Kohleausstieg: Deutschland sollte den Strommarkt aufräumen

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Quelle: Interessengemeinschaft Windkraft Österreich

Wien, Österreich — Der gemeinsame Strommarkt Österreich-Deutschland wird aktuell von horrenden Mengen an hochsubventioniertem Kohlestrom geplagt. Der europäische CO2-Handel ist zusammengebrochen und noch immer nicht funktionsfähig. „Mit einem nationalen Klimabeitrag könnte Deutschland den Strommarkt und den Umweltschutz wieder ins Laufen bringen“, bemerkt Energieexperte Thorsten Lenck von Energy Brainpool. Und Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, ergänzt: „Auf Österreich haben diese Entscheidungen in Deutschland enorme Auswirkungen.“

Allein am deutsch-österreichischen Strommarkt besteht derzeit ein Überschuss von 60 GW Kraftwerksleistung. Das sind zweieinhalb Mal soviel wie die Leistung aller österreichischen Kraftwerke zusammen. Der gekoppelte deutsch-österreichische Strommarkt leidet ebenfalls massiv unter überflüssigen Kohle- und Atomkraftwerken, die überschüssigen Strom ins Netz pumpen und so Strompreis und Stromnetz massiv beeinträchtigen.

Kraftwerke gefahrlos abschaltbar

„Deutschland könnte rund 35 der ältesten Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 15 Gigawatt sofort abschalten, dadurch nebenbei die Klimaziele erreichen und den Strommarkt enorm stärken. Die Versorgungssicherheit wäre damit gar nicht gefährdet“, meint Energieexperte Thorsten Lenck vom deutschen Beratungsunternehmen Energy Brainpool. Die Auslastung für weniger CO2-schädliche Kraftwerke wie Gaskraftwerke, aber vor allem die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, die bei Kohlestromüberschuss in Deutschland gedrosselt werden, könnte so erhöht werden.

Strompreise blieben niedrig

Wenn diese hochsubventionierten, extrem umweltbelastenden Kraftwerke vom Netz gehen, würde der Strommarktpreis nur marginal, um weniger als 1 ct/kWh steigen. „Dies würde Windkraftwerksbetreibern von Anlagen, die keine Förderung mehr erhalten, auch in Österreich helfen, am Strommarkt ihren Windstrom verkaufen zu können“, bemerkt Moidl und setzt fort: „Darüberhinaus wird damit der CO2-Ausstoß in ganz Europa um 3 Prozent gesenkt“.

Deutschland springt für die EU ein

„Der Emissionshandel gibt derzeit kein ausreichendes Preissignal, um die Kohle aus dem Markt zu drängen. Eine grundlegende Reform ist daher dringend notwendig, um mehr Kostenwahrheit zu gewährleisten und die ungerechtfertigte Besserstellung von Kohle zu beenden“, erklärt Jürgen Schneider vom österreichischen Umweltbundesamt. So ist derzeit Umweltverschmutzung kein Kostenfaktor, und nach wie vor erhält die Kohleindustrie hohe Subventionen. Dadurch wird der Markt extrem verzerrt. Erneuerbare Energien, Wasserkraft, aber auch Gaskraftwerke leiden unter diesen verzerrten Preisen. „So ist eine nachhaltige Energieversorgung nicht möglich“, bemerkt Moidl. „Wenn auf europäischer Ebene kein Weg gefunden werden kann, müssen die Maßnahmen auf nationaler Ebene umgesetzt werden“, ergänzt Thorsten Lenck. Mit der Einführung einer Kohleabgabe in Deutschland könnten die CO2-Emissionen in Deutschland sogar um mehr als 22 Prozent gesenkt werden.

Kohlekraftwerke aus dem System nehmen

Kohlekraftwerke sind für 40 Prozent der globalen CO2-Emmissionen verantwortlich. Darüberhinaus sind sie unflexibel und behindern die Energiewende sowohl auf der Kostenseite wie auch durch die hohen, unflexiblen Kohlestrommengen, die die Stromnetze verstopfen und Wind- und Sonnenstrom aus den Netzen drängen. „Das Abschalten von deutschen Kohlekraftwerken würde Platz schaffen für erneuerbaren Strom aus Sonne und Wind“, so Moidl abschließend.

Energieexperte Thorsten Lenck vom deutschen Beratungsunternehmen Energy Brainpool präsentierte gestern im Rahmen der Veranstaltungsreihe „windrichtungen“ auf Einladung der IG Windkraft die Kurzstudie „Auswirkungen eines partiellen Kohleausstiegs“ in Wien. 

Quelle: Interessengemeinschaft Windkraft Österreich