Einmalig: Pilotanlage mit Tetraphos-Verfahren zur Phosphor-Rückgewinnung

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Klärschlammverwertung in der VERA GmbH (Verwertungsanlage für Rückstände aus der Abwasserbehandlung) (Foto: Hamburg Wasser)

Hamburg — Eine Pilotanlage zur Rückgewinnung von Phosphor wurde vorgestern auf dem Klärwerk Hamburg in Betrieb genommen. Weltweit erstmals kann mit diesem Verfahren der wichtige Rohstoff, der sich bei der Abwasserreinigung in der Klärschlammasche konzentriert, wirtschaftlich effizient recycelt werden. Phosphor ist weltweit nur begrenzt vorhanden, aber essentiell für das Pflanzwachstum und damit für die Nahrungsmittelproduktion insgesamt. Langfristig soll die in Hamburg anfallende Klärschlammasche komplett verwertet werden, um Phosphor zurückzugewinnen.

In Hamburg wird der Klärschlamm bereits seit Jahren zu 100 Prozent verbrannt und die Asche in einer Spezialdeponie eingelagert. Damit der Phosphor den Böden nicht für immer verloren geht, ist es für die Zukunft entscheidend, Phosphor aus der Klärschlammasche zu recyceln. Bislang mangelte es aber an wirtschaftlich effizienten Verfahren. Mit einer gemeinsamen Pilotanlage wollen Hamburg Wasser und Remondis nun den Nachweis antreten, dass Phosphorrecycling im großtechnischen Maßstab umsetzbar ist. Möglich macht das ein von Remondis entwickeltes Verfahren, das sogenannten Tetraphos-Verfahren. Dieses löst nicht nur hochwertige Phosphorsäure aus der Asche, sondern auch weitere mineralische Salze, die ebenfalls verwertet werden können. Auf diese Weise werden Stoffkreisläufe vor Ort geschlossen.

Bei dem Remondis TetraPhos-Verfahren wird phosphorreiche Klärschlammasche in verdünnter Phosphorsäure gelöst. Dabei erhöht die Asche die Phosphorsäurekonzentration, sodass insgesamt mehr Phosphorsäure entsteht. In einem vierstufigen Prozess werden anschließend Inhaltsstoffe wie Calcium, Aluminium und Eisen entfernt, die sich ebenfalls weiterverwerten lassen. So kann das Aluminium direkt im Klärwerk genutzt werden, weil es als Fällmittel bei der Abwasserreinigung benötigt wird. Der Zukauf von Fällsalzen kann in Hamburg dadurch künftig um voraussichtlich mehr als 30 Prozent gesenkt werden. Das gelöste Calcium kann als Gips abgetrennt werden und als Baustoff genutzt werden.

Remondis-Prokurist und Erfinder Dr. Martin Lebek, kommentierte: „Mit dem patentierten Remondis TetraPhos-Verfahren haben wir einen Weg gefunden, um im industriellen Maßstab kostengünstig Phosphorsäure aus Aschen von Klärschlammverbrennungsanlagen herzustellen. Das Verfahren zeichnet sich durch eine herausragende ökologische Effizienz aus und trägt auf vielfältigen Wegen zur Ressourcenschonung bei. Gleichzeitig zeigt es einen Weg auf, wie Europa unabhängiger von notwendigen Phosphorimporten werden kann.“

Hamburg Wasser-Geschäftsführer Michael Beckereit fügte hinzu: „Mit der Phosphorrückgewinnung wollen wir einen wirklichen Meilenstein bei der Abwasserbehandlung in Hamburg erreichen. Es soll dazu beitragen, das Klärwerk Hamburg noch effizienter aufzustellen und wirtschaftlicher zu betreiben, indem wir daen recycelten Phosphor gemeinsam mit Remondis vermarkten. Wenn die Pilotversuche erfolgreich sind, werden wir gemeinsam mit Remondis eine Großanlage in Hamburg errichten und betreiben.“

Quelle: Hamburg Wasser