Tönsmeier und WWF starten 2016 Bergung von Geisternetzen aus der Ostsee

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Allein in die Ostsee gelangen jährlich bis zu 10.000 herrenlose Netzteile (Foto: © P.Necel / WWF)

Porta Westfalica / Stralsund — Klimawandel, Artensterben, Meeresverschmutzung – die Liste bedrohlicher Umweltthemen ist lang und es besteht in vielerlei Hinsicht akuter Handlungsbedarf. Die Tönsmeier Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Porta Westfalica hat daher – als erstes Entsorgungsunternehmen in Deutschland – eine Partnerschaft mit dem WWF Deutschland vereinbart. Um das WWF-Projekt „Geisternetze“ zu unterstützen, das die weltweit aktive Natur- und Umweltschutzorganisation im kommenden Jahr in der Ostsee realisiert. Die Verträge dazu wurden im September im Berliner Büro des WWF gezeichnet.

Bernd Ranneberg, Sprecher der Geschäftsführung des Familienunternehmens, ist stolz auf die künftige Kooperation: „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, den WWF bei seinen Zielen zu unterstützen und gemeinsam daran zu arbeiten, nachfolgenden Generationen eine intakte, vielfältige und lebenswerte Umwelt zu hinterlassen.“ Auch Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz des WWF Deutschland, blickt erwartungsfroh auf die Zusammenarbeit: „Es ist wichtig, dass wir einen Partner gefunden haben, der uns bei der Entwicklung nachhaltiger Verwertungswege fachlich beraten kann. Dass Tönsmeier das Projekt ‚Geisternetze‘ auch finanziell fördert, macht das Engagement für uns doppelt wertvoll.“

Mehr als 640.000 Tonnen herrenlose Netze

Fast ein Zehntel des weltweiten Meeresmülls besteht aus Geisternetzen. Laut Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sind es über 640.000 Tonnen. Allein in die Ostsee gelangen jährlich bis zu 10.000 herrenlose Netzteile, losgerissen von der Küstenfischerei oder im Sturm von Fischerbooten verloren. Auch nach Jahrzehnten stellen sie noch immer eine Gefahr für die Meeresumwelt dar. „Sie werden zur lautlosen Falle für Meeressäuger, Seevögel und Fische“, sagt Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros.

Schon im kommenden Jahr sollen daher speziell geschulte Fischkutterbesatzungen mehrere Tonnen Netze aus der deutschen Ostsee bergen. Anschließend muss für das eingesammelte Material ein optimaler Prozess entwickelt werden, der einen umweltfreundlichen Transport sowie eine effektive Aufbereitung und Verwertung umfasst. Das Ziel ist es, den größtmöglichen Anteil als Sekundärrohstoffe im Produktionskreislauf zu belassen, um den Verbrauch natürlicher Rohstoffvorkommen dauerhaft zu verringern.

Zunächst informieren und Blaupausen entwickeln

„Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass wir zunächst Informationen zur Zusammensetzung, zur Größe und zum Verschmutzungsgrad der geborgenen Netze erhalten“, erklärt Dr. Michael Krüger, der die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Tönsmeier Gruppe leitet. „Auf Basis dieser Erkenntnisse können wir dem WWF dann eine nachhaltige Verwertungsstrategie empfehlen“, fügt Krüger hinzu, der seit drei Jahren auch ein ministeriell gefördertes Konsortium zur Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen aus Deponien führt.

In welcher Form die aus der Ostsee geborgenen Geisternetze künftig verwertet werden, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit vorhersagen. Von weit größerer Bedeutung ist jedoch, dass die Projektpartner mit ihrem Engagement einen ersten wichtigen Schritt machen und gemeinsam eine Blaupause entwickeln, die sich im besten Fall auf andere drängende Umweltthemen übertragen lässt. „Die gedankenlose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen hat dramatische Ausmaße angenommen. Sukzessive wird unseren Kindern die Lebensgrundlage auf diesem Planeten entzogen. In einer aktiven Partnerschaft mit dem WWF wollen wir – im Rahmen unserer Möglichkeiten – zu einer Trendwende beitragen und mit unseren Ideen ein nachhaltiges Wertstoffmanagement fördern“, so Tönsmeier-Geschäftsführer Bernd Ranneberg in Berlin.

Weitere Informationen sind unter wwf.de zu finden.

Quelle: Karl Tönsmeier Entsorgungswirtschaft GmbH & Co. KG