Europäische Investitionsbank: Abfall bietet gute Geschäftsmöglichkeiten

1189
Source: European Investment Bank (EIB)

Luxemburg – In der EU belaufen sich allein die kommunalen Abfälle pro Person auf 515 kg pro Jahr. Zur Verringerung dieser Abfallmenge hat die Europäische Investitionsbank (EIB) Projekte im Bereich intelligente Abfallwirtschaft in den letzten zehn Jahren mit etwa 2,8 Milliarden Euro unterstützt. Hier einige Erfolgsbeispiele aus Frankreich und dem Vereinigten Königreich.

Eine schlechte Bewirtschaftung von festen Abfällen kann ein Land bis zu 10 Prozent des BIP kosten“, erklärt Patrick Dorvil, Experte für Abfallrückgewinnung und -verwertung bei der EIB. „Die Abfallbehandlung ist für die Gesundheit, die Umwelt und auch für unsere Wirtschaft von großer Bedeutung“, fügt er hinzu. „Europa ist arm an natürlichen Ressourcen, die für viel Geld importiert werden müssen. Die Verwertung von recycelbaren Materialien und die Energiegewinnung aus Abfällen müssen die Hauptziele jeder Abfallbehandlungspolitik sein. Die thermische Abfallbehandlung zur Energieerzeugung könnte 20 Prozent der Energieimporte Europas ersetzen, das ist ein nicht unwesentlicher Anteil.“

30.000 Tonnen Kompost in Canopia

Die EIB ist dafür bekannt, dass sie große Infrastrukturvorhaben in Europa und weltweit unterstützt. Sie spielt jedoch auch im Umweltbereich eine wichtige Rolle. Im Jahr 2013 beteiligte sich die Bank mit einem Darlehen von 50 Millionen Euro an der Finanzierung von zwei Recyclinganlagen. Darlehensnehmer war das Syndicat Mixte Bil Ta Garbi, eine öffentliche Einrichtung für interkommunale Zusammenarbeit, an der 202 Kommunen beteiligt sind und die für fast 275.000 Menschen in Südwestfrankreich zuständig ist.

Die erste Anlage wurde im April 2014 unter der Bezeichnung Canopia in Betrieb genommen. Sie befindet sich im Nordwesten von Bayonne und behandelt die Haushaltsabfälle von 24 Kommunen mit fast 200.000 Einwohnern. Sie erzeugt jährlich etwa 30.000 Tonnen Kompost, durch die 3.300 Tonnen chemische Düngemitteln eingespart oder 1.500 Hektar landwirtschaftliche Flächen gedüngt werden können. Organische Abfälle werden durch Methanisierung ebenfalls in Energie umgewandelt. Dadurch kann Canopia 25.000 MWh Energie erzeugen. 12.500 MWh davon werden als Strom in das Netz von Electricité de France eingespeist, und 12.500 MWh werden als Wärme für Recyclingverfahren und zur Heizung von Verwaltungsgebäuden genutzt.

Mendixka: Verwerten ist besser als Deponieren

Wie Canopia wurde auch die zweite Recyclinganlage Mendixka in der Gemeinde Charritte-de-Bas zu dem Zweck errichtet, den Vorgaben des Umweltschutzgesetzes (Grenelle-Gesetzes), das eine maximale Verwertung von recycelbaren Materialien und eine Verringerung der für eine Deponierung oder Verbrennung vorgesehenen Abfälle um 15 Prozent fordert, Rechnung zu tragen. Vor der Inbetriebnahme von Mendixka wurden 80 Prozent des Haushaltsrestmülls ohne Verwertung deponiert. Dank der Anlage und der Entwicklungen im Bereich Mülltrennung und Müllreduzierung konnten 70 Prozent der Haushaltsabfälle im Jahr 2015 vollständig verwertet werden. Der auf diese Weise erzeugte Kompost stellt eine ökologische Alternative zu chemischen Düngemitteln dar, und das organische Material wird in den ökologischen Kreislauf zurückgeführt.

Die Anlage ermöglicht das Recycling von 20.000 Tonnen Haushaltsrestmüll sowie von 2.600 Tonnen Bioabfällen pro Jahr. Insgesamt werden jedes Jahr 4.600 Tonnen Kompost produziert, durch die 500 Tonnen chemische Düngemittel eingespart werden können. Die Abfallbehandlungskapazität von Mendixka ist so ausgerichtet, dass der Bedarf des Versorgungsgebiets in den nächsten 20 Jahren gedeckt werden kann. Die vorgesehene Kapazität berücksichtigt das Bevölkerungswachstum, Migrationsströme und eine Veränderung der Art der anfallenden Abfälle, des Verbraucherverhaltens sowie der Methoden zur selektiven Sammlung von Abfällen und gefährlichen Abfallstoffen. Die Abfallbehandlungsanlagen haben außerdem Beschäftigungsmöglichkeiten in der Region geschaffen. Am Standort Mendixka sind sieben direkte Arbeitsplätze entstanden, während die Anlage Canopia, die eine Behandlungskapazität von 80 000 Tonnen pro Jahr hat, ein Team von 41 Mitarbeitern beschäftigt.

Recycling- und Kompostierungsrate auf 50 Prozent erhöhen

Im Vereinigten Königreich unterzeichnete die Greater Manchester Waste Disposal Authority (GMWDA) 2009 einen Vertrag mit Viridor Laing (Greater Manchester) Limited über die Rückgewinnung und Bewirtschaftung von Abfällen. Der Vertrag umfasst ein Bauprogramm im Umfang von 631 Millionen Pfund Sterling, das umfangreiche Installationsarbeiten vorsieht. An der Finanzierung dieses Programms hat sich die EIB mit einem Darlehen von 182 Millionen Pfund Sterling (200 Millionen Euro) beteiligt.

Die GMWDA behandelt 5 Prozent der in England anfallenden Siedlungsabfälle. Sie verfügt über insgesamt 42 Anlagen an 23 Standorten, 20 Hausmüll-Recyclingzentren, vier Einrichtungen für geschlossene Mietenkompostierung (Behälterrotte), fünf mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlagen, zwei Müllheizkraftwerke, vier Einrichtungen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und sieben Abfallumladestationen. Durch das Projekt soll eine solide Abfallentsorgung für mehr als 2,27 Millionen Menschen gewährleistet werden. In den betreffenden neun Kommunen fallen jedes Jahr über 1,1 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle an.

Die Hauptziele der GMWDA bestehen darin, das allgemeine Abfallaufkommen zu verringern, mindestens 75 Prozent der auf Deponien zu verbringenden Abfälle in anderer Weise zu entsorgen und den Anteil von Recycling und Kompostierung auf 50 Prozent zu erhöhen. Ein weiteres Ziel der GMWDA ist es, Strom aus erneuerbaren Energieträgern für mehr als 100 000 Haushalte zu generieren.

Vorbildcharakter für zukünftige Programme

Die Finanzierungspartnerschaft mit der EIB hat es ihr ermöglicht, im Großraum Manchester erstklassige Technologien für die Abfallbewirtschaftung einzuführen. Die GMWDA verfolgt das strategische Ziel der Abfallvermeidung und geht davon aus, dass rund 90 Prozent Abfälle einer anderweitigen Verwendung zugeführt werden können. Kernziel des Projekts ist eine Umweltverbesserung durch Abfallverminderung und -verlagerung weg von den Deponien sowie die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien.

Durch die Schaffung und Sicherung von etwa 5 000 Arbeitsplätzen hat das Projekt auch einen sozio-ökonomischen Nutzen. In Einklang mit dem britischen Aktions- und Strategieplan zum Klimawandel trägt das Projekt auch wesentlich zu dem Ziel bei, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 278.000Tonnen zu verringern.

Es hat Vorbildcharakter für zukünftige Programme der Private Finance Initiative und erhielt bereits mehrere Auszeichnungen, darunter den Public Private Finance Award 2010, den Best Waste Project Award, den Judges Innovation Award, den Green Apple Award for Environmental Best Practice 2009, die Auszeichnung „European Waste Deal of the Year 2009″ des Magazins Project Finance, und zuletzt eine Auszeichnung für die Zusammenarbeit mit den Kommunen, unter anderem bei der Mülltrennungskampagne „Right Stuff, Right Bin“.

Quelle: Europäische Investitionsbank (EIB)