ISTE & QRB: Qualitäts-Baustoff-Recycling nur bei Mantelverordnung mit Augenmaß

1499
Einblick in die Aufbereitungspraxis (v.l.): W. Feeß, K. Zimmermann MdL, N. Lins MdEP und T. Beißwenger

Ostfildern — So könne man sich Verfahren der Zukunft des Recyclings mineralischer Baustoffabfälle vorstellen, meinte Walter Feeß, Geschäftsführer der Heinrich Feeß GmbH & Co. KG in Kirchheim/Teck, und demonstrierte seinen Gästen die innovative Bauschutt- und Bodenwaschanlage des irischen Nassaufbereitungs-Spezialisten CDE Global. Die riesige “Waschmaschine für mineralische Abfälle“ arbeitet seit kurzem im Recyclingpark Kirchheim/Teck (Rabailen) und produziert gewaschene, gesiebte und sortierte Baustoffe in drei Qualitäten, die ohne Umwege direkt wieder eingesetzt werden können. Die Anlage wird bei der Firma Feeß als Pilotprojekt im Rahmen des EU-Projektes CANDY (CompAct, highly mobile, Next generation, CD&E waste recoverY system) optimiert.

Drei christdemokratische Parlamentarier – ein Europa-, ein Bundes- und ein Landespolitiker – nutzten die Gelegenheit, sich in Kirchheim über die Praxis der Aufbereitung mineralischer Abfälle zu informieren und die technisch besonders fortschrittliche Anlage dort kennenzulernen. Neben Norbert Lins (CDU, MdEP, Mitglied des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments), Michael Hennrich (CDU/CSU-Bundestagsfraktion, MdB) und Karl Zimmermann (CDU, MdL, Wahlkreis Kirchheim) nahmen auch Peter Röhm, Präsident des Industrieverbands Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE), ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwengeran sowie der neue Vorsitzende des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg e.V. (LNV), Dr. Gerhard Bronner, an der Veranstaltung teil.

Ein Einblick in die Aufbereitungspraxis

Neben dieser Waschanlage zeigten sich die Besuucher besonders beeindruckt von den durch das QRB zertifizierten Recyclingprodukten aus der trockenen Aufbereitung von Bauschuttgemischen. Sie erfolgt mit Brech- und Siebanlagen, die heutzutage eher den Standard der Aufbereitung darstellen als die komplexe und noch sehr kostenintensive Nassaufbereitung. Ein weiteres Highlight der Führung: die Produktion von „Öko-Legosteinen“ aus Beton mit 100prozentig rezyklierten Gesteinskörnungen. Sie wurden vor den Augen der Gäste „live“ hergestellt.

Dem Einblick in die Aufbereitungspraxis folgte eine Diskussion über politische und verwaltungsrechtliche Aspekte des Baustoff-Recyclings. Diesen Austausch eröffnete Ministerialdirektor Helmfried Meinel vom baden-württembergischen Umweltministerium mit einem Impulsreferat über „Ressourceneffizienz in der Bauwirtschaft“. Er betonte, dass die Recyclingquote nach dem Willen der Landesregierung weiter gesteigert werden solle. Dem stimmte von unternehmerischer Seite neben Walter Feeß auch Christa Szenkler (bmk Steinbruchbetriebe GmbH & Co. KG, Talheim), zu, die Vorsitzende der ISTE-Fachgruppe „Recycling-Baustoffe und Boden“.

Bei RC-Baustoffen nicht differenzieren

Die derzeit auch aus der angewandten Forschung zu vernehmende Differenzierung von RC-Baustoffen in „Upcycling = Hochbau“ und „Downcycling = Tiefbau/Infrastrukturbau“ und die damit oftmals einhergehende Wertung in besser/schlechter mache aus fachlicher und auch aus politischer Sicht allerdings keinen Sinn. Das betonte Dr. Bernd Susset, Geschäftsführer des Qualitätssicherungssystem Recycling-Baustoffe Baden-Württemberg e.V (QRB).

Denn erstens unterscheide nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz die fünfstufige Abfallhierarchie innerhalb der Stufe Recycling nicht zwischen den genannten Verwertungspfaden. Zweitens müssten die RC-Körnungen für den geregelten Infrastrukturbau in der Regel sogar wesentlich höhere Umweltanforderungen und die gleichen bautechnischen Anforderungen einhalten verglichen mit rezyklierten Gesteinskörnungen für Beton, erklärte Bernd Susset.

Keine Rede von Downcycling

Ein weiteres Thema war Recycling-Beton, kurz R-Beton. Angesichts seiner mengenmäßig begrenzten Potentiale dürfen die bedeutendsten Verwertungspfade weiterhin in technischen Bauwerken des Erd-, Straßen-, Wege- und Schienenverkehrswegebaus liegen, machte ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger klar. Damit dürfe man die geplante bundeseinheitliche Regelung „Ersatzbaustoffverordnung im Rahmen der Mantelverordnung“ nicht aus dem politischen Blickwinkel verlieren, da diese 75 Prozent des Baustoff-Recycling-Materials betreffe. Auch bei technischen Bauwerken finde hochwertiges Baustoff-Recycling statt. Von Downcycling im Infrastuktur-Tiefbau könne also keine Rede sein. Da man angesichts des zurückgehenden Neubaus stets neue Verwertungswege finden müsse, unterstütze der ISTE aber vollumfänglich R-Beton als „zwar wichtiges, aber mengenmäßig nicht entscheidendes Element einer umfassenden Verwertungsstrategie“, so Thomas Beißwenger.

Eine Null-Deponienpolitik ist kaum möglich

Auch weiterhin wird es Deponien geben müssen – trotz erheblicher Anstrengungen beim Recycling von Baustoffen. Eine „Null-Deponienpolitik“ sei kaum möglich – darin waren sich Unternehmer und Politiker einig. Deshalb werde das derzeit zurückgezogene Abfallpaket der EU durch den vorsorgenden Boden- und Grundwasserschutz in Deutschland sehr kritisch gesehen, betonte Bernd Susset.

Zugleich müsse man in Deutschland bedenken, dass eine geplante Verschärfung der Anforderungen an die Verfüllung von Abgrabungen nach der Novelle der Bundes-Boden-Schutz-Verordnung in der geplanten Mantelverordnung zu einem Hinüberschwappen von Verfüllmaterial in das Deponierecht (DK 0 und DK 1) führen könne, warnte Christa Szenkler. Schon jetzt gebe es in Ballungsräumen massive Entsorgungsprobleme und steigende Transportwege und damit hohe CO2-Ausstöße, betonte Walter Feeß. Auch hierzu passe keine Null-Deponienpolitik.

RC-Akzeptanz steigern, Ausschreibungspraxis verbessern

Kritisch beurteilte Dr. Gerhard Bronner vom LNV die „unsägliche Grenzwertdiskussion in Deutschland im Rahmen des Verordnungsprozesses zur Mantelverordnung“. Er könne nicht verstehen, dass der Sulfatwert, abgeleitet aus der Begrenzung der Leitungskorrosion in der Trinkwasserverordnung, zum „heiligen Gral des Grundwasserschutzes“ erhoben werde und – wie derzeit befürchtet – den Massenstrom in Richtung Beseitigung umsteuere.

Diese Impulse von Seiten der Baustoff-Praktiker waren neben der Besichtigung der Recycling-Waschanlage der Firma CDE wertvoll für die drei Politiker. Auch die neue Aufbereitungsweise könne aber nur erfolgreich sein, wenn die erzeugten Produkte einen Absatzmarkt fänden, betonten die Unternehmer und Verbandsvertreter. Hierzu müsse die Akzeptanz von RC-Material gesteigert und die Ausschreibungspraxis der öffentlichen Hand verbessert, das heißt produktneutral gestaltet werden. Zwangsquoten, Subventionen und Strafsteuern seien kontraproduktiv, betonten einvernehmlich die Unternehmens- und Verbandsvertreter.

Quelle: Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE)