Fachverband Biogas e.V. fordert schleunigst politische Signale pro Biogas

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Quelle: Fachverband Biogas e.V.

Freising — Vor einem Jahr, am 1. August 2014, ist die vierte Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes in Kraft getreten. Für die Biogasbranche hatten die darin enthaltenen Gesetzesänderungen dramatische Auswirkungen. Besonders die Streichung der Einsatzstoff-Vergütungsklassen hat den Anlagenneubau nahezu zum Erliegen gebracht. Außer einigen wenigen kleinen Gülleanlagen und einzelnen Abfallvergärungsanlagen tendiert die Nachfrage nach neuen Biogasanlagen gegen Null.

„Das Biogasinlandsgeschäft ist im Moment nur in Nischen möglich“, erklärt Claus Rückert, Sprecher des Firmenbeirats des Fachverbands Biogas e.V.. „Und das ist hart, weil um das bisschen Geschäft natürlich eine Vielzahl von Anbietern konkurriert.“ Doch es ist nicht nur der Anlagenneubau, der ausbleibt. „Richtig weh tut uns Firmen, dass viele Anlagenbetreiber aufgrund des Eingriffs in den Bestand durch die Festlegung der Höchstbemessungsleistung und den sich abzeichnenden zusätzlichen Genehmigungsauflagen verunsichert sind. Die Investition in neue Biogastechnik – beispielsweise in die flexible Fahrweise der Anlage – bleibt daher oftmals aus. Zudem ist derzeit noch völlig unklar, wie es mit den in Betrieb befindlichen Biogasanlagen weiter gehen soll, die ab 2021 keinen Anspruch mehr auf die EEG-Vergütung haben. Der Unmut gegenüber der wankelmütigen Politik ist lähmend“, fasst Rückert zusammen.

Auch im Auslandsgeschäft sieht der Firmensprecher und Geschäftsführer der Rückert NatUrgas GmbH langfristig keine Rettung für die deutschen Biogasfirmen. Aktuell bewahre es einige Firmen noch vor der Insolvenz. „Ohne das Auslandsgeschäft hätten wir schon jetzt ein Pleiten-Tsunami“, sagt der Firmensprecher.

Eile ist geboten

Im Zuge des bevorstehenden Systemwechsels im EEG auf Ausschreibungen müssen Perspektiven für Neu- und Bestandsanlagen aufgezeigt werden, fordert der Fachverband Biogas e.V.. Die Branche habe hierzu konstruktive Vorschläge unterbreitet. Nun sei die Politik am Zug, im Rahmen der EEG-Reform umgehend Signale zu setzen, um gemeinsam mit der Branche Wege aus der Sackgasse zu finden.

Horst Seide, Präsident des Fachverband Biogas e.V., mahnt auch zur Eile: „Viele Anlagenbetreiber stehen derzeit vor der Frage, ob sich Investitionen in die Optimierung und Instandhaltung ihrer Anlagen noch lohnen. Wenn Betreiber nicht bald wissen, wie es in der Zeit nach dem EEG weitergeht, können sie nicht investieren: Moderne Anlagenkonzepte könnten nicht umgesetzt werden, Anlagen würden auf Verschleiß gefahren, viele sogar vorzeitig stillgelegt. Damit ginge bei Betreibern und Firmen in den letzten 15 Jahren aufgebautes Know-How verloren. Die Politik muss noch im kommenden Jahr die Weichen stellen, damit es dazu nicht kommt, und die Bioenergiebranche steht bereit, sie dabei konstruktiv zu unterstützen.“

Inzwischen über 8.000 Anlagen

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde im April 2000 verabschiedet. Über eine garantierte Stromvergütung für regenerative Kraftwerke sollte der Ausbau der Erneuerbaren Energien angekurbelt werden. Dieser Plan ist aufgegangen: der Anteil Erneuerbarer Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt in Deutschland mittlerweile bei knapp 30 Prozent. Die Zahl der Biogasanlagen ist in den letzten 15 Jahren von rund 1.000 auf über 8.000 gestiegen. Biogasanlagen versorgen mehr als sieben Millionen Haushalte mit Strom; sie erzeugen darüber hinaus Wärme und liefern Biomethan als Kraftstoff.

Mittlerweile sind über 100 Länder weltweit dem Vorbild des EEG gefolgt und haben feste Einspeisevergütungen für regenerativen Strom eingeführt.

Quelle: Fachverband Biogas e.V.