CEC4Europe: Circular Economy-Politik der EU ohne valide Datenbasis wirkungslos

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Quelle: ARA

Brüssel – Aktuell zur Präsentation der Ergebnisse des Konsultationsverfahrens der EU-Kommission zur künftigen europäischen Kreislaufwirtschaft setzt die Plattform Circular Economy Coalition for Europe (CEC4Europe) ihre Informationsarbeit fort: Bei der High-Level-Podiumsdiskussion des Verbandes der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer VDMA in Brüssel und der Konferenz des EU-Parlaments „Circular Economy: European Priority – No time to waste!“ hat CEC4Europe erneut appelliert, den Schritt vom Siedlungsabfallrecycling zu einem zu einem faktenbasieren Ressourcenmanagement zu wagen.

Zum Gelingen einer funktionierenden EU-Kreislaufwirtschaft braucht es neben einer engen Einbindung der betroffenen Wirtschaft als Produzenten und künftige Nachfrager von Sekundärrohstoffen die systematische Erhebung der entscheidungsrelevanten Datengrundlage. Mit dieser Forderung wendete sich CEC4Europe bei der Podiumsdiskussion des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) am 20. Oktober 2015 in Brüssel an die EU-Kommission und mahnte diese Hausaufgabe bei den Entscheidungsträgern ein.

Sinnvolle Rahmenbedingungen schaffen

Neben hochrangigen Podiumsteilnehmern wie Daniel Calleja-Crespo, Generaldirektor der Generaldirektion Umwelt in der Europäischen Kommission, und Reinhard Bütikofer, Mitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie im Europäischen Parlament, signalisierten Vertreter der Industrie die Bereitschaft zur verstärkten Kooperation von Politik und Wirtschaft, um sinnvolle Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Circular Economy-Politik zu schaffen. Calleja-Crespo kündigte an, dass das neue Kreislaufwirtschaftspaket von einem Aktionsplan begleitet werde, der die wesentlichen Input des Konsultationsverfahrens berücksichtigen und die weiteren Entwicklungslinien vorzeigen werde.

In seiner Keynote Speech sprach sich Christoph Scharff, Initiator von CEC4Europe, für das Überwinden gewohnter Denkschemata aus: „Der Neustart für das Circular Economy Package der Kommission ist eine unglaubliche Chance und die enorme Teilnahme am Konsultationsverfahren mit über 1.400 Beiträgen zeigt das große Interesse. Wir müssen aber Optima an Recycling statt rekordsüchtigen Maxima anstreben und den Tellerrand des Siedlungsabfalls überwinden. Die Daten der Abfallwirtschaft zeigen nur einen Bruchteil des Bildes und blicken zudem in die Vergangenheit: Für ein zukunftsorientiertes Kreislaufwirtschaftspaket müssen wir erheben, welche Massen aus den anthropogenen Lagern in den nächsten Jahrzehnten auf uns zukommen und welche Rohstoffe unsere Wirtschaft in Zukunft überhaupt benötigt. Nur durch planvolles, evidenzbasiertes Vorgehen kann Europa ökologisch und ökonomisch Chancen profitieren.“

Von einer gesicherten Faktenbasis ausgehen

Die für 2. Dezember 2015 angekündigte Neufassung des Kreislaufwirtschaftspakets der EU Kommission stand auch im Mittelpunkt der Konferenz „Circular Economy: European Priority – No time to waste“ am 21. Oktober im Europäischen Parlament in Brüssel. Unter der Schirmherrschaft der Parlamentarier Dario Tamburrano (EFDD), Renata Briano (S&D) und Benedek Jávor (EFA) kam es zum lebhaften Interessensaustausch wichtiger Stakeholder im Bereich der Abfallwirtschaft.

In seiner Rede vor Abgeordneten und Experten aus Wirtschaft und Verwaltung unter dem Titel „Setting the right priorities: Towards a fact-based Circular Economy“ unterstrich Christoph Scharff neuerlich die Wichtigkeit einer Priorisierung von Rohstoffen und Potenzialen. Der Aufbau künftiger Rohstofflager in Produkten, Bauwerken und Infrastruktur liege mit 10 t pro Kopf und Jahr beim Doppelten des Abfallaufkommens. Das über Jahrzehnte aufgebaute Lager an anthropogenen Rohstoffen sei mit rd. 400 t um den Faktor 100 größer als das jährliche Abfallaufkommen und müsse Bestandteil einer Kreislaufwirtschaft sein, die diesen Namen verdient. Jedoch verfügten weder Politik noch Abfallwirtschaft derzeit über Daten zu Vorkommen, Qualität, erforderlichen Technologien oder Kapazitäten. Lenkende politische Eingriffe sollten von einer gesicherten Faktenbasis ausgehen.

CEC4Europe arbeitet daher eng mit Wissenschaftern und führenden Industrieunternehmen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen, um zu einer strategischen europäischen Kreislaufwirtschaft beizutragen.

Quelle: Altstoff Recycling Austria AG