BDSV: Europäischer Hausmüll belastet inländische Recyclingwirtschaft

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Stahlverarbeitung (Foto: Kroll/ Recyclingportal.eu)

Düsseldorf – Der Stahlrecyclingbranche droht aufgrund knapper Verbrennungskapazitäten ein Entsorgungsnotstand. Nach Ansicht der BDSV Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V. ist die energetische Verwertung von Rückständen aufgrund neuer Regelungen und Marktbedingungen nicht mehr gewährleistet. Die Bundesvereinigung hält die dafür erforderlichen Voraussetzungen für nicht mehr gegeben.

Zum drohenden Entsorgungsnotstand aufgrund knapper Verbrennungskapazitäten im Stahlrecycling erklärt der Präsident der BDSV Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V., Heiner Gröger:

„Trotz größter Sorgfalt und des Einsatzes modernster Technik lässt es sich auch in der Recycling- wirtschaft nicht vermeiden, dass im Verwertungsprozess Rückstände anfallen, bei denen die energetische Verwertung das letztmögliche Mittel darstellt. Hier sehen die BDSV und ihre Mitglieder es als ihre Aufgabe an, diese Reste sachgerecht und gesetzeskonform verarbeiten zu lassen. Voraussetzung hierfür ist eine ortsbezogene Entsorgung von unvermeidbaren Abfällen, die im Rahmen entsprechend geschlossener Verträge gesichert sein muss, um die notwendige Sorgfalt bei der Entsorgung gewährleisten zu können.

Durch die landesrechtlichen Neukonzeptionen der Abfallbewirtschaftung und europäische Einflüsse wird diese angestrebte Sorgfalt jedoch erheblich gefährdet. Wie wir von einer Vielzahl unserer Mitglieder vernommen haben, hat sich die Entsorgung von Aufbereitungsresten in den letzten Monaten als deutlich schwieriger erwiesen und entwickelt sich zu einer immer größeren Belastung für die beteiligten Firmen.

Trotz geschlossener Verträge werden Entsorgungsunternehmen von entsprechenden Anlagen mit der Begründung der ‚Vollauslastung‘ oder ‚Revision‘ abgewiesen und müssen zum Teil Hunderte von Kilometern unnötiger Wege in Kauf nehmen, um zur nächsten Entsorgungsanlage zu gelangen.

Nach unseren Erkenntnissen findet sich die Ursache hierfür in der Hausmüllentsorgung aus anderen Ländern der EU – insbesondere Großbritannien und Italien – in hiesigen Anlagen, die Deutschland verstärkt zum Importeur von Verbrennungsmüll macht und den heimischen Unternehmen zusetzt.

Besonders belastend für unsere Unternehmen ist die durch die Genehmigungen begrenzte Zwischenlagerkapazität. Fehlt es an geeigneten Entsorgungswegen, drohen Betriebsunterbrechungen und letztlich der Verlust von Arbeitsplätzen. Sollten noch weit entferntere Anlagen Verbrennungskapazitäten zur Verfügung stellen, ist dies nicht nur eine zusätzliche wirtschaftliche Belastung, sondern ein Beitrag zur Verschärfung einer ohnehin angespannten Verkehrslage, was weitere Umweltschäden nach sich zieht.

Außerdem nutzen die Verbrennungsanlagenbetreiber das durch den Müllimport ausgelöste Überangebot zu erheblichen Preissteigerungen, was politisch nicht gewollt sein kann.

Wir haben die beteiligten politischen Parteien und Mandatsträger daher bereits mit einem detaillier- ten Schreiben zu dringendem Handeln aufgefordert und hoffen auf eine sachgerechte Gestaltung einer Neukonzeption zugunsten heimischer Unternehmen, die eine realistische Chance auf ortsnahe Entsorgung benötigen. Hierfür steht unser Verband als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung.“

Quelle: BDSV Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e. V.