DUH will softwaregesteuerte Diesel-Abgasmanipulationen enttarnen

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Auspuff (Foto: © Kurt /http://www.pixelio.de)

Berlin – Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat vor einer Woche parallel zur Eröffnung der IAA vor dem Eingang der Automesse ihre aktuelle Kampagne „Diesel-Abgase töten“ gestartet. Bereits damals erklärte die DUH, dass nach ihren Recherchen praktisch alle deutschen Hersteller von Diesel-Pkw die geltenden Grenzwerte um solche Größenordnungen überschreiten, dass vom Vorhandensein illegaler Abschalteinrichtungen bei der NOx-Abgasreinigungsanlage auszugehen ist.


Nach Angaben der DUH liegen ihr detaillierte Hinweise, Messprotokolle sowie Ergebnisse eigener Abgasmessungen vor, die unglaubliche Abweichungen der NOx-Emissionen zwischen 500 bis 3.000 Prozent oberhalb der Grenzwerte zeigen sollen. Sehr konkrete Hinweise bzw. Messprotokolle liegen der DUH nach eigener Darstellung zu Fahrzeugen der Hersteller Opel, BMW, Daimler, Audi und Volkswagen vor. Mit Fristsetzung zum heutigen Tag 15:00 Uhr hat die DUH bereits an diesem Montag die großen deutschen Pkw-Hersteller aufgefordert, sieben detaillierte Fragen zu Art und Umfang der „gesetzwidrigen Abgasmanipulationen“ zu beantworten. Sollte diese Frist ergebnislos verstreichen, will die DUH in den folgenden Tagen und Wochen zusätzlich zu den beschuldigten Unternehmen VW und Audi weitere Hersteller mit ihren „rechtswidrigen Tricks“ präsentieren.

Nicht ohne Grund beginnt die DUH diese Serie heute mit dem Unternehmen BMW. Bereits im Jahr 2011 wurde nach ihrer Darstellung bei einem 1er BMW mit Benzin-Direkteinspritzung eine 30-fache Überschreitung der NOx-Grenzwerte gemessen und wurden klare Indizien für eine illegale Abschalteinrichtung des Katalysators ermittelt. Die extrem hohen Realemissionen kommen nach aktuellem Kenntnisstand durch zum Teil einfache Maßnahmen zustande.

Ein weit verbreitetes einfaches Muster soll dabei die Abschaltung des Katalysators bei einer Geschwindigkeit über den maximal beim Prüfzyklus gefahrenen 120 km/h (z. B. bei 125 oder 140 km/h) sein mit der Folge, dass ausgerechnet bei besonders hohen Verbrennungstemperaturen die Dieselabgasgifte komplett ungefiltert die Luft verpesten. Ein anderer deutscher Hersteller soll sogar erkennen, ob bei 25 Grad Labortemperatur ein Abgastest oder 28 Grad Labortemperatur ein Verbrauchstest durchgeführt wird. Nur diese drei Grad Temperaturunterschied führen zu einer reproduzierbaren Erhöhung der NOx-Emissionen um 500 Prozent.

Die DUH ruft ‘Whistleblower‘ dazu auf, ihr bei Enttarnung softwaregesteuerter Abschalteinrichtungen von Diesel- und Direkteinspritzer-Benziner Pkw zu helfen und so, wie bereits in den vergangenen Tagen geschehen, weitere Messprotokolle oder einfach die verwendeten Tricks zur Erkennung des Testzyklus mit möglichst genauer Angabe zu Marke, Modell, Motorisierung und Modelljahr zu machen.

Weitere Informationen sind unter duh.de erhältlich.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe (DUH)