen Verwertung zuzuführen. Organisch-biologische Abfälle sind hierzu besonders geeignet, denn Vergärungs- und Kompostierungsanlagen arbeiten im Wesentlichen mit den aus der Natur bekannten Umsetzungsprozessen. Ein jetzt vorgestelltes Positionspapier plädiert dafür, durch eine bessere Verzahnung beider Verfahren den Anteil der Bioabfallvergärung weiter zu erhöhen um biologische Abfälle zukünftig ökologisch und ökonomisch noch effektiver zu nutzen.

Die Kompostierung ist die bekannteste Methode, um Abfälle biologischer Herkunft stofflich zu verwerten. Hierzu sind mittlerweile etwa 1.000 Kompostierungsanlagen und 100 reine Bioabfallvergärungsanlagen in Betrieb, die jährlich rund 15 Mio. Tonnen biogene Abfälle verwerten. Davon sind etwa 9,2 Mio. Tonnen biogene Siedlungsabfälle, der Anteil der über die Biotonne erfassten Bioabfälle daran beträgt in etwa vier Mio. Tonnen (im Jahr 2012), mit steigender Tendenz. Ein Großteil der Bioabfälle wird derzeit kompostiert, wobei die in den Abfällen enthaltene Energie nicht genutzt werden kann. Lediglich ca. ein Drittel der von den über die Biotonne getrennt erfassten Abfälle werden bislang in Vergärungsanlagen verarbeitet und somit sowohl energetisch als auch stofflich erschlossen.

Anteil der Vergärung steigern

Um die Effizienz bei der Verwertung biogener Stoffströme zu erhöhen, wirbt der Fachbereich Vergärungssysteme in der ASA – Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung in seinem Positionspapier „Kaskadennutzung von Bioabfällen erhöhen“ für eine Steigerung des Anteils der Vergärung und damit der Gewinnung von Biogas. Diese Zielsetzung verfolgt auch das Umweltbundesamt, denn durch die sogenannte Kaskadennutzung – zunächst Vergärung und anschließende Kompostierung – wird das energetische und stoffliche Potential im Bioabfall genutzt.

Darüber hinaus bringt die Kaskadennutzung deutliche Vorteile für den Ressourcen- und Klimaschutz, da durch die Kombination von Vergärungs- und Kompostierungsverfahren zum einen Biogas produziert und in Form von Elektrizität oder Wärme genutzt wird, wodurch der Einsatz fossiler Energieträger vermindert und somit ein Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen geleistet werden. kann Die stoffliche Nutzung der produzierten Gärrestkomposte trägt zum anderen zur Humusbildung bei; zusätzlich können die in den Gärrestkomposten enthaltenen Nährstoffe als Dünger eingesetzt werden.

Investitionsbedarf für Anlagentechnologie entlasten

Die Integration der beiden Systeme Vergärung und Kompostierung in eine Gesamtanlage kann nach Auffassung der ASA – als Interessenvertretung für mechanische und/oder biologische Abfallbehandlungstechnologien – unter idealen Randbedingungen den in den nächsten Jahren anstehenden Investitionsbedarf für die Anlagentechnologie entlasten. Viele der deutschen Vergärungs- und Kompostanlagen sind seit 15 Jahren oder mehr Jahren in Betrieb. Bei zukünftig notwendigen Ersatzinvestitionen wäre zu prüfen, ob im Rahmen der Ertüchtigung der jeweiligen Altanlage durch eine zusätzliche Vergärungsstufe eine höhere Effizienz zu erreichen ist. Auslastungsprobleme sieht der Verband vorerst nicht, da zu erwarten ist, dass das Potenzial an zusätzlich erfassten Bioabfallmengen – auch auf Grund gesetzlicher Vorgaben – in den kommenden Jahren steigen wird.

Die Experten für Abfallbehandlungstechnik weisen in ihrem Positionspapier allerdings auch darauf hin, dass die Rahmenbedingungen die gewünschte Ausweitung der energetischen Verwertung von Bioabfällen stützen müssen. Aufgeführt sind u.a. die zukünftige Biogasanlagenverordnung, die Novellierungen der TA Luft und der düngerechtlichen Vorgaben. Die letzteren legen nahe, dass hochwertige Komposte auch weiterhin in der Landwirtschaft zur Ausbringung kommen sollen. Ambitioniertes, mittelfristiges Ziel muss es nach Auffassung der ASA sein, sowohl die getrennte Erfassung von Bioabfällen als auch deren unterschiedliche Verwertungswege in Abstimmung zwischen Anlagenbetreibern, Verbänden, Wissenschaft und Politik verbindlich zu definieren und Kriterien für eine Beurteilung der Eignung von Bioabfällen für unterschiedliche Verwertungswege zu erarbeiten. Dabei sieht sich die ASA als Fachverband mit großen Erfahrungen in der mechanischen und biologischen Behandlung von Abfallfraktionen in einer zentralen Rolle.

Quelle: ASA – Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung