ISTE-Baustofftage 2015: Lob und Kritik an der Novelle der Mantelverordnung

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Zollte Lob und Kritik: Christa Szenkler (Foto: ISTE)

Ostfildern – Deutliche Worte der Kritik, aber auch überraschendes Lob fanden die Spitzen der baden-württembergischen Baustoffindustrie in diesem Jahr bei den ISTE-Baustofftagen 2015 in Filderstadt. Neben Wohnungsbau und Verkehrsinfrastruktur stand auch der dritte Arbeitsentwurf der geplanten Mantelverordnung im Fokus der Vorträge und Diskussionen. „Mit rund 400 Teilnehmern haben die Baustofftage 2015 auch dieses Mal wieder zahlreiche Unternehmen der Steine- und Erden-Industrie in unserem Land erreicht und deren Geschäftsleitungen die Möglichkeit gegeben, ihre Sicht der Dinge gegenüber Politik und Verwaltung zu formulieren“, bilanzierte ISTE-Präsident Peter Röhm zufrieden.

Dabei stellte Dr. Axel Kopp vom ‪Bundesumweltministerium den 3. Arbeitsentwurf der sogenannten Mantelverordnung vor, zusammen mit den Überlegungen für ein praxisnahes Planspiel, das die Tauglichkeit der Regelungen zusammen mit der Industrie prüfen will. Die Mantelverordnung bündelt Regelungen des Grundwasserschutzes und des Bodenschutzes mit einer neuen Ersatzbaustoffverordnung. Das Ministerium strebe an, die Mantelverordnung dem Deutschen Bundestag noch in dieser Legislaturperiode vorzulegen, so Kopp.

Obwohl die Recycling-‪Unternehmen noch deutliche Kritik auch an diesem Entwurf haben, lobte Christa Szenkler, die Vorsitzende der Fachgruppe ‎Recyclingbaustoffe und ‪Boden des ISTE, die neuen Vorschläge. Sie zeugten von Kompromisswillen der ‪Politik. Allerdings sei es nach wie vor unverständlich, weshalb man in Deutschland 46 Stoffe durch ‪Grenzwerte erfassen wolle, während die EU lediglich 9 Parameter empfehle.

Darüber hinaus präsentierte Peter Dihlmann vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg Bilanz und Einschätzungen zu Bedeutung und Zukunft des Baustoff-Recyclings in Baden-Württemberg, berichtete der Kirchheimer Unternehmer Walter Feeß von seinen Erfahrungen als Recycling-Praktiker und fragte der Vorsitzenden des Qualitätssicherungssystems Recycling-Baustoffe, Eberhard Ludwig: „Wie geht es weiter mit dem QRB?“

In Baden-Württemberg gibt es rund 500 Unternehmen, die mineralische Rohstoffe gewinnen, weiterverarbeiten oder gebrauchte mineralische Rohstoffe recyceln. Insgesamt geschieht dies in rund 800 Werken mit 15.000 Beschäftigten. Diese Branche erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von rund 5 Milliarden Euro pro Jahr im Land.

Pro Einwohner und Jahr müssen rund 10 Tonnen Material der Erde entnommen werden, damit Häuser, Bürogebäude, Straßen, Bahnlinien und Radwege gebaut werden können. Insgesamt werden so jährlich 100 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe gewonnen und benötigt. Ziemlich genau entspricht das einem Kilogramm mineralische Rohstoffe pro Einwohner und Stunde. Gebrauchte Baustoffe werden durch Baustoffrecycling im Kreislauf gehalten. So wird bereits heute ca. 90 Prozent des Bauschuttes und Straßenaufbruchs recycelt.

Rund 400 Teilnehmer zählten die diesjährigen Baustofftage des ISTE. „Ein schöner Erfolg!“, freute sich denn auch ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger. „Dieses Branchenforum ist nicht zuletzt interessant für Aussteller, die hier genau auf ihre künftigen Kunden oder Partner treffen.“

Quelle: Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V.