IFA-Umfrage zur Reparierbarkeit: 80% der befragten Smartphone-Hersteller sprachlos

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Quelle: kaputt.de

Berlin – Laut einer aktuellen Umfrage des Reparatur-Portals kaputt.de haben 80 Prozent der auf der Internationale Funkausstellung in Berlin vertretenen Handyhersteller keine Antwort auf die Frage nach der Reparierbarkeit ihrer Geräte. Moritz Zyrewitz, Smartphone-Experte und Startup-Gründer der Reparatur-Plattform kaputt.de, sprach mit Mitarbeitern aus 27 Unternehmen und identifizierte drei große IFA-Smartphones-Trends.

Trend 1 – Smart Home

Bereits heute ist das Smartphone längst nicht mehr nur zum Telefonieren und Fotos Schießen da und in Zukunft wird es immer mehr als Schaltzentrale für Smart Homes fungieren. Haushaltsgeräte und sogar die Wohnungseinrichtung lassen sich heute bereits automatisiert über das Internet steuern, so fungiert das Handy als Lichtschalter und Türöffner. “Wenn das Smartphone zur Fernbedienung für meinen Haushalt wird, bin ich noch stärker darauf angewiesen und kann nicht mal eben auf mein Gerät verzichten, wenn es kaputt geht”, so Zyrewitz. “Laut Herstelleraussagen liegt die durchschnittliche Reparaturdauer im Garantiefall aber bei 1-2 Wochen. Das ist kaum noch praktikabel!” Hinzu kommt, dass gerade ein Displayschaden nur selten als Garantiefall anerkannt wird.

Trend 2 – Smartphone ersetzt Laptop

Auf der IFA wird mit ersten Smartphones mit dem Betriebssystem Windows 10 Mobile eine entscheidende Neuentwicklung vorgestellt. Das Handy soll – an einem Bildschirm angeschlossen – fast wie ein normales Notebook genutzt werden können. Zyrewitz betont die praktische Natur dieses Trends: ”Wie oft verzweifeln Leute, weil die Kommunikation und das Backup zwischen Telefon und Computer nicht richtig funktioniert. Diesen Stress kann man sich in Zukunft sparen, wenn Smartphones das Notebook vollständig ersetzen! Mobiltelefone gehen aber in der Handhabung häufiger kaputt als Notebooks, umso erstaunlicher, dass die Reparierbarkeit für viele Messeaussteller scheinbar keine Rolle spielt. Auf Nachhaltigkeit und Reparatur angesprochen haben die Mitarbeiter von 85 Prozent der von uns befragten Unternehmen keine klare Aussagen getroffen”, berichtet Zyrewitz.

Trend 3 – Design und Haptik immer wichtiger

Zwar versuchen Hersteller mit immer höheren Kameraauflösungen, mehr Speicherplatz oder schnelleren Prozessoren zu beeindrucken, bei genauerem Hinsehen lässt sich jedoch erkennen, dass sich Modellgenerationen in ihrer Funktionalität nicht mehr deutlich voneinander unterscheiden. Design und Haptik sind ein größerer Verkaufsfaktor. Metall und Glas geben hier klar den Ton an.
Dieser Trend hat entscheidende Folgen für die Reparierbarkeit der Geräte. “Früher konnte ich meinen defekten Akku noch selbst austauschen. Diese Eigenständigkeit scheint aber nicht gewollt zu sein. Nur 3 von 27 auf der IFA befragten Smartphone-Herstellern bieten überhaupt Reperaturanleitungen an und nur wenig mehr haben Ersatzteile für Endkunden im Angebot”, kritisiert Zyrewitz.

Für die Zukunft sieht Moritz Zyrewitz eine große Verantwortung bei den Herstellern – nicht nur aus Gründen der Nachhaltigkeit. “Ohne eine umfassende Serviceantwort auf defekte Geräte wird zukünftig kein Hersteller mehr erfolgreich sein können.”

kaputt.de hilft seit 2015 Kunden, die defekte Smartphones haben. Mit Video-Anleitungen zum Selbstreparieren, Ersatzteilen, Vermittlung zu den besten Reparatur-Services in ganz Deutschland und auch der Option zum Verkauf der defekten Geräte. In Berlin bietet kaputt.de jede Woche montags zwischen 17 – 20 Uhr ein Reparatur-Café an, wo Besitzer kaputter Smartphones diese mit Hilfe von Experten selbst reparieren können.

Quelle: kaputt.de / trendkraft.de