Abfallvergärung: Australien entdeckt die Vorteile von Biogasanlagen

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Biogasanlage im australischen Aurora (Foto: Weltec Biopower GmbH)

Vechta — Am 19. Oktober 2015 wurde der erste Spatenstich für eines der innovativsten Biogasprojekte Australiens gesetzt. Der deutsche Biogasanlagenhersteller Weltec Biopower will in den kommenden 14 Monaten gemeinsam mit dem Projektpartner Aquatec Maxcon eine Biogasanlage in einem Vorort von Melbourne errichten. Die 1-Megawatt-Anlage für die Vergärung organischer Reststoffe wird eine der ersten dieser Bauart in Down Under sein.

Der Kunde, Yarra Valley Water, zählt zu den größten Unternehmen Australiens im Bereich Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Durch die Biogas-Gewinnung wird Yarra Valley Water an dem Anlagenstandort in Aurora energieautark: „Unsere Abfallanlage stellt eine nachhaltige Lösung für die Nutzung von organischen Reststoffen dar. Es wird genügend grüne Energie produziert, um unsere bereits bestehende Kläranlage und weitere Betriebsstätten mit Strom und Wärme zu versorgen“, erklärt Pat McCafferty, Geschäftsführer von Yarra Valley Water. Die beiden 530-Kilowatt-MAN-Motoren werden sogar so viel Strom produzieren, dass der nicht genutzte Überschuss ins öffentliche Netz eingespeist werden kann.

Vorbild für weitere Investoren

Nicht zuletzt durch diese positiven Auswirkungen könnte das Biogas-Projekt zum Vorbild für weitere Investoren in Down Unter werden. Sowohl in der Bevölkerung als auch von Seiten der Politik wird momentan eine intensive Diskussion um den richtigen Energiemix der Zukunft geführt. Die Debatte schließt auch das Thema Naturschutz mit ein. Hierfür ist die Bevölkerung auch deshalb sensibilisiert, weil Australien als weltweit drittgrößter Uran-Exporteur mit dem Abbau des Rohstoffs in seine Umwelt eingreift und durch die vorrangige Stromerzeugung aus Kohle weltweit einen der höchsten CO2 Ausstöße pro Bewohner hat.

Der Wandel in Richtung erneuerbare Energien ist jedoch bereits eingeleitet: 33 Terrawattstunden soll die Produktion aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 erreichen. In den wenigen Biogasanlagen, die in Australien derzeit am Netz sind, werden noch vorwiegend Klärschlämme und Abwasser verschiedener Industrien verwertet. Das Wachstum der Biogassparte könnte aber vor allem durch eine noch konsequentere Nutzung von Bioabfällen, wie sie in der Weltec-Anlage in Aurora zum Einsatz kommen, gesteigert werden. Immerhin haben die jüngsten Entwicklungen dazu geführt, dass organische Reststoffe nunmehr als Rohstoffe und Energieträger betrachtet werden.

Täglich 100 Tonnen fermentiert

So werden die beiden 3.573 Kubikmeter großen Fermenter aus Edelstahl in Aurora täglich mit 100 Tonnen organischer Reststoffe gefüttert. Über die Hälfte davon stammt aus Kantinen und Restaurants. Der Rest sind Fette und Öle, Brauerei- und Molkerei-Reststoffe, Obst- und Gemüseabfälle sowie Klärschlämme, die direkt von der gegenüberliegenden Kläranlage herübergepumpt werden. Nach der Vergärung wird der Gärrest zunächst hygienisiert und danach zur vorübergehenden Lagerung in einem 4.531 Kubikmeter großen Edelstahl-Behälter gesammelt.

Für eine unterbrechungsfreie Versorgung der Biogasanlage wird ein individuell ausgelegter Eintragsprozess installiert. In der Annahmehalle werden die Substrate zunächst in zwei 35-Kubikmeter-Feststoffdosierer geladen. Ein Teil der Substrate, wie etwa Melonenschalen, wird zunächst geschreddert und anschließend mit den anderen Rohstoffen im „MultiMix“ weiter zerkleinert und mit Rezirkulat gemischt. Nach dieser Vorbehandlung wird die Mischung in einen der fünf Edelstahl-Vorlagerbehälter mit einem Gesamtvolumen von knapp 700 Kubikmeter gepumpt.

Prozess komplett vollautomatisiert

Bis auf das Beladen der Dosierer läuft der Prozess komplett vollautomatisiert ab. Die Größe der Vorlager wurde so konzipiert, dass am Wochenende und nachts keine Beladung und somit kein Personalaufwand notwendig ist. Die von Weltec entwickelte SPS-Steuerung LoMOS sorgt dafür, dass das Substrat automatisch vom Vorlager in die Fermenter gepumpt wird und somit eine kontinuierliche Vergärung am Wochenende sichergestellt ist.

„Unser Wissen und unsere Erfahrung, um ein Projekt technisch derart auszulegen, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir als erster deutscher Biogasanlagenhersteller in Australien eine Anlage bauen dürfen. Wir sind stolz, mit unseren rund 300 Biogasanlagen auf fünf Kontinenten vertreten zu sein“, bilanziert Jens Albartus, der Geschäftsführer von Weltec Biopower. Und fügt hinzu: „Der effiziente Betrieb wird helfen den guten Ruf von Abfallanlagen auf dem fünften Kontinent zu etablieren“, ist sich Jens Albartus sicher.

Quelle: Weltec Biopower GmbH