Montanuni Leoben: LAMIS-Projekt untersucht Faktoren beim Deponierückbau

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Hochglanzpapier aus der Deponie (Foto: Montanuniversität Leoben)

Leoben, Österreich — Landfill Mining – die Rückgewinnung von Wertstoffen aus Deponien – spielt in Zeiten von Ressourcenknappheit eine immer größere Rolle. Leobener Wissenschaftler beschäftigen sich nun im Rahmen eines FFG-Projektes (LAMIS) mit diesem Thema.

In älteren Deponien aus den 60er bis 90er Jahren finden sich beachtliche Mengen an Wertstoffen, die in Zeiten eines stetig wachsenden Ressourcenbedarfs entweder wieder stofflich genutzt oder durch Verbrennen als Energielieferanten verwendet werden können. Der nicht verwertbare Anteil wird erneut deponiert. Doch bevor eine Deponie geöffnet werden kann, müssen einige Faktoren abgeklärt werden, z. B. welche Art von Müll abgelagert wurde. Auch muss an einen möglichen Austritt von Schadstoffen, die im Deponiekörper vorhanden sein können, gedacht werden.

Zur mittelfristigen Nutzbarmachung
„Hauptziel des Projektes LAMIS ist die Weiterentwicklung und mittelfristige Nutzbarmachung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung des Landfill Mining, um diese für zukünftige Anwendungen im Bereich des Deponierückbaus nutzen zu können“, erklärt Projektmitarbeiterin Dipl.-Ing. Tanja Wolfsberger vom Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft. Im Zuge des drei Jahre dauernden Projektes soll die Basis für eine umweltökonomische sowie rechtliche Bewertung von Rückbauprojekten geschaffen werden, um daraus geeignete Bewertungsinstrumente ableiten zu können und ein ökonomisches Modell zu entwickeln.

Proben am Standort entnommen
„Wir entnehmen unsere Proben direkt aus ausgewählten Deponien und bereiten sie mit Hilfe von Sieben und anderen Aggregaten, die von Industriepartnern zur Verfügung gestellt werden, auf“, so Wolfsberger. Die Proben werden dann im Labor untersucht auf unterschiedliche Parameter wie Heizwert, Wasser- oder Schwermetallgehalt untersucht. „Dabei interessieren uns vor allem Kunststoffe, Metalle (Eisen, Aluminium und Kupfer) und heizwertreiche Stoffe wie Papier und Holz“, erläutert Wolfsberger. Metalle und Kunststoffe können mit geeigneten Aufbereitungs- und Recyclingverfahren einer stofflichen Verwertung zugeführt werden. Zusätzlich wäre es möglich, Kunststoffe zu Ersatzbrennstoffen aufzubereiten. Die heizwertreiche Fraktion könnte einer thermischen Verwertung zugeführt werden.

Am Ende des Projektes sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Gewinnung von Daten über Menge, Art und Zusammensetzung der deponierten Abfälle,
  • Festlegung eines oder mehrerer Standorts/e, welche/r für einen Rückbau geeignet sind/ist,
  • Untersuchung und Darstellung des Rohstoffpotenzials,
  • Planung und Durchführung von repräsentativen Probenahmen,
  • Untersuchung der Materialqualitäten auf Basis von Schürfungen/Bohrungen,
  • Durchführung von chemischen, physikalischen, Sieb- und Sortieranalysen, Charakterisierung des Verschmutzungsgrades und Untersuchung der Alterung,
  • Untersuchung der Effizienz der abfallwirtschaftlichen Technologie bei der Behandlung von „neuen“ Abfällen,
  • Bewertung der gewonnenen Abfallqualität und Handlungsempfehlungen.

Quelle: Montanuniversität Leoben