Sofia: Bulgariens Hauptstadt macht endlich ernst mit Abfallbewirtschaftung

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Source: European Investment Bank (EIB)

Luxemburg – Bulgarien passt seine Abfallwirtschaft derzeit an die neuen Standards in der Branche an. Die Europäische Investitionsbank hat der Hauptstadt Sofia geholfen, eine integrierte Abfallwirtschaft aufzubauen, durch die aus Abfall eine wertvolle Ressource wird. Dazu hat sie technische Hilfe und ein Darlehen in Höhe von 33 Millionen Euro bereitgestellt.

Bis 2010 hatte die Stadt ihre Abfälle ausschließlich auf Deponien abgelagert. So wurden wertvolle Ressourcen und Energie verschwendet. Außerdem fühlten sich die Anwohner belästigt. Mithilfe des EIB-Darlehens konnte die Stadt nun mehrere Abfallbehandlungsanlagen finanzieren. Diese Anlagen haben ausreichend Kapazitäten, um ca. 500 000 Tonnen kommunale Abfälle pro Jahr zu verarbeiten.

Durch das neue Konzept der Stadt wird Abfall zu einer wertvollen Ressource. Mittlerweile werden etwa 60 Prozent der Abfälle in Sofia kompostiert, recycelt oder zur Energiegewinnung genutzt. Die Anlagen tragen dazu bei, dass biologisch abbaubare Abfälle nicht mehr auf Deponien landen, und helfen so, die für den Klimawandel verantwortlichen Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Außerdem werden wertvolle Materialien zurück in die Wirtschaft geleitet. So fördert das neue Konzept die Kreislaufwirtschaft, hilft Energie zu sparen und vermindert die Treibhausgasemissionen aus dem Rohstoffabbau. Es dürften 150 neue Jobs für Ingenieure, Biologen, Energiefachleute sowie Finanz- und Logistikexperten entstehen.

Kompostieranlage für 20 000 Tonnen

Eine seit März 2014 betriebene Kompostieranlage kann jährlich ca. 20 000 Tonnen biologisch abbaubaren Abfall aus Parks und Gärten verarbeiten. Sie produziert hochwertigen Kompost, der an Bauern und Anwohner verkauft wird. Bis zu 10 Kilo Kompost werden kostenlos an die Einwohner von Sofia für ihre Gärten verteilt. Diese Maßnahme wurde sehr begrüßt. Bei voller Kapazitätsauslastung produziert die Anlage 13 000 Tonnen Kompost und 30 Tonnen Ammoniumsulfat, das oft als Bodendüngemittel eingesetzt wird. Indem Stickstoff und Phosphat (eine knappe und begrenzte Ressource) und andere Mineralien in den Boden zurückgeleitet werden, wird die Umwelt entlastet.

Vergärungsanlage für 24 000 Tonnen

Eine im Januar 2014 in Betrieb genommene anaerobe Vergärungsanlage verarbeitet ca. 24 000 Tonnen getrennt gesammelte Essens- und Küchenabfälle. Dieser Abfall wird dann in Energie umgewandelt, die für den eigenen Bedarf verwendet oder in das Netz eingespeist wird. Bei voller Kapazitätsauslastung produziert die Anlage 855 KW/h Strom.

Mülltrennungssystem für zwei Stadtbezirke

Um recyclingfähige Stoffe verwerten zu können, wurde in den zwei Bezirken Kupel und Kremikovtsi ein Mülltrennungssystem eingeführt. Dank einer gründlich vorbereiteten Informationskampagne wurde das System von den Einwohnern der Stadt gut angenommen. 2014 wurden rund 64 Tonnen Papier und Pappe, 73 Tonnen Plastik und Metall sowie 82 Tonnen Glas gesammelt, die nun wiederverwendet werden. Bald soll der Müll auch in anderen Bezirken der Stadt getrennt werden.

Die EIB hat für die Modernisierung unserer Abfallwirtschaft eine wichtige Rolle gespielt – nicht nur durch ihren Finanzierungsbeitrag, sondern auch durch umfassende technische Hilfe. Sofia ist der EIB dafür äußerst dankbar. Wir hoffen auf weitere Zusammenarbeit bei zukünftigen Projekten in diesem Sektor“, sagt Maria Boyadjiiska, stellvertretende Bürgermeisterin von Sofia.

Quelle: Europäische Investitionsbank