Mit Flohmarkt App SWOP-Team: Wiederverwenden und Schenken

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Quelle: SWOP-Team e.V. (gemeinnützig)

Berlin — Mit der Flohmarkt-App des gemeinnützigen Social World of Presence-, kurz: SWOP-Teams soll Gutes bewirkt werden: Statt zu bezahlen spendet der neue Besitzer eines alten Möbels an eine wohltätige Organisation. Nachhaltigkeitsforscherin Maike Gossen sieht darin eine parallele Entwicklung zu der „Sharing Economy“, die zuletzt wegen ihrer Kommerzialisierung kritisiert wurde.

Das könnte die Alternative zu Ebay werden, aber für den guten Zweck: Ein Münchener Start-Up hat die Flohmarkt App SWOP-Team entwickelt. Damit lässt sich genau wie bei bereits bekannten Internet-Auktionshäusern digital nach Möbeln, Schmuck oder sonstigen alten Schätzen suchen. Das Besondere: Wer das Stück dann abholt, zahlt an den alten Besitzer kein Geld, sondern er spendet einen selbst gewählten Betrag an eine regionale Non-Profit-Organisation. Abgerechnet wird über das Handy. Motto: „Aus zu viel wird gut“.

Die weltweit erste Wohltätigkeits-Flohmarkt-App

Das sei, so meint Maike Gossen vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, „eine neue Entwicklung in der Sharing Economy“, die die Vordenker des Postwachstums, der Idee vom baldigen Ende des fortwährenden Wachstums beschäftigt. Gossen ist eine der wenigen in Deutschland, die die Sharing Economy wissenschaftlich zu fassen versuchen. Sie versteht die weltweit erste Wohltätigkeits-Flohmarkt-App als „Gegenbewegung zu der seit Kurzem stark kritisierten Kommerzialisierung der Sharing Economy.“

Es ist fünf Jahre her, als Rachel Botsman mit ihrem Buch „What’s mine is yours“ den Begriff „Collaborative Consumption“, den gemeinschaftlichen Konsum, öffentlichkeitswirksam in die Welt gesetzt hat. Die Britin schaffte es damit sogar auf die Liste des „Time Magazine“ mit den „10 Ideen, die die Welt verändern werden“. Seither sind die weltweiten jährlichen Investitionen in Start-ups der Sharing Economy von 300 Millionen US-Dollar im Jahr 2010 auf sechs Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 gestiegen. Zugleich sind die kleinen,, gemeinwohl-orientierten Initiatoren von Tauschplattformen oft abgelöst worden von kommerziell ausgerichteten finanzkräftigen Unternehmen.

Eher für Gemeinwohl statt für Umweltentlastung

Das Kundenpotenzial ist jedenfalls enorm, 88 Prozent der Verbraucher können sich vorstellen, ihre Dinge zu teilen. Das zeigt eine Umfrage, die TNS Emnid für die Verbraucherzentrale Bundesverband 2015 gemacht hat. Mit Ökobewusstsein habe das weniger zu tun, meint Forscherin Gossen, zumal der Effekt nicht immer klar sei. Wer ein Buch von München nach Berlin schickt, belastet die Umwelt. Wer eine gebrauchte DVD billig ersteht, kauft womöglich gleich mehrere.

Die gute Nachricht ist, dass immer neue Initiativen mit neuen Gemeinwohl-Ideen nachwachsen, wie zum Beispiel die Plattform zum besseren Schenken, die auch ein Werkstatt N-Projekt des Nachhaltigkeitsrates ist. Vielen Nutzern der Angebote gehe es auch um einen „Gemeinschaftssinn“, glauben Experten, also eine Art Nachbarschaftshilfe. Ein Indiz dafür seien, so Gossen, „Initiativen wie Foodsharing.de, die lokal verankert sind und sozialen Mehrwert schaffen wollen.“ Oder der SWOP-Team-Flohmarkt. Er soll jetzt ausgebaut werden, künftig soll es nicht nur die App, sondern auch eine Webversion geben. Das Geld dafür soll per Crowdfunding zusammen kommen.

Ein Diskussionspapier über „Teilen, Haben, Teilhaben: Verbraucher in der Sharing Ecnomy“, herausgegeben von der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., kann unter vzbv.de heruntergeladen werden.

Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung