IKB: Geraten die Rohstoffpreise vom Grexit ins Sommerloch?

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Sheet copper (Foto: © H.D. Volz /http://www.pixelio.de)

Düsseldorf — Die Weltrohstoffpreise verbilligten sich im Durchschnitt des Juni 2015 auf Dollarbasis um 1,8 Prozent. Infolge einer geringfügigen Aufwertung des Euro zum US-Dollar sanken diese in Inlandswährung gerechnet um 2,3 Prozent; insbesondere börsennotierte Rohstoffe gaben gegen Monatsende etwas kräftiger nach, meldet die IKB Deutsche Industriebank in ihrer neuesten Rohstoffpreis-Information. Da sich vor allem auch investive Nachfrager aus den Rohstoffmärkten zurückgezogen haben – und hier auch Funds, welche stärker in Griechenlandanleihen engagiert sind -, dürfte die Diskussion über ein Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion die Märkte belastet haben. Die weitere Entwicklung Griechenlands wird im Verlauf des Juli die investive Nachfrage weiter belasten, wobei die IKB von keinen nochmaligen größeren Einbrüchen ausgehen. Vieles dürfte mittlerweile eingepreist sein; selbst einen Sprung nach oben bei den Goldnotierungen als vermeintlichen Save Haven sieht die Industriebank nicht.

Bis Ende Mai 2015 lag die Weltstahlproduktion noch unter Vorjahresniveau. Während die Produktion in der EU 28 stagniert, kommt es zu einem Rückgang von 1,6 Prozent in China. Der Einbruch in der Ukraine hält an. Die Schrottpreise stagnierten auf Aprilniveau. Die leichte Erholung der Erzpreise setzte sich fort; diese liegen aber weiter niedrig. Die Weltstahlpreise gaben im Juni um bis zu 2 Prozent nach. In Europa betrugen die Preisveränderungen zwischen +0,5 Prozent. Aufgrund der Griechenlandturbulenzen sieht die IKB eine Erholung erst nach der Sommerpause. In der Tendenz wird in Europa bis Ende September 2015 eine Erholung der Flachprodukte um bis zu 2 Prozent erwartet, bei Langprodukten seitwärts. Bei Schrottpreisen sind „im Sommerloch“ bis Ende August Rückschläge nicht ausgeschlossen .

Die weltweite Primäraluminiumproduktion expandierte bis Ende Mai 2015 um 8 Prozent.; die asiatischen Regionen expandierten zweistellig, Westeuropa legte um gut 5 Prozent zu. In anderen Regionen kam es zu Rückgängen. Impulse kommen vor allem aus der Automobilindustrie. Die Lagerbestände an der LME betragen knapp 3,6 Mio. t, diejenigen der Sekundärlegierung nur noch 14.000 t. Die Vorräte an den übrigen Börsen sind gering. Im Zuge der „Grexit-Diskussion“ zogen sich investive Nachfrager massiv zurück. Die IKB sieht einen Aufwärtstrend für Primär- wie auch Sekundäraluminiumpreise. Tendenziell wird bis Ende August 2015 mit einer Bewegung um 1.850 US-$ pro Tonne in einem Band von 250 US-$ gerechnet, der sich für Sekundärlegierungen im gleichen Rahmen bewegt.

Die weltweite Nachfrage nach Kupfer sank im ersten Quartal 2015 um 3 Prozent. Für das Gesamtjahr 2015 dürfte jedoch eine Verbrauchszunahme auf rd. 23,5 Mio. t. erfolgen. Infolge des Ausbaus der Minen- sowie der Raffinadekapazitäten sollte nach mehreren Jahren mit Angebotsdefiziten 2015 nun ein leichter Angebotsüberschuss auftreten. Insgesamt ist dies auch notwendig, denn die Lagerbestände der Börsen reichen nur für gut eine Woche. Die investive Nachfrage gab im Juni zuletzt um gut 5 Prozent gegenüber dem Vormonat nach. Das Angebot an Kupferschrotten gilt weiter als knapp. In der Tendenz sieht die IKB bis Ende August 2015 eine Bewegung des Kupferpreises um 6.100 US-$ pro Tonne in einem Band von 400 US-$.

Quelle: IKB Deutsche Industriebank