Bei Flaschenrücknahme Gesundheitsgefahr durch Schimmel? BGHW sagt nein

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Pfandrücknahme (Foto: © Heike Dreisbach /http://www.pixelio.de)

Mannheim — Gerade im Sommer sind Rücknahmestellen für Pfand- und Einwegflaschen häufig kein angenehmer Aufenthaltsort. Aber sind Schimmelpilze in der Flaschenrücknahme eine Gefahr für die Gesundheit? Die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) ist in einer mehrmonatigen Untersuchung dieser Frage nachgegangen. Das erstaunliche Ergebnis: Auch wenn es müffelt – die Schimmelpilzkonzentration liegt in einem Bereich, der auch in der unbelasteten Außenluft anzutreffen ist.

„Anlass zu dieser Untersuchung waren die zahlreichen Anfragen von verunsicherten Beschäftigten“, berichtet Biologe Dr. Stefan Mayer, Leiter des Projekts bei der BGHW in Mannheim. „Sie machten sich verständlicherweise Sorgen um ihre Gesundheit.“ Aus diesem Grund ging die BGHW dem Verdacht nach und nahm in 15 Einzelhandelsunternehmen den Rücknahmebereich für Pfand- und Einwegflaschen und die dortige Schimmelpilzbelastung unter die Lupe.

Gefährdungsrisiko gering

Der messtechnische Dienst der BGHW untersuchte die Belastung an den stationären Leergutrücknahmeautomaten, stattete aber auch das Personal mit Messgeräten aus. Eine Vielzahl von möglichen Einflussfaktoren wurde erfasst, beispielsweise der Durchsatz, die Lüftungsverhältnisse, der Wochentag oder die eingesetzte Technik. Spezielles Augenmerk galt den Säcken unter den Auffangbehältern. Sie sind zum einen randvoll mit Pfandflaschen, zum anderen wird beim Verschließen Luft herausgepresst – der Verdacht, dass dieser Bereich besonders belastet ist, lag nahe. Da Schimmelpilze natürlicherweise in der Außenluft vorkommen, wurden parallel zu den Arbeitsplatzmessungen Proben der unbelasteten Außenluft als Referenz genommen.

„Das Ergebnis überraschte uns alle“, so Projektleiter Mayer. „Egal, wo und wann wir gemessen haben, die Schimmelbelastung war stets vergleichbar mit der Belastung, wie sie auch im Außenbereich vorkommt.“ Das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung durch Schimmelpilze sei vor dem Hintergrund der vergleichsweise niedrigen Konzentrationen als gering einzuschätzen. Für Beschäftigte mit einer bestehenden Allergie gegen Schimmelpilze könnten allergische Reaktionen jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden; auch wenn die Wahrscheinlichkeit allergischer Reaktionen bei Konzentrationen im Bereich der Hintergrundbelastung sehr gering sei.

Regelmäßige Reinigung wichtig

Die Reaktion vieler Menschen auf den muffigen Schimmelgeruch erklärt Biologe Mayer damit, dass die Nase darauf sehr sensibel reagiert: „Selbst bei sehr geringen Konzentrationen an Geruchsstoffen, die von Schimmelpilzen gebildet werden, sind diese Gerüche bereits wahrnehmbar.“ Auch wenn sie nicht unmittelbar gesundheitsgefährdend sind, werden sie aber als unangenehm empfunden und können Unwohlsein auslösen. Deshalb sei eine regelmäßige Reinigung ausgesprochen wichtig, damit sich Mitarbeiter und Kunden wohl fühlen, erklärt Experte Mayer.

Unabhängig von der Belastung durch Schimmelpilze ist bei der Rücknahme von Pfandartikeln darauf zu achten, dass Schnittverletzungen an Flaschen verhindert werden. Augen­merk ist auf die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze zu legen. Dazu zählt beispielsweise, dass die Greiftiefe für das Erreichen der Flaschen nicht zu groß ist. Ein weiterer Aspekt ist die Anordnung der Kästen, die nicht in Kopfhöhe angebracht werden sollen.

Der Abschlussbericht zum Projekt „Schimmelpilzbelastung bei der Rücknahme von Pfandartikeln“ kann auf der Internetseite der BGHW heruntergeladen werden.

Quelle: Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW)