Meeresverschmutzung: Die Donau transportiert 4,2 t Plastikabfälle täglich

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Die Grünen (Österreich)

Wien — Pro Tag schwemmt die Donau 4,2 Tonnen Plastikmüll ins Schwarze Meer. In Österreichs größtem Fluss sollen mittlerweile mehr Plastikteile als Fische treiben. Das sind die dramatischen Ergebnisse einer Studie der Uni Wien. „Wir haben in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die Plastikverschmutzung der Meere durch die Flüsse ein großes Problem ist. Dass auch Plastikmüll aus Österreich in den Weltmeeren landet, ist ein offenes Geheimnis, auf das wir bei unseren Kampagnen gegen Plastiksackerl oder für eine Wiedereinführung der Pfandflaschen hingewiesen haben. Über das nun erstmals nachgewiesene Ausmaß der Verschmutzung bin ich aber trotzdem schockiert“, erklärt die Umweltsprecherin der Grünen, Christiane Brunner.

Die Studienautoren geben selbst an, dass ihre Schätzung äußerst konservativ ist. Außerdem wurden durch die Studie nur Plastikteile einer bestimmten Größe untersucht, die in etwa der von Fischlarven entsprechen. Ganze Plastikflaschen und Einkaufstüten sowie andere größere Plastikteile sowie Mikroplastik sind darin noch nicht enthalten. „Das wahre Ausmaß dieses Plastikstroms ist also noch um einiges dramatischer, als von der Studie erfasst werden konnte. Wir wissen zum Beispiel, dass winzige Plastikteile in Kosmetik und Pflegeprodukten (Zahnpasta, Duschgels, Peelings, etc.) enthalten sind und durch die Abwassersysteme in Flüsse geraten“, erklärt die Umweltsprecherin.

„Jahrelang wurde uns erzählt, dass die Plastikinseln in den Weltmeeren nichts mit uns zu tun haben. Jetzt hat das eine Studie erstmals nachgewiesen. Ich fordere Umweltminister Rupprechter auf, diese ökologische Katastrophe restlos aufzuklären“,  betont Christiane Brunner.

Die Grünen kündigen eine diesbezügliche parlamentarische Anfrage an. Unter anderem werden sie abfragen, woher diese enorme Verschmutzung kommt und ob auch andere Flüsse in einem ähnlichen Ausmaß durch Plastikteile kontaminiert sind wie die Donau. Darüber hinaus wollen die Parlamentarier wissen, welche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt in der Donau sowie im Schwarzen Meer diese Verschmutzung hat, ebenso die Auswirkungen für Menschen.

„Die Grünen Apelle der letzten Jahre zum Kampf gegen die Plastikmüllberge gewinnen angesichts dieser dramatischen Erkenntnisse an Dringlichkeit. Durch eine Wiederbelegung der Mehrweg-Pfandflasche und durch konkrete Maßnahmen gegen Plastikverpackungen und Plastiksackerl können in Österreich erste konkrete Schritte gesetzt werden“, hält die Umweltsprecherin fest. ForscherInnen kommen zum Ergebnis, dass fast 80 Prozent des gefunden Plastikmülls industrielles Rohmaterial ist. „Wir müssen aufklären, ob es sich hier um Kontrollversagen, Gesetzeslücken oder einfach um Umweltverbrechen handelt. Wenn täglich 3.300 Kilo Plastikpartikel, die zur Verarbeitung in der Industrie gedacht sind in der Donau landen, muss das doch irgendwem aufgefallen sein“, meint Christiane Brunner.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie über „The Danube so colourful: a potpourri of plastic litter outnumbers fish larvae in Europe’s second largest river“ von Aaron Lechner, Hubert Keckeis, Franz Lumesberger-Loisl, Bernhard Zens, Reinhard Krusch, Martin Glas, Michael Tritthart und Elisabeth Schludermann ist unter sciencedirect.com zu finden.

Quelle: OTS / Christiane Brunner