Elektrolichtbogenofen EAF Quantum mit Umwelttechnikpreis ausgezeichnet

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Die erste Quantum EAF in Betrieb wrde nach Ixtaczoquitlan, Mexico geliefert (Foto: Primetals Technologies)

Stuttgart — Der Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg in der Kategorie „Energieeffizienz“ geht an die Primetals Technologies Germany GmbH aus Willstätt-Legelshurst. Ihr Elektrolichtbogenofen EAF Quantum senkt den Energieverbrauch für die Rohstahlproduktion aus Stahlschrott gegenüber bisherigen Öfen dieser Art um bis zu 20 Prozent. Bei einem Standardofen von 100 Tonnen pro Schmelzvorgang entspricht dies etwa dem jährlichen Energiebedarf einer Stadt mit circa 50.000 Einwohnern. Dafür sorgen nicht nur das neuartige Ofendesign, sondern auch Verbesserungen an den Prozessen, die den Vorgängen im Ofen vor- und nachgelagert sind.

Die Eisen- und Stahlerzeugung ist für rund 20 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs in der Industrie und für etwa 30 Prozent der industriellen CO2- Emissionen verantwortlich. Da die Nachfrage nach Stahl gleichzeitig wächst, haben Effizienzverbesserungen hier eine große Bedeutung. Mit dem EAF Quantum steht für die Verarbeitung von Schrott zu Rohstahl nun eine Technologie zur Verfügung, die den Vorgang gleich an vielen Stellen optimiert: von der Zuführung des Schrottes, über dessen Vorwärmung und die Art und Weise, wie er in das Schmelzbad eingebracht wird, bis zum Kippkonzept und Abstichsystem.

Mit neuem Schrott-Beschickungsverfahren

Während bei herkömmlichen Anlagen der Schrott üblicherweise manuell per Hallenkran und Korb in den Ofen zu bringen ist, wurde für den EAF Quantum ein neues Schrott-Beschickungsverfahren entwickelt, das den Vorwärmbehälter des Ofens über einen – bestenfalls direkt am Schrottplatz angebundenen – Schrägaufzug automatisch befüllt. Dort wird das heiße Ofenabgas genutzt, um den Schrott auf mehr als 600 Grad Celsius zu erhitzen. Durch die Trapezform des Vorwärmschachtes lässt sich der Schrott anschließend trotz dieser hohen Temperatur ohne Verkleben oder Verstopfen in den hohen Schmelzsumpf geben.

Gut verteilt und deutlich abseits der Elektroden im Schmelzbad platziert, ist beim Beladen keine Unterbrechung der Stromzufuhr notwendig, was den Schmelzvorgang beschleunigt, die Elektroden schont und Rückwirkungen auf das Stromnetz (Flicker) verhindert. Da beim Kippen der Anlage und beim Abstechen des Schmelzaggregates die Schlacke im Ofen verbleibt, ist der entnommene flüssige Stahl von hoher Qualität.

Schmelzfolgezeiten von 36 Minuten

Die erste Auslieferung nach Mexiko und die zweite nach Italien zeigen das Exportpotenzial des Elektrolichtbogenofens und seine Eignung für unterschiedlichste Standorte: Während Länder wie Mexiko mit vergleichsweise schwachen Netzen ausgestattet sind und von den niedrigen Netzrückwirkungen sowie vom niedrigen Energieverbrauch gleichermaßen profitieren, steht letzteres in einem Land wie Italien im Vordergrund. Energieeffiziente, hochproduktive Technik ist die Voraussetzung, damit Europa zukünftig überhaupt als Produktionsstandort für Stahl in Frage kommt. Mit Schmelzfolgezeiten von 36 Minuten bei einem Energieverbrauch von 280 Kilowattstunden pro Tonne Rohstahl ist das der Fall.

„Höhere Gesamtleistung, geringerer Energieverbrauch und reduzierte Treib- hausgas-Emission“, fasst Alexander Müller, Entwicklungsingenieur für Elektrostahlerzeugung bei Primetals, zusammen und ergänzt: „Eine solch umfassende Innovation war nur als Teamleistung möglich. Deshalb sind wir besonders stolz auf unseren Standort in Willstätt-Legelshurst, wo alle mit Begeisterung dabei waren und an einem Strang gezogen haben, um diese Entwicklung zur Marktreife zu bringen.“

Baden Württembergs Umweltminister Franz Untersteller kommentierte: „Mit Blick auf den Ressourceneinsatz und die Wettbewerbsfähigkeit können energieeffiziente Anlagen wie der EAF Quantum einen wichtigen Beitrag leisten, um in Deutschland und Europa auch zukünftig Rohstahl zu produzieren.“

Für hervorragende und innovative Produkte und Verfahren

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vergibt alle zwei Jahre den Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg. Der Preis soll für hervorragende und innovative Produkte und Verfahren in der Umwelttechnik verliehen werden. Das Preisgeld beträgt 100.000 Euro und wird auf vier Kategorien und einen Sonderpreis der Jury verteilt. Die Kategorien gliedern sich in „Energieeffizienz“, „Materialeffizienz“, „Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung“ und „Mess-, Steuer- und Regeltechnik“. Im Unterschied zum Umweltpreis, den das Ministerium seit 1993 vergibt, liegt die Zielrichtung des Umwelttechnikpreises auf einem Produkt oder Verfahren und dessen besonderen umwelttechnischen Leistungsfähigkeiten und nicht auf unternehmensinternen Prozessen.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden Württemberg