Deponieentgasung: Sackloch-Bohrungen bringen horizontale Gasdrainagen ein

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Einbringen der Drainagerohre in den Deponiekörper (Foto: Streicher)

Deggendorf — Durch das nachträgliche Einbringen horizontaler Gasdrainagen lässt sich anfallendes Methangas effizienter und kostengünstiger abführen als mit herkömmlichen Vertikalbrunnen. Zudem wird das unkontrollierte Austreten von Methangasen vermieden. Dementsprechende so genannte „Sacklochbohrungen“ hat – unter Einhaltung hoher Sicherheitsstandards – die Max Streicher GmbH & Co. KG auf der Deponie „Am Bastwald“ im hessischen Schwalmtal bis Ende Juni 2015 niedergebracht.

Bereits seit 2005 besitzt Streicher ein geschütztes Verfahren für horizontale Gasdrainagen, die nachträglich in Deponien eingebracht werden, um das dort in großen Mengen entstehende Methangas zur weiteren Nutzung abzuführen. Der Vorteil dieser horizontalen Sacklochbohrungen ist, dass sie einen größeren Einzugsbereich als Vertikalbrunnen haben. Deshalb wird eine hohe Anzahl dieser herkömmlichen Brunnen benötigt, um Methangas aus einer Deponie zu entfernen.

Seit April 2015 lässt Streicher auf der Deponie „Am Bastwald“, die von der Abfallentsorgungs-Gesellschaft Vogelsbergkreis betrieben wird, sechs horizontale Sacklochbohrungen mit einer Länge von 66 bis 108 Metern nieder. Dabei findet eine Verdrängungsbohrung mit einem Horizontalbohrgerät statt, das eine Rückzugs- und Druckkraft von bis zu 40 Tonnen hat. In die Sacklochbohrung werden gelochte Kunststoffrohre mit einem Durchmesser von 160 mm und einer Wandstärke von 14,6 mm im Verdrängungsverfahren eingebracht, ohne dass Bohrgut ausgetragen wird. Ein am Bohrgestänge angebrachter Sender ermöglicht es, jederzeit die genaue Lage und Tiefe zu kontrollieren.

Damit das Deponiegas Zutritt zur Drainageleitung hat und kontrolliert abgeführt werden kann, wird bei dem von Streicher angewandten Verfahren auf den Einsatz einer Bentonit-Spülflüssigkeit verzichtet, die eine Abdichtung um die Bohrung schaffen würde. Es wird lediglich Reinwasser zur Kühlung des Bohrkopfes verwendet. Für das anfallende Deponiegas werden Absauganlagen eingesetzt. „Die horizontalen Gasdrainagen sind eine umweltschonende und kostensparende Möglichkeit zur Reaktivierung von Altdeponiekörpern“, erläutert Stefan Graziani, zuständiger Projektleiter bei Streicher.

Vor Ort wird auf höchster Sicherheitsstufe gearbeitet. Neben ständigen Gas- und Sauerstoffmessungen werden vorsorgliche Maßnahmen zur Feuerbekämpfung getroffen. Die Weiterverbreitung undefinierter Abfallstoffe wird durch den Einsatz einer sogenannten mobilen Schwarz-Weiß-Anlage vermieden, in der sich die Mitarbeiter nach ihrem Einsatz reinigen und die Kleidung wechseln.

Quelle: Max Streicher GmbH & Co. KG