IKB: Unsichere Rohstoffpreise wegen chinesischer Stahlexporte und Abgaskrise

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Stahlproduktion im Hüttenwerk (Foto: Kroll/Recyclingportal)

Düsseldorf – Die internationalen Rohstoffmärkte standen weiter im Sog der Wachstumsabschwächung in China. Die Metallmärkte standen im Fokus des Wachstumsraten-Rückgangs des chinesischen Bruttoinlandsproduktes auf Werte, die zukünftig eher um 5 Prozent oszillieren dürften. Vor allem bei der Stahlerzeugung übersteigt derzeit die chinesische Produktion den Inlandsbedarf erheblich, sodass mit weiter anziehenden Stahlexporten gerechnet werden muss. Zwar gingen im Jahr 2014 nur 7 Prozent der chinesischen Stahlausfuhren in die EU – dies entspricht circa 6,5 Mio. t –, im laufenden Jahr ist jedoch ein Anstieg auf gut 9 Mio. t zu erwarten. Hiervon gehen rund 40 Prozent nach Italien, meldet die IKB Deutsche Industriebank in ihrer neuesten Rohstoffpreis-Information.

Dieser Trend dürfte auch 2016 anhalten. Den europäischen Markt belastete zuletzt auch der Abgas-Skandal von VW. Sorgen, dass die deutsche Automobilproduktion geringer als erwartet wächst, würde den Metallbedarf ebenfalls reduzieren. Dieser Effekt dürfte allerdings nicht überschätzt werden. Eher ist ein größerer Wechsel von Diesel- zu Benzin-Pkws zu erwarten. Dies würde in einigen Komponenten (z. B. Motorblock) zu einer stärkeren Substitution von Stahl durch Aluminium führen.

Bis Ende August 2015 lag die Weltstahlproduktion um 2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Produktion in der EU 28 erhöhte sich leicht, diejenige Chinas verzeichnete einen Rückgang. Der Einbruch in der Ukraine hält weiter an. Die Schrottpreise sanken aufgrund schwacher Exporte weiter. Obwohl die Erzpreise sich im September eher seitwärts bewegten, dürfte noch keine Erleichterung im Schrottmarkt ankommen. Die Weltstahlpreise tendierten im September sortenabhängig bis zu 3,5 Prozent leichter. In Europa betrugen die Preisabschläge bis zu 6 Prozent. In der Tendenz rechnet die IKB bei Flachprodukten in Europa bis Ende Dezember 2015 mit einem Rückgang um bis zu 4 Prozent, bei Langprodukten um bis zu 5 Prozent. Bei Schrottpreisen wird im Oktober ein leichter Rückgang erwartet.

Die weltweite Primäraluminiumproduktion lag bis Ende August 2015 um über 10 Prozent über Vorjahresniveau. Einige asiatische Regionen expandieren zweistellig, Westeuropa legte um 5 Prozent zu, in Amerika ging die Erzeugung zurück. Die Lagerbestände an der LME sanken weiter auf 3,19 Mio. t; die Sekundärlegierung liegt bei nur noch 12.000 t. Die Vorräte an den übrigen Börsen sind gering. Die investive Nachfrage zog weiter an: Die Anzahl der Handelskontrakte weist den höchsten Stand der letzten 15 Jahre auf. Dies spiegelt die Erwartung einer Korrektur der Übertreibungen an den Börsen für Primär- wie auch Sekundäraluminiumpreise wider. Die Tendenz zeigt bis Ende Oktober 2015 eine Bewegung um 1.650 US-$/t in einem Band von 200 US-$, die Sekundärlegierung rangiert rund 100 US-$/t darüber.

Die weltweite Nachfrage nach Kupfer sank im ersten Halbjahr 2015 um 2 Prozent – primär infolge einer Halbierung der russischen Nachfrage. Im Gesamtjahr 2015 dürfte eine Verbrauchszunahme auf rd. 23,5 Mio. t. erfolgen. Zuletzt hat die chinesische Nachfrage angezogen. Nach Jahren mit hohen Angebotsdefiziten sieht die IKB im Jahr 2015 einen balancierten Markt. Allerdings betrug der Überschuss des ersten Halbjahres nur 19.000 t. Die Lagerbestände der Börsen reichen nur für knapp 6 Tage. Die investive Nachfrage gab im September jedoch deutlich gegenüber dem Vormonat nach, was auf eine verhaltene Preiserwartung deutet. In der Tendenzsieht die IKB bis Ende November 2015 eine Bewegung des Kupferpreises um 5.500 US-$/t in einem Band von 750 US-$.

Quelle: IKB Deutsche Industriebank