Schrottpreise im Sinkflug: Ernüchternde österreichische Bilanz für 2015

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Compact 800 Schrottschere (Foto: Danieli Henschel)

Hall, Österreich Die Bilanz 2015 für den österreichischen Schrottmarkt fällt mehr als ernüchternd aus. Einer der Gründe besteht in Überkapazitäten durch billige Stahlimporte aus China und Russland. Diese bringen auch die europäische Stahlproduktion massiv unter Druck. Allein hier sind 70.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Im ersten Halbjahr 2015 stützte noch die stabile Schrottnachfrage der Verbraucher sowohl national wie international die Schrottpreise. Der Markt war relativ ausgeglichen; erst ab Juli begannen die Schrottpreise auf breiter Front nachzugeben. Damit steht die Schrottwirtschaft im zweiten Halbjahr 2015 vor schwierigen Herausforderungen in einem alles andere als stabilem Umfeld.

Während die Rohstahlproduktion von Januar bis Juni zwar nur um 1,5 Prozent zurückgegangen ist, sank der Schrottverbrauch wesentlich deutlicher und zwar um beinahe 4 Prozent. Die integrierten Hüttenwerke und Elektrostahlwerke reduzierten ihren Schrottverbrauch im betrachteten Vergleichszeitraum merklich. Die integrierten Hüttenwerke profitierten zudem von günstigen Weltmarktpreisen für Erz und erhöhten im Rohstahlprozess den Roheisenverbrauch zu Lasten des Schrotteinsatzes.

In machen Regionen geht das Altschrottaufkommen preisbedingt bereits deutlich zurück. Für Händler, die im privaten Bereich und bei kleinen Betrieben Schrott sammeln, lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Bei Abholungen von Haushaltsschrotten werden bereits Abholpauschalen in Rechnung gestellt, wobei bis Jahresmitte noch Vergütungen bezahlt wurden. Marktteilnehmer berichten von einem Rückgang des Aufkommens und rechnen mit keiner Erholung des Preises für das nächste Jahr.

Durch diesen massiven Preisverfall nimmt nicht nur die Recycling-Branche großen Schaden. Auch die negativen Auswirkungen auf die Umwelt – wegen nicht fachgerechter Wiederverwertung wertvoller Rohstoffe und hoher Transportkosten für billige Importe – sind erheblich. Eine gemeinschaftsrechtliche Lösung hat daher höchste Priorität – für die Wirtschaft und für die Umwelt.

Quelle: OTS / RAGG GmbH / Schloss Marketing – Marketing & Media Services GmbH