Projekt EnerWater soll europäische Kläranlagen energieeffizienter machen

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Kläranlage (Foto: ©Dieter Schütz /http://www.pixelio.de)

Köln — Die europäischen Kläranlagen verbrauchen jährlich etwa 15.000 Gigawattstunden und damit rund ein Prozent der Energieproduktion des Kontinents. Um diesen Wert zu reduzieren, haben sich neun Hochschulen und Unternehmen aus Spanien, Deutschland, Italien und Großbritannien zu dem Forschungsprojekt EnerWater zusammengeschlossen.

Ihr Ziel ist die Entwicklung einer neuartigen, standardisierten Methode zur Beurteilung und Verbesserung der Energieeffizienz von Kläranlagen. Aus Deutschland beteiligen sich die Fachhochschule Köln und der Aggerverband an EnerWater. Das Projekt ist auf drei Jahre ausgelegt und wird durch das EU- Förderprogramm Horizont 2020 gefördert.

Technische und rechtliche Impulse

„Es gibt zurzeit weder eine europäische Gesetzgebung noch Normen oder Standards, die den Energieverbrauch von Kläranlagen bemessen oder begrenzen“, verdeutlicht Prof. Dr. Michael Bongards vom Campus Gummersbach der Fachhochschule Köln. „Daher liegt in diesem Industriesektor ein großes, in vielen Fällen bislang ungenutztes Energieeinsparpotenzial.“ Neben der Verbesserung der Energieeffizienz und der Verbreitung der neu entwickelten Methoden in ganz Europa ist es daher auch ein Ziel des Projektes, einen Impuls für eine entsprechende europäische Rechtsvorschrift zu geben.

In einem ersten Arbeitsschritt möchten die Projektpartner den Energieverbrauch von Kläranlagen aus ganz Europa vergleichbar machen. Bongards wird mit seinem Team deshalb ermitteln, welche Kennzahlen für einen solchen Vergleich erforderlich sind und den Partnern ein Programm zur Verfügung stellen, mit dem die Daten erfasst werden können. Anschließend werden in insgesamt 65 Kläranlagen europaweit, darunter 20 des Aggerverbandes, die Daten zum Energieverbrauch erhoben und ein erstes Energie-Audit erstellt.

Bis zu zehn Prozent Energieeinsparung möglich

Der Aggerverband bearbeitet im Projekt die Anwenderseite. Seine Mitarbeiter testen die Beurteilungsmethode, die durch die Hochschulen entwickelt wird, auf ihre Praxistauglichkeit. Auftretende Probleme oder Fehler im Programm können so direkt behoben werden. „Durch EnerWater hat der Aggerverband die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit seiner Anlagen noch weiter steigern. Ein Ziel des Projektes ist es, genaue Energieverbrauchsdaten pro Verfahrensstufe zentral und online vorzulegen – dadurch können wir Energieeinsparpotenziale schnell finden und realisieren. Nach derzeitigen Schätzungen gehen wir davon aus, dass bis zu zehn Prozent Energieeinsparung pro Anlage möglich sein wird“, erklärt Prof. Dr. Lothar Scheuer, Vorstand des Aggerverbandes.

Quelle: Fachhochschule Köln