VKU: Strommarkt 2.0 plus Kapazitäts-Reserve ist teurer als Leistungsmarkt

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Strommast (Foto: ©Uwe-Schlick /http://www.pixelio.de)

Berlin – Das Bundeswirtschaftsministerium hat Anfang Juli 2015 ein Weißbuch zum „Strommarkt für die Energiewende“ vorgelegt. Darin sprach sich das BMWi klar für eine Weiterentwicklung des Strommarktes hin zu einem Strommarkt 2.0 und gegen die Einführung eines Kapazitätsmarktes aus. Im Strommarkt 2.0 sollen sich die benötigten Kapazitäten über bestehende Marktmechanismen refinanzieren . Der VKU kritisiert das Papier: „Das Weissbuch ignoriert die Marktentwicklung und gefährdet mittelfristig die Versorgungssicherheit: Die angedachten Maßnahmen funktionieren nur im gegenwärtigen Marktumfeld mit seinen Überkapazitäten“, betont VKU-Präsident Ivo Gönner.

Das Bundeswirtschaftsministerium setzt in seinem Ansatz nach Ansicht des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) vor allem auf Preisspitzen und Langfristverträge für Kapazitäten und auf die Flexibilisierung des Marktes. Zusätzlich soll das System über eine Kapazitätsreserve abgesichert werden. „Ab Anfang der 20er Jahre werden die Überkapazitäten abgebaut sein. Dann bedarf es neuer Kapazitäten, die sich aber in dem vorgesehenen System nicht finanzieren lassen.“ Darüber hinaus sei die Kombination aus Strommarkt 2.0 und einer Kapazitätsreserve teurer als der vom VKU vorgeschlagene dezentrale Leistungsmarkt.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte drei zentrale Anliegen aller Konsultationsteilnehmer identifiziert: „Versorgungssicherheit gewährleisten“ und „Kosten begrenzen“ (Wirtschaftlichkeit) und „Innovation und Nachhaltigkeit ermöglichen“. „Alle drei Anliegen sind Teil des energiepolitischen Zieldreiecks und müssen daher immer Leitlinien der Politik sein“, so VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. „Allerdings wurde im vorliegenden Maßnahmenpaket besonders die Begrenzung der Kosten nicht berücksichtigt. Der Strommarkt 2.0 mit der „Braunkohle-Reserve“ ist eine teure Lösung für Versorgungssicherheit und Klimaschutz.“

Zweifel hat der VKU auch, ob der Strommarkt 2.0 die Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten kann und Investitionen in innovative und nachhaltige Technologien anreizt. Reck: „Das BMWI stellt die marktliche Organisation des Strommarkts in den Vordergrund und sieht in einem Kapazitätsmechanismus zu große Eingriffe in den Markt. Doch die vom Bundeswirtschaftsministerium vorgeschlagenen Maßnahmen bedeuten ebenso große Eingriffe.“ So nimmt das BMWI unter anderem, teilweise indirekt, Einfluss auf den wettbewerblich organisierten Großhandels- und Endkundenmarkt, indem es die Verantwortung für die Versorgungssicherheit über Bilanzkreisverantwortliche (Bilanzkreise sind Energiekonten, in denen Angebot und Nachfrage abgebildet werden), also Vertriebe und Händler, organisiert. „Mit den geplanten Verschärfungen sowie der Kapazitätsreserve distanziert sich das BMWI immer weiter von dem selbst propagierten liberalisierten Markt, was entsprechend negative Auswirkungen auf die Endkundenpreise nach sich ziehen wird.“

Ivo Gönner und Hans-Joachim Reck abschließend: „Ziel des Prozesses zum Strommarktdesign sollte ein übergreifender Ansatz und keine Maßnahmenansammlung sein. Dieser Ansatz sollte es allen Technologien möglich machen, sich zu beteiligen. Versorgungssicherheit muss dabei für den Industriestandort Deutschland oberste Priorität haben. Und genau deshalb sprechen wir uns weiterhin für einen Kapazitätsmarkt aus.“

Quelle: Verband kommunaler Unternehmen