Greenpeace: Abfallverwertung in der Zementindustrie zeigt Handlungsbedarf

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Zementwerk (Foto: © Greenpeace - Anna Regelsberger)

Wien – Greenpeace hat alle acht Zementwerke in Österreich unter die Lupe genommen. Über mehrere Monate wurden Abfallverwertung und Luftemissionen der Zementindustrie umfangreich recherchiert. Die im Report zusammengefassten Untersuchungsergebnisse liefern keine Hinweise auf einen akut gefährlichen Problemfall. Es werden jedoch zahlreiche kritische Lücken im System aufgedeckt. Auf Basis der Erhebungen leitet Greenpeace dringende Handlungsfelder für Politik, Behörden und Industrie ab.

Besonders negativ fiel bei den Recherchen der Umgang mit Abfallgenehmigungen auf: Die Abfälle, die zur Entsorgung in Zementwerken landen, sind teilweise unklar definiert und die Auflagen für problematische Schadstoffe unzureichend. Zudem ist nach Darstellung von Greenpeace die Verwertung von Abfällen intransparent.

Mit höchst problematischen Schadstoffen

Insgesamt sind rund 680 Abfallarten für Zementwerke genehmigt, darunter 170, die bedenkliche Stoffe enthalten oder enthalten können. Die Liste umfasst höchst problematische Schadstoffe wie Arsen, sechswertiges Chrom, PVC oder polychlorierte Biphenyle (PCBs). Letztere zählen wie HCB zu den weltweit verbotenen „Dauergiften“. Etwa 140 Abfallarten sind so vage definiert, dass nicht klar hervorgeht, ob diese problematische Stoffe wie beispielsweise Quecksilber enthalten.

Beim Vergleich der tatsächlichen Luftemissionen der einzelnen Werke schneiden die Zementwerke bei den verschiedenen Schadstoffen unterschiedlich ab. Grenzwertüberschreitungen sind zwar insgesamt selten und kommen am ehesten bei Stickoxiden und Quecksilber vor, jedoch sind bestimmte Grenzwerte wie etwa der organische Gesamtkohlenstoff, HCB oder Kohlenmonoxid sehr hoch angesetzt oder existieren gar nicht.

Überall Investitionsbedarf in Umweltschutztechnik

Zu den wichtigsten abgeleiteten Maßnahmen zählen ein Verbot des Einsatzes besonders problematischer Abfälle, strengere Auflagen der Behörden beim Einsatz von Abfallarten, die bedenkliche Verunreinigungen enthalten oder enthalten können, spezifische Rauchgasmessungen beim Einsatz von kritischen Abfällen sowie eine konsequente Eingangskontrolle für Abfälle durch die Zementwerke.

Ausgehend vom Vergleich der Luftemissionen sieht Greenpeace bei jedem der Zementwerke Investitionsbedarf in Umweltschutztechnik. So müssen mittelfristig eine Quecksilber-Abscheidung sowie eine Rauchgasnachverbrennung Standard sein.

Auskunftsbereitschaft zufriedenstellend

Höchst unterschiedlich und teils intransparent waren die von Greenpeace angefragten Informationen der zuständigen Behörden. So wurden etwa von den Ländern Oberösterreich und Salzburg die relevanten Bescheide vollständig übermittelt, während Niederösterreich lediglich Auszüge zusandte und die Bezirkshauptmannschaft Reutte in Tirol unter Verweis auf das Amtsgeheimnis diesen Teil der Anfrage gar nicht beantwortete. Dies bestätigt erneut die Dringlichkeit der Forderung nach weitgehender Aufhebung des Amtsgeheimnisses. Die Auskunftsbereitschaft der Zementindustrie beurteilt Greenpeace als insgesamt zufriedenstellend, mit Ausnahme der, aus Wettbewerbsgründen nicht erfolgten, Informationen über die tatsächlich eingesetzten Abfallarten.

Keine ausreichende Grundlage für ein Urteil

Die Vereinigung der österreichische Zementindustrie (VÖZ) wies in einer Aussendung darauf hin, dass es sich hier primär um eine quantitative Auswertung der Verwertung von Abfällen handle und „dies sei keine ausreichende Grundlage, um ein Urteil abzugeben. Hier fehlt es an intensiver Recherche“, meinte der Geschäftsführer des VÖZ, DI Sebastian Spaun, der aber gleichzeitig hervorhob, „den Dialog mit Greenpeace über Lösungsansätze fortsetzen zu wollen“.

Der vollständige Greenpeace-Report zum „Brennpunkt Abfallverwertung. Wie sicher sind österreichische Zementwerke?“ steht unter greenpeace.org zum Download bereit.

Quelle: Greenpeace in Zentral- und Osteuropa / OTS