Größte Biogasanlage Afrikas mit Batch-Hydrolyse kommt aus Niederbayern

1885
Erste Biogasanlage in Afrika mit Stromeinspeisung ins öffentliche Netz (Foto: © 2015 Snow Leopard Projects GmbH)

Reisbach/Nairobi — Die größte Biogasanlage in Afrika hat die Firma Snow Leopard Projects GmbH (SLP) aus Reisbach nach einer Bauzeit von über einem Jahr in Betrieb genommen. Sie steht in Kenia am Naivasha See, etwa 70 km nördlich der Hauptstadt Nairobi. Völlig neu ist, dass die Biogasanlage den erzeugten Strom auch in das öffentliche Stromnetz einspeist. Der Investor Tropical Power ist die erste Firma in Kenia, die einen Einspeisevertrag für Biogasstrom erhalten hat. SLP-Geschäftsführerin Katharina Danner kommentiert: „Wir sind stolz darauf, die ersten zu sein, die in Afrika Strom aus einer Biogasanlage ins öffentliche Netz einspeisen. Hier kann uns keiner mehr überholen.“

Die Biogasanlage hat eine elektrische Kapazität von bis zu 2,4 Megawatt. Zwei Blockheizkraftwerke (BHKWs) mit jeweils 1,4 MW sind auf der Biogasanlage installiert. Da bei einer Höhenlage von über 2.000 m der Sauerstoffgehalt der Luft so gering ist, können die Motoren aber nur mit jeweils 1,2 MW betrieben werden. Bei Nacht wird weniger Strom gebraucht als am Tag, deshalb läuft nachts nur ein Motor und während tagsüber dann beide Motoren betrieben werden.

Die Biogasanlage wird täglich mit ca. 120 Tonnen Gemüseabfälle gefüttert. Das sind Bohnenstroh, Brokkolistämme oder Maisstängel aus der Gemüsemaisproduktion. Die Abwärme der Motoren wird in ein Gewächshaus geleitet, in dem Nützlinge für die biologische Schädlingsbekämpfung gezüchtet werden. Der energetische Gesamtwirkungsgrad liegt daher bei ca. 90 Prozent. SLP-Biogasanlagen unterscheiden sich von herkömmlichen Silomais-Biogasanlagen dahingehend, dass sie mit einer vorgeschalteten Batch-Hydrolyse arbeiten. Die Batch-Hydrolyse funktioniert nach dem Prinzip des Pansens einer Kuh und ist aufgrund dessen in der Lage Stroh und anderes faseriges Material aufschließen. Mike Mason, der Projektentwickler und Investor aus Oxford, England, stellt fest: „Die Biologie der SLP-Biogasanlagen arbeitet um ein Dreifaches schneller und effektiver als die herkömmlicher Silomais-Biogasanlagen. Das haben meine vergleichenden Recherchen ergeben.“

Die Hauptschwierigkeit beim Bau der Biogasanlage lag in der mangelnden Qualität der Betonarbeiten beim Behälterbau. Was in Deutschland eine Routinearbeit ist, ist in Kenia eine Mammutaufgabe. Ein Stahlbetonbehälter mit 6.000 m³ wurde dort noch nicht gebaut. Mike Nolan, Technischer Direktor bei Tropical Power, schlussfolgerte: „Der einzige Fehler, den wir gemacht haben, war, dass wir die Betonschalung aus Niederbayern nicht gekauft haben, sondern auf eine örtliche ‚Fachfirma‘ gesetzt haben.“

Die Biogasanlage am Naivasha See kann als „Niederbayerische Biogasanlage“ bezeichnet werden. Die Planung kommt aus Reisbach. Die Steuerung wurde von der Firma SAR aus Dingolfing geliefert. Metallbauarbeiten kommen aus Marklkofen und Eichendorf. Andere Teile, wie Rührwerke und das Gasdach werden im Allgäu hergestellt. Die Einbringtechnik und Rohrleitungen kommen aus dem benachbarten Ried in Oberösterreich. Insgesamt wurde Equipment für über 1,5 Mio. Euro aus Bayern nach Kenia geliefert. „In der Gemeinschaft können sich auch kleine mittelständische Firmen am Export beteiligen und nicht nur die Konzerne“, erklärt Walter Danner von der SLP mit Stolz.

Quelle: Snow Leopard Projects GmbH / Pressebox