Laminat-Fußboden aus Gärresten – ein Praxisbeispiel der Kaskadennutzung

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Gärprodukte, verarbeitet in MDF-Spanplatten (Quelle: nova-Institut)

Hürth — Gärreste aus Biogasanlagen lassen sich als Rohstoff für die Herstellung von Laminat-Fußboden verwenden. Das gelang jetzt erstmals in einem mehrjährigen Projekt. Mit dem Projekt „Stoffliche Nutzung lignocellulosehaltiger Gärprodukte für Holzwerkstoffe“ wurde eine Prozesskette zur Kaskadennutzung von Biogassubstraten entwickelt.

Nach der energetischen Nutzung in der Biogasproduktion erfolgt die stoffliche Nutzung der Reststoffe (Gärprodukte) in hochwertigen Anwendungen wie Spanplatten, mitteldichten (MDF) oder hochdichten Faserplatten (HDF), die dann später erneut stofflich recycelt und abschließend wieder energetisch genutzt werden können. Aus ökologischer Sicht trägt das Verfahren somit zur Steigerung der Ressourceneffizienz bei.

Unter der Leitung des nova-Instituts wurde die technische Machbarkeit der stofflichen Nutzung von Gärresten als Rohstoff für unterschiedliche Holzwerkstoffe untersucht. Hindernis war zunächst jedoch der Ammoniumstickstoff, der als geruchsbelastendes Ammoniak-Gas bei der Verarbeitung der Gärreste entweicht. In einem neuartigen Verfahren konnte der Ammoniak aus den festen, faserhaltigen Bestandteilen entfernt werden.

Das Verfahren kann unter positiven Rahmenbedingungen einen konkurrenzfähigen Rohstoff (<  75 €/t atro / absolut trocken) für die Holzwerkstoffindustrie bereitstellen. Das technische Potenzial des neuen Rohstoffs liegt jährlich bei ca. 1,5 Millionen Tonnen Trockenmasse. Aufgrund der Farbeigenschaften der Gärprodukte ist eine Nutzung im Segment der Laminat-Fußböden besonders sinnvoll. Aber auch andere Anwendungen wie zum Beispiel Holzverbundwerkstoffe (Wood-Plastic-Composites, WPC) sind möglich.

Kooperationspartner waren die Glunz AG (Meppen), die Benas GmbH (Vorwerk) und die Gesellschaft für nachhaltige Stoffnutzung mbH (Halle). Das Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) über zwei Jahre gefördert.

Der Abschlussbericht und weitere Informationen sind unter bio-based.eu erhältlich.

Quelle: nova-Institut GmbH