Vor 50 Jahren begründete der Wilkinson-Katalysator die Edelmetallkatalyse

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Wilkinson Kat: Unscheinbar, aber wirkungsvoll (Foto: Heraeus Holding)

Hanau – Vor einem halben Jahrhundert entwickelte Sir Geoffrey Wilkinson den Katalysator für die homogenkatalytische Hydrierung von Kohlenstoff-Doppelbindungen organischer Moleküle und begründete damit die industrielle homogene Edelmetallkatalyse. Nobelpreisträger Wilkinson und seine Arbeitsgruppe synthetisierten ihn erstmals 1965. Genauer gesagt veröffentlichten sie eine chemische Verbindung mit dem komplizierten Namen „Chlorotris(triphenylphosphan)rhodium(I)“. Als „Wilkinson-Katalysator“ fand der Rhodium-Komplex breite Anwendung in der Synthesechemie. So ließen sich verschiedene, noch heute kommerzielle Produkte effizient herstellen: z. B. Ivermectin, ein Pharmazeutikum gegen Flussblindheit, oder abriebfeste Nitrilkautschuke („HNBR“) für die Automobilindustrie.

Mit beigetragen zu diesem Erfolg hat auch Heraeus. Als Edelmetallspezialist ist der Technologiekonzern schon seit Jahrzehnten ein führender Anbieter von Edelmetallkatalysatoren und deren Vorprodukten. „Unser ‚Wilkinson-Katalysator‘ ist dabei unverändert ein Dauerbrenner für die weltweite Synthesechemie“, gratuliert Dr. Marcus Hannakam, Executive Vice President Marketing & Sales der Global Business Unit Heraeus Chemicals, zum Jubiläum. „Viel hat sich über die letzten 50 Jahre im Bereich der homogenen Edelmetallkatalyse getan. Unseren Kunden steht das Team von Heraeus auf diesem vielseitigen und komplexen Anwendungsgebiet als globaler und langfristiger Partner mit Rat und Tat zur Seite“, erläutert Marcus Hannakam.

Nachhaltiger Kreislauf für Edelmetall

Heraeus entwickelt nicht nur Katalysatoren, sondern erarbeitet individuell optimierte Lösungen für die katalytischen Prozesse seiner Kunden. Den nachhaltigen Kreislauf der Ressource Edelmetall schließt dabei das Edelmetallmanagement bei Heraeus. Katalysatoren von Heraeus sind weltweit in der chemischen, petrochemischen und pharmazeutischen Industrie im Einsatz und spielen auch bei der Reinigung von industriellen Gasen und Abgasen eine Schlüsselrolle. Passende Katalysatoren mit höchstem Wirkungsgrad und konstanter Qualität sind das spezielle Know-how von Heraeus.

Die Katalyse ermöglicht überhaupt erst alltägliche Produkte, etwa die Mineralwasserflasche aus PET: Edelmetallkatalysatoren helfen bei der Herstellung des Flaschenkunststoffs. Die Synthese hoch komplexer Riech-, Aroma- und Pharmawirkstoffe mit Edelmetallkatalysatoren ist ebenfalls Routine. Katalysatoren finden sich heute bei den meisten chemischen Synthesen oder sogar in der Raumfahrtindustrie in Steuertriebwerken von Satelliten und Trägerraketen. Grundsätzlich helfen Katalysatoren beim Energiesparen in der chemischen Produktion, vermeiden unerwünschte Nebenprodukte und verringern den Ausstoß von schädlichen Industrieabgasen auf ein Minimum. Damit trägt ihr Einsatz sowohl zur Entlastung unserer Umwelt als auch zur Kosteneinsparung bei industriellen Herstellprozessen bei.

Den Universalkatalysator gibt es nicht

Die chemischen und physikalischen Einflüsse auf einen Katalysator sind so vielfältig, dass es einen Universalkatalysator nicht gibt. Jeder chemische Prozess verlangt nach einem maßgeschneiderten Katalysator, wenn er langfristig kommerziell wettbewerbsfähig bleiben will. Rund zehn Prozent des gesamten Katalysatormarkts entfallen auf edelmetallhaltige Katalysatoren. Das häufigste Edelmetall für diese Katalysatoren ist Palladium, gefolgt von Platin und Rhodium. Für speziellere Anwendungen kommen auch Ruthenium, Iridium, Rhenium, Silber und Gold zum Einsatz. Insbesondere in der Abgaskatalyse werden zur Höchstleistung Metalle auch kombiniert eingesetzt. Aus der Kombination unterschiedlicher Trägermaterialien, einer Vielzahl von Edelmetallverbindungen und verschiedenen Imprägnier- und Reduktionsverfahren ergeben sich für Heraeus nahezu unendliche Variationsmöglichkeiten.

Quelle: Heraeus Holding