Ab 1.1. 2016: Produktstatus für qualitäts-gesicherte Recycling-Baustoffe in Österr.

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25 Jahre BRV (Quelle: Österreichischer Baustoff-Recycling Verband)

Wien, Österreich – „Nach 25 Jahren ist es nun gelungen, für qualitätsgesicherte Recycling-Baustoffe den Produktstatus ab 1. Jänner zu erhalten. Damit können Private wie auch gewerbliche Auftraggeber Produkte der Recycling-Wirtschaft als hochwertigen Baustoff einsetzen“, eröffnete Günter Gretzmacher MAS, Vorsitzender des Österreichischen Baustoff Recycling Verbandes (BRV). Sein Vortrag zeigte ebenso wie die sehr gut besuchte Tagung „Die neue Recycling-Baustoffverordnung“ die neuen Anforderungen und Möglichkeiten, mineralische Baurestmassen als hochwertige Recycling-Baustoffe unter den Bedingungen der neuen Verordnung einsetzen zu können.

Seitens des Ministeriums stellte Evelyn Wolfslehner, BMLFUW klar: Der Abbruch unterliegt seit 1. Januar einem komplett neuen Regime. Jeder Bauherr hat vor Vergabe sein Abbruchobjekt auf Schad- und Störstoffe zu untersuchen und eine Materialbeschreibung schriftlich dem Abbruchunternehmer zu übergeben. Dies sei notwendig, um die Materialqualität für die Verwertung zu heben. Schließlich sollen laut Europäischer Kommission mehr als 70 Prozent aller Baurestmassen einer Verwertung zugeführt werden.

Rückbaudokumentation oder Deponierung

Wie Dipl.-Ing. Roland Starke betonte, können nur derart dokumentierte Baurestmassen einer Verwertung und damit einer kostengünstigen Behandlung zugeführt werden. Sollte die seitens des Bauherrn notwendige Dokumentation über die ab 1. Januar verpflichtende Schadstofferkundung oder die vom Bauherrn zu erbringende Rückbaudokumentation fehlen, müssen die Baurestmassen deponiert werden (ausgenommen von Kleinstbaustellen, wo weniger als 100 Tonnen insgesamt anfallen).

Dipl.-Ing. Martin Car, Geschäftsführer des BRV, wies dabei auf einen komplett neuen Service hin: Um den Bauherrn Hilfestellung hinsichtlich der gesetzlich vorgesehenen „Rückbaukundigen Person“ zu geben, bietet der Verband nicht nur eine Auflistung möglicher Personen auf seiner Homepage, sondern auch eine Download- Möglichkeit für elektronisch ausfüllbare Formulare, die für den Rückbau notwendig sind bzw. eine Hilfestellung geben. Martin Car: „Der BRV möchte Hilfestellung geben für die Umsetzung der neuen Recycling-Verordnung, die viele Bereiche der Bauwirtschaft und nicht nur die Recycling-Wirtschaft betrifft. Gerade der Bauherr ist seitens der Verordnung mehrfach angesprochen: einerseits bei jedem Abbruch, andererseits, wenn er seine Baurestmassen aufbereiten bzw. Recycling-Baustoffe einsetzen möchte.“

Wirtschaftlich und rechtssicher?

Dipl.-Ing. Bernhard Dabsch, ASFINAG, beleuchtete aus Sicht der Auftraggeber die neuen Vorschriften: Einerseits ergeben sich für den Bundesstraßenbau neue Möglichkeiten, wie beispielsweise der gesetzeskonforme Einbau von Schlacken und schlackenhältigen Asphalten. Andererseits liegen Einsatzbeschränkungen wie beispielsweise die Bestimmung vor, dass in Gebieten unterhalb des höchsten, 100-jährlichen Grundwasserstandes der Einsatz von Recycling-Baustoffen nicht mehr möglich ist. Damit fallen einige Bereiche der Bundesstraßen aus dem Anwendungsbereich heraus.

Dipl.-Ing. Christian Mlinar, Fa. Bernegger, erläuterte die Sicht der Bauwirtschaft. Auch er kommt zum Schluss, dass Baustoff-Recycling im Interesse der Bauwirtschaft sei, aber dieses müsse sich einerseits ökonomisch rechnen und andererseits klaglos, also ohne Rechtsunsicherheit, funktionieren. Gerade da setzt Mlinar mit seiner Kritik an: Der eigentliche Grundgedanke, durch die Verordnung das Baustoff-Recycling zu fördern, könne aus den neuen Vorschriften aus Sicht der Bauwirtschaft nicht abgeleitet werden.

Dr. Wolfgang Stanek, Fa. Water & Waste GmbH, bestätigte, dass die Verordnung vielfältige Anforderungen aufstelle, die noch nicht restlos geklärt wären. Jedenfalls komme den Prüfanstalten nunmehr eine hohe Verantwortung zu. Er stellte in diesem Zusammenhang klar, dass die Qualität so gut sein müsse, dass nicht das Produkt, sondern „der Kunde“ wieder zurückkomme. Dies impliziere allerdings, dass der Kunde neben der ausreichenden Qualität auch insgesamt, also mit allen Rahmenbedingungen, eine für ihn hochwertige Lösung sehe.

Rückbau-, Umweltrecht-, Bautechnik- und Bauprodukt-konform

„Die Richtlinie für Recycling-Baustoffe gibt seit 25 Jahren den Stand der Technik für das Verwerten von Baurestmassen vor. Der BRV hat sofort mit der Einarbeitung der neuen Standards und Rechtsgrundlagen begonnen und legt mit Oktober 2015 eine ‚vorläufige Fassung‘ der neuen, mit 1. Jänner 2016 in Kraft tretenden Richtlinie vor“, erklärte Martin Car. Somit stünde weiterhin ein einziges Regelwerk für die Herstellung und Verwendung von Recycling-Baustoffen in praxisgerechter Form zur Verfügung: Die Voraussetzungen zur Annahme von Baurestmassen durch den Recycling-Betrieb (beschrieben in der Verordnung und der ÖNORM B 3151), die Herstellung des Baustoffes nach dem Stand der Technik und die Anwendungsmöglichkeiten werden in der neunten Ausgabe der BRV-Richtlinie beschrieben. „Damit kann auch in den Bauverträgen der Passus zur Richtlinie für Recycling-Baustoffe unverändert erhalten bleiben, da diese Richtlinie mit Stichtag 1. Jänner Rückbau-konform, Umweltrecht-konform, Bautechnik-konform und Bauprodukt-konform aufliegen wird“, so der Geschäftsführer des BRV.

Etwas „Nachjustierung“ erforderlich

„Die Baustoff-Recycling Wirtschaft hat immer ein Abfallende für gütegeschützte Recycling- Baustoffe gefordert. Die unlängst veröffentlichte Recycling-Baustoffverordnung lässt dies zu. Damit ist es beispielsweise möglich, hunderttausende Tonnen an Baustoff-Recycling- Produkten für den Deponiebau ohne weitere Abgaben einzusetzen und ebensoviele natürliche Ressourcen zu schonen. Allerdings wurden nach der letzten Begutachtung noch Änderungen in der Verordnung vorgenommen, die teilweise schwer umsetzbar sein werden bzw. das Baustoff-Recycling behindern. Darunter fallen beispielsweise die Eingrenzung der Einsatzbereiche oder die geforderte Zwischenlagerung des Materials bis zur endgültigen Qualifizierung“, relativierte Gretzmacher.

Gut gerüstet

Der Österreichische Baustoff-Recycling Verband ist jedenfalls gut gerüstet: Neben dem neuen Service der für jedermann im Internet herunterladbaren Ablaufdiagramme, ausfüllbaren PDF ́s und die Einschau in die aktuelle Liste der „Rückbaukundigen Personen“ kann auch auf allgemeine Information zur Verordnung zugegriffen werden. Das Schulungsprogramm des BRV wurde intensiviert und bietet auch in den Bundesländern entsprechende Schulungen an. Da seit mehr als fünf Jahren Abbruchkurse seitens des BRV angeboten werden, sind nunmehr mehr als 300 Personen weitergebildet worden, die nunmehr als Rückbaukundige Personen tätig werden können.

Nähere Informationen können direkt beim BRV unter 01/5047289 oder der Homepage abgerufen werden.

Quelle: Österreichischer Baustoff-Recycling Verband (BRV)