bvse: Die Aussichten für Kunststoff-Recycling könnten deutlich besser sein

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bvse-Vizepräsident Herbert Snell (Foto: bvse)

Bonn — Das Kunststoffrecycling in Deutschland hat sich in diesem Jahr bisher besser geschlagen, als prognostiziert. Doch das will nicht viel heißen, denn die Prognosen waren sehr düster. Schließlich kündigten relevante duale Systeme zum Jahresanfang massive Mengenkürzungen an. So schlimm kam es nicht. Können die Kunststoffrecycler jetzt aufatmen? Das bvse-Mitgliedermagazin RecyAktuell befragte dazu bvse-Vizepräsident Herbert Snell.

RecyAktuell: Die von den dualen Systemen angekündigten Mengenkürzungen für die Kunststoffrecycler wurden nur teilweise realisiert. Ist jetzt alles wieder gut?

Herbert Snell: Davon sind wir weit entfernt. Es stimmt, die vorgenommenen Mengenkürzungen waren nicht ganz so hoch wie ursprünglich angekündigt. Viele Kunststoffrecycler haben jedoch erhebliche Mengenkürzungen verkraften müssen. Teilweise stand hier wegen fehlenden Inputs sogar die Existenz von Unternehmen auf Messers Schneide.

RecyAktuell: Inzwischen hat sich die Situation wieder etwas entspannt. Haben die dualen Systeme ihre Liefermengen wieder hochgefahren?

Herbert Snell: Zuerst einmal haben sich die betroffenen Unternehmen nur durch deutlich erhöhte Importmengen versorgen können. Nach wie vor liefern die dualen Systeme zu wenig Mengen und nach wie vor können sie offenbar nicht die uns zugesagten Qualitäten gewährleisten.

RecyAktuell: Das ist schwer zu glauben, schließlich steigen die lizenzierten LVP-Mengen doch nach der letzten Novelle der Verpackungsverordnung deutlich.

Herbert Snell: So ist es. Es zeichnet sich für 2015 eine Gesamtmenge von 1,5 Millionen Tonnen LVP ab. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2014. Zwar liegen keine genauen Zahlen für das letzte Jahr vor, doch man geht davon aus, dass die lizenzierte Menge bei ca. 1,1 Millionen Tonnen LVP gelegen hat.

RecyAktuell: Wenn fast 1/3 mehr LVP lizenziert wurde, dann müssten doch auch die lizenzierten Kunststoffverpackungen deutlich ansteigen?

Herbert Snell: Wir gehen davon aus, dass es in diesem Jahr eine Mengensteigerung um 55.000 Tonnen geben wird.

RecyAktuell: Wir haben jetzt deutlich die Jahresmitte überschritten. Dieses Mengenwachstum müsste doch in den Kunststoffrecyclingunternehmen inzwischen spürbar sein?

Herbert Snell: Davon sind wir leider immer noch weit entfernt.

RecyAktuell: Aber wo bleibt das Material. Es ist schließlich lizenziert. Das heißt, die Kunststoffabfälle sind in erster Linie zu recyceln. Warum kommen sie bei den Kunststoffrecyclern nicht an?

Herbert Snell: Die viel zu niedrige Recyclingquote wird eingehalten. Ein Teil geht in den Export, und die verbleibende und viel größere Restmenge geht in die thermische Verwertung, vornehmlich in Müllverbrennungsanlagen. Das zeigt, dass die 7. Novelle der Verpackungsverordnung nicht ausreicht. Wir brauchen deutlich höhere Recyclingquoten, bessere Stoffstromkontrollen und ein besseres Qualitätsbewusstsein. Alles gute Gründe für die zügige Verabschiedung eines Wertstoffgesetzes. Eine Hinhaltetaktik würde den Recyclingstandort Deutschland erheblich schwächen.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.