Die Qualität der REACH-Registrierungs-Dossiers verbessern, fordert das UBA

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Quelle: UBA

Dessau-Roßlau — 58 Prozent von 1.814 Dossiers der ersten REACH-Registrierungsperiode verfehlen mindestens eine der sieben überprüften Datenanforderungen, 17 Prozent sogar zwei oder mehr. Nur ein Dossier ist vollständig anforderungskonform. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie von Umweltbundesamt (UBA) und Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Zwar schreibt REACH eindeutige Datenanforderungen vor, gleichzeitig erlaubt die Verordnung den registrierungspflichtigen Unternehmen, bestimmte Prüfungen nicht vorzulegen („Waiving“), sie mit Daten ähnlicher Chemikalien („read-across“) oder mit Hilfe von Struktur-Wirkungsmodellen („QSAR“) zu erfüllen. Dies muss wissenschaftlich plausibel begründet sein. In der Studie überprüften die Behörden die Plausibilität der Begründungen. War dies in der für die Studie zur Verfügung stehenden Zeit nicht nachvollziehbar, wurde die Datenanforderung als „komplex“ bewertet. Dies betrifft 42 Prozent der Registrierungen. Bei diesen Dossiers muss nun eine Detailprüfung erfolgen.

Unzureichende Registrierungen nicht akzeptieren

Die EU-Chemikalienverordnung REACH verpflichtet die Europäische Chemikalienagentur ECHA, fünf Prozent aller Registrierungsdossiers auf Vollständigkeit zu prüfen. Dazu Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA: „Die ECHA benötigt zusätzliche Ressourcen für die Prüfung der Registrierungen. Die Situation wird sich nur verbessern, wenn ausreichend Dossiers geprüft und unzureichende Registrierungen nicht akzeptiert werden.“ Und sie unterstreicht: „Die Informationen in den Registrierungsdossiers sind entscheidend, um mögliche Risiken für Mensch und Umwelt zu bewerten. Hier müssen die Unternehmen nachbessern – die Studie zeigt, an welchen Stellen.“ BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel pflichtet ihr bei: „Um die Qualität der Registrierungsdossiers zu verbessern, müssen fehlende oder ungenügende Daten zu den toxikologischen und ökotoxikologischen Endpunkten unbedingt ergänzt werden.“

42 Prozent der geprüften Dossiers bewertet das BfR als „komplex“. Hier wurden Möglichkeiten des Datenverzichts in Anspruch genommen, z.B. unter Hinweis auf Daten zu ähnlichen Stoffen. Dies geschieht auch, um Tierversuche zu vermeiden. In einer Folgestudie wird nun detailliert geprüft, ob die Gründe hierfür wissenschaftlich plausibel sind.

Die Informationen aus der Registrierung sind entscheidend, damit industrielle und gewerbliche Verwender der Stoffe das Gefahrenpotenzial einschätzen und ggf. Maßnahmen zum Schutz von Menschen und Umwelt treffen können. Unerlässlich sind die Informationen auch für die Hersteller von Verbraucherprodukten, die die Sicherheit ihrer Produkte verantworten. Die Behörden benötigen verlässliche Daten aus den Registrierungen, um regulierungsbedürftige Stoffe zu identifizieren.

2.300 Stoffe von der Prüfung ausgenommen

In der ersten Registrierungsperiode mussten innerhalb kurzer Zeit über 4.300 Stoffe registriert werden. Darunter auch Zwischenprodukte und eingestufte Stoffe mit krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften (CMR-Stoffe) mit Produktionsmengen unter 1.000 Tonnen pro Jahr. Diese, ca. 2.300 Stoffe wurden von der Prüfung ausgenommen. Die verbleibenden ca. 2.000 Registrierungen für Stoffe mit hergestellten oder importierten Mengen von mehr als 1.000 Tonnen jährlich hat das BfR in der Studie geprüft. In der zweiten Registrierungsperiode (2013) wurde die Registrierungspflicht auf alle Stoffe ab jährlich 100 Tonnen Produktion bzw. Import ausgeweitet. 2018 endet die letzte Übergangsfrist der Registrierungspflicht. Bis dahin müssen alle noch verbleibenden Chemikalien registriert werden. Mit konformen Registrierungsunterlagen.

Eine Zusammenfassung der Studie ist unter bfr.bund.de erhältlich.

Quelle: Umweltbundesamt