98% Verwertungsquote: Private Textil-Recyclingwirtschaft punktet mit Leistung

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Clotheschecking (Foto: IGC / Axion)

Bonn – Neue Ergebnisse zur Marktentwicklung der Branche und deren Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und zum Ressourcenschutz hat mit der Studie “Konsum, Bedarf und Wiederverwendung von Bekleidung und Textilien in Deutschland” der bvse-Fachverband Textilrecycling veröffentlicht. Die Untersuchungsergebnisse, die die Zahlen der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2007 zum Textilrecycling in Deutschland fortschreiben, belegen, dass die deutsche Textilrecyclingwirtschaft seitdem weitere beachtliche Leistungserfolge erzielt hat.

Höheres Sammelaufkommen – gestiegene Verwertungsquote

Mit dem Sammelaufkommen von rund 1,01 Millionen Tonnen und der Steigerung der Verwertungsquote von 90 Prozent auf 98 ProzentProzent können Sammler und Sortierer trotz der erheblichen Marktverschiebungen der letzten Jahre eine gute Steigerung im Vergleich zu den Zahlen aus 2007 vorweisen.

Ihre Ursache findet das vermehrte Sammelvolumen vor allem in der erstmaligen Einberechnung von Schuhen, die in der letzten Studie nicht berücksichtigt wurden. Die Tatsache, dass sich durch schnell wechselnde Kollektionen der Modeindustrie, verbunden mit einer sehr preisgünstigen Ware mit oft geringer Qualität die durchschnittliche Nutzungsdauer von Textilien von durchschnittlich 3 Jahren in 2007 auf mittlerweile 1 Jahr verringert hat, trägt ebenso dazu bei.

Positive Auswirkungen hatte das erhöhte Sammelvolumen auch unmittelbar auf die Kreislaufquote, dem tatsächlich verwerteten Anteil der Sammlungen in Bezug auf das im Markt verfügbare Gesamtpotenzial, das für 2013 mit rund 1,35 Millionen Tonnen ermittelt wurde. Für die Kreislaufquote konnte eine Steigerung um 14 Prozent auf 74 ProzentProzent in 2013 verzeichnet werden. Von den Teilnehmern an der Umfrage zur Textilstudie gaben rund 91 Prozent an, unter anderem in der Textilerfassung tätig zu sein.

Druck durch Untersagungsverfügungen

Allerdings haben sich im gleichen Zeitraum die Bedingungen für die Marktakteure, insbesondere durch die geänderte Gesetzeslage seit Inkrafttreten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes am 1. Juni 2012, verschlechtert und bewirkten weitreichende Veränderungen in der Marktstruktur.

Die im Kreislaufwirtschaftsgesetz verankerte Überlassungspflicht von Abfällen aus privaten Haushalten an die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (§ 17 Abs. 1 KrWG) hat zur Folge, dass nunmehr auch vermehrt kommunale Betriebe in den bis dahin überwiegend von der Privatwirtschaft besetzten und gut strukturierten Altkleidermarkt drängten, um sich am vermeintlich lukrativen Geschäft zu beteiligen.

Weiter angefacht durch unbestimmte Rechtsbegriffe in § 17 Absatz 2 KrWG kam es aufgrund vieler Rechtsunsicherheiten in der Folge zu einer Flut von Unterlassungsverfügungen. Diese führten zu einer Vielzahl von juristischen Auseinandersetzungen, die teilweise bis heute andauern und für die privaten Sammler hohe Kosten verursachen. Nicht zuletzt auch für den zusätzlichen Personalaufwand um den gestiegenen Verwaltungsaufwand für die Anzeigeverfahren gem. § 18 KrwG zu bewältigen.

Gewerbliche Sammelstrukturen funktionieren sehr gut

“Mit dieser Studie möchten wir den Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Kommunen eine verlässliche Grundlage bei den oftmals emotionalen Diskussionen um die Sammlung und Verwertung von Alttextilien zur Verfügung stellen”, sagt bvse-Textilreferentin Beate Heinz. „Die Textilstudie untermauert, dass die gewerblichen Sammelstrukturen sehr gut funktionieren. Darauf weist die höhere Sammelmenge und die gesteigerte Erfassungsquote hin. Es ist nicht akzeptabel, dass Kommunen versuchen, die privaten Sammelunternehmen aus dem Markt zu drängen. Eine Vielzahl von Urteilen zeigt, dass diese Versuche, mit Hilfe des Ordnungsrechts den Weg freizumachen für kommunale Sammlungen, rechtlich mehr als fragwürdig sind“, so Heinz weiter.

Auch die Zunahme illegal aufgestellter Container, deren Anteil in Deutschland laut Studie auf mittlerweile 33 Prozent geschätzt wird, sieht der bvse kritisch. Anfang 2013 hatte der Fachverband Textilrecycling das bvse-Qualitätssiegel ins Leben gerufen, das Bürgern bei der Abgabe von Altkleidern eine Orientierung gibt. Unternehmen, die das Qualitätssiegel für das Textilrecycling auf ihren Kleidercontainern aufbringen, dokumentieren ihre Betriebsabläufe und werden regelmäßig von einem externen und unabhängigen Sachverständigen überprüft. Das ist bundesweit einzigartig.

Neue Geschäftsmodelle im Vormarsch

In der Betrachtung der Erfassungswege zeigt die Textilstudie auf, dass in den letzten Jahren nicht nur eine Verschiebung von der zeit- und kostenaufwändigeren Straßensammlung (9 Prozent in 2013 gegenüber 20 Prozent in 2007) in Richtung Containersammlung stattgefunden hat (Anteil in 2013 bei 88 Prozent), sondern das auch ganz neue Erfassungswege, z.B. in Form von Rücknahmen in Geschäften oder über Internetportale auftauchen. In diesen neuen Erfassungsmodellen, deren Gesamtanteil in 2013 3 Prozent erreichte, geben Kunden ihre Alttextilien gegen Gutscheine im Geschäft ab oder versenden diese an einen Internetanbieter.

Verwertungswege positiv entwickelt

Insgesamt stellt die Studie eine positive Entwicklung der Verwertungswege zu mehr Wiederverwendung (Second-hand-Ware 54 Prozent in 2013 gegenüber 43 Prozent in 2007) und Weiterverwendung (z.B. als Putzlappen 21 Prozent in 2013 gegenüber 16 Prozent in 2007) zu Lasten der Bilanz von Weiterverwertung in Form von Recyclingfasern und thermischer Verwertung dar. Mit 72 Prozent nimmt Bekleidung den größten Anteil an der Wiederverwendung ein, Schuhe sind mit einem Anteil von 12 ProzentProzent. vertreten. Fehlende Märkte, z.B. für Strickwaren, bremsen das höhere Potenzial für die Wiederverwendungsquote zeitweise aus, das sonst theoretisch bei 66 Prozent liegen könnte. Für die Schonung von Ressourcen und Umwelt spielt die Wiederverwendung eine wesentliche Rolle, da sie die Neuproduktion ersetzt.

Die Studie wurde im Auftrag des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. erstellt und enthält u.a. Datenmaterial aus einer Befragung, die der Fachverband Textilrecycling unter den in Deutschland agierenden Mitgliedsunternehmen in 2013 durchgeführt hat. Im bvse-Fachverband Textilrecycling sind derzeit rund 130 Textilrecyclingunternehmen vertreten.

Die Studie kann unter bvse.de heruntergeladen werden. Inhalte dürfen von Dritten nur unter Angabe der Quelle bvse verwendet werden.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.