IKB: Niedrige Eisenerz-Spotpreise drücken auf den Schrottpreis

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Stahlschrott (Foto: Marc Weigert)

Düsseldorf — Nachdem die Weltrohstahlproduktion im ersten Quartal einen sehr schwachen Start genommen hatte, zeichnet sich nun eine Kompensation ab. Chinas Rückgang von 4,7 Prozent im Januar hat sich bereits auf 1,3 Prozent vermindert, meldet die IKB Deutsche Industriebank in ihrer neuesten Rohstoffpreis-Information. Für das Gesamtjahr sieht die IKB weltweit einen Ausstoß von rund 1,7 Mrd. t Rohstahl.

Während der nordamerikanische Markt sich leicht rückläufig entwickeln dürfte, ist in Lateinamerika eine Erholung zu erwarten. In der Ukraine liegt die Produktion bisher um 30 Prozent unter Vorjahr. Der Ausstoß in der EU 28 stagnierte bis Ende April 2015. In Deutschland hält die IKB 2015 eine Tonnage von ca. 43,5 Mio. t. für möglich. Die konjunkturelle Belebung im Jahr 2015 wird im Inland vor allem durch die Nachfrage der Automobilindustrie und der Belebung im Maschinenbau sowie der Bauwirtschaft getragen.

Im Mai 2015 stagnierten die Schrottpreise auf dem im April erreichten Niveau. Trotz noch guter Exporte in die Türkei belastet die Wechselkurssituation größere Neuabschlüsse. Zuletzt zog die türkische Stahlproduktion zwar an, lag aber infolge geringer Nachfrage aus wichtigen Abnehmerländern (Syrien, Irak) noch unter Vorjahresniveau. Auch greift China die türkischen Hersteller immer mehr in deren traditionellen Kundenländern im Nahen Osten an. Die Orders Italiens waren schwächer und führten zu Preisabschlägen von rund 5 €/t. Die Inlandsnachfrage lag auf ordentlichem Niveau. Es drücken jedoch unverändert die niedrigen Eisenerz-Spotpreise auf den Schrottpreis. Dieser Druck dürfte zumindest bis Mitte 2016 anhalten. Bis zur Sommerpause 2015 sieht die Industriebannk eine Seitwärtsbewegung der Preise.

Die Weltstahlpreise entwickelten sich im Mai 2015 divergierend. Während bei Flachprodukten Preiserhöhungen zwischen 1,5 und 2 Prozent durchsetzbar waren, gaben Langprodukte bis zu 1 Prozent nach. Entgegengesetzt lief die Entwicklung in Europa: Bewehrungsstahl und Walzdraht zogen um bis zu 2 Prozent an, Flachprodukte gaben um einen Prozentpunkt nach. Die Spotmarktpreise für Eisenerz bewegten sich im Monatsdurchschnitt Mai um 61 US-$/t und damit um rund 9 US-$ über dem April-Wert. Allerdings ist von einer sehr guten Erzversorgung bis Ende 2016 auszugehen. China wird weiter versuchen, seinen Exportdruck in Richtung Naher Osten aufrecht zu erhalten. Dies begrenzt das Preisniveau in dieser Region. Bei den Weltstahlpreisen sieht die IKB in den nächsten drei Monaten eine Seitwärtsbewegung, in Europa erwartet sie auf Euro-Basis einen Anstieg von rund 2 Prozent.

Quelle: IKB Deutsche Industriebank