Franz Untersteller: Klärschlamm energetisch wie auch stofflich nutzen

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Kläranlage (Foto: VKU)

Stuttgart – Den jetzt erschienenen „Lagebericht Kommunales Abwasser 2015“ kommentierte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller so: „Auch wenn die Abwasserbeseitigung im Land inzwischen einen hohen Stand erreicht hat, steht uns in den kommenden Jahren noch viel Arbeit bevor, um unsere Gewässer flächendeckend in den gewünschten guten Zustand zu bringen.“ Der Bericht zeigt, dass Ende 2014 in Baden-Württemberg rund 95 Prozent der organischen Gesamtverschmutzung, 78 Prozent Stickstoff und 91 Prozent Phosphat in den Kläranlagen abgebaut wurden.

Umweltminister Franz Untersteller: „Das belegt zwar, dass die 944 kommunalen Kläranlagen im Land eine hohe Reinigungsleistung aufweisen und die Modernisierung von Abwasseranlagen in den letzten Jahrzehnten die Wasserqualität deutlich verbessert hat. Um den angestrebten ‚guten Zustand‘ der Gewässer überall im Land zu erreichen, müssen ausgewählte Kläranlagen ihre Reinigungsleistung jedoch noch weiter erhöhen.“ Auch müssten weitere Regenwasseranlagen gebaut und zudem das Regenwasser künftig noch besser behandelt werden, sagte der Minister.

Kläranlagen an sensiblen Standorten ausbauen

Der Umweltminister verdeutlichte auch die wichtige Rolle der Spurenstoffkonzeption für die Gewässerschutzpolitik des Landes. An wasserwirtschaftlich sensiblen Standorten sollen ausgesuchte Kläranlagen mit einer speziellen Stufe zur Elimination insbesondere von Arzneimittelrückständen und Haushalts-Chemikalien ausgebaut werden. „In Baden-Württemberg gibt es inzwischen zehn Kläranlagen, die entsprechend nachgerüstet wurden. Weitere neun Anlagen sind in der Planung oder im Bau“, sagte Untersteller. Das Land unterstütze die Städte und Gemeinden hierbei, indem es mindestens 20 Prozent der Kosten übernehme.

Daneben unterstützt das Land das Vorhaben der EU-Kommission, eine europäische Arzneimittelstrategie zu entwickeln, in der insbesondere ein quellenbezogener Ansatz verfolgt wird. „Arzneimittel, die schon gar nicht in unsere Gewässer gelangen, müssen wir auch nicht wieder mit viel Aufwand aus dem Wasser herausfiltern“, betonte der Umweltminister. Eine solche Strategie entspreche dem Vorsorgegedanke der baden-württembergischen Umweltpolitik.

Klärschlamm wird zunehmend energetisch genutzt

„Erfreulich ist, dass der bei der Reinigung anfallende Klärschlamm zunehmend energetisch genutzt wird“, so Untersteller weiter. Nachdem der Anteil vor zwei Jahren bereits bei 91 Prozent lag, liegt er nunmehr bei rund 95 Prozent. „Es ist sehr aufwändig, den Klärschlamm aus dem Abwasser zu separieren. Es ist daher richtig und wichtig, ihn anschließend zur Erzeugung von Energie zu nutzen“, erklärte Franz Untersteller. Für das andernorts durchaus noch übliche Aufbringen des Klärschlamms auf landwirtschaftlichen Feldern zeigte der Umweltminister dagegen kein Verständnis: „Dies würde unsere Böden und unser Grundwasser mit Schwermetallen und Arzneimittelrückständen belasten. Und am Ende würden die Stoffe wieder erneut im Wasserkreislauf landen“, sagte Franz Untersteller.

Viel besser sei es, den Klärschlamm sowohl energetisch als auch stofflich zu nutzen, so der Minister. „Mit unserer Phosphor-Rückgewinnungsstrategie wollen wir den im Abwasser enthaltenen Phosphor auch aus dem Klärschlamm oder der Klärschlammasche zurückgewinnen.“ Die Landesregierung plane hierzu, die Untersuchung, die Weiterentwicklung sowie die großtechnische Umsetzung unterschiedlicher Phosphor-Rückgewinnungsverfahren in Pilotprojekten näher untersuchen zu lassen.

Der „Lagebericht Kommunales Abwasser 2015“ kann unter um.baden-wuerttemberg.de heruntergeladen werden.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg