MdB Mattfeldt: Fracking-Lagerstätten-Wasser umweltverträglich entsorgen

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Bohrstelle (Foto: ©Thomas Max Müller/ http://www.pixelio.de)

Berlin — Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt hat die von der Bundesregierung geplanten Neuregelungen zur Erdgasfördermethode Fracking als unzureichend kritisiert. „Die vorgelegten Gesetze gehen zwar in die richtige Richtung, doch werden darin wichtige Bereiche nicht geregelt“, kritisierte der Politiker aus dem niedersächsischen Langwedel in einem Interview mit der Wochenzeitung „Das Parlament“. So bleibe offen, wie das beim Fracking anfallende, stark belastete Lagerstättenwasser umweltverträglich entsorgt werden soll. Seinen Forderungen hätten sich bereits mehr als hundert Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundestag angeschlossen, betont Mattfeldt.

Das Interview ist im Folgemden leicht gekürzt wiedergegeben.

Herr Mattfeldt, Sie sind Unionsabgeordneter, lehnen das Gesetzespaket der Bundesregierung zum Fracking jedoch ab. Warum?

Zunächst will ich betonen, dass ich ein großer Verfechter der konventionellen Erdgasförderung war und bis heute bin. Allerdings soll das Gas so geborgen werden, dass Mensch, Natur und Umwelt nicht gefährdet werden. Ich weiß, wovon ich rede, denn seit zwanzig Jahren wird in unmittelbarer Nähe zu meinem Wohnhaus Erdgas gefördert. Die von der Regierung vorgelegten Gesetze gehen zwar in die richtige Richtung, doch werden darin wichtige Bereiche nicht geregelt. Unter anderem bleibt offen, wie das beim Fracking anfallende, stark belastete Lagerstättenwasser umweltverträglich entsorgt werden soll.

Wo liegen die größten Probleme?

Bei einem Drittel aller Erdgasbohrungen in Deutschland wird schon heute Fracking eingesetzt. Beim Fracken selbst ist es bisher nie zu Umweltverschmutzungen gekommen, wohl aber beim unsachgemäßen Umgang mit dem Lagerstättenwasser. Zum Beispiel sind durch diffundierende Wasserleitungen im Umfeld von niedersächsischen Bohrstätten giftige Stoffe wie Benzol und Quecksilber ins Erdreich ausgetreten. Da wurden Grenzwerte um ein Zigfaches überschritten. Die Auswirkungen der Erdgasförderung spüre ich auch bei mir zu Hause. Wie viele meiner Nachbarn habe ich Risse in den Wänden, die durch Erdbeben infolge der Erdgasförderung entstanden sind. Ich bin sehr enttäuscht über die rot-grüne Landesregierung, die im Wahlkampf ein Moratorium gegen Fracking versprochen hat, das es bis heute nicht gibt.

Welche Lösungen schlagen Sie vor?

Ich habe mit meinen Mitstreitern und mittlerweile abgestimmt mit der Union ein Zehn-Punkte-Papier erarbeitet, in dem wir unter anderem eine Pflicht zur oberirdischen Aufbereitung des Lagerstättenwassers fordern. Die darin enthaltenen Schadstoffe müssen auf ein Minimalmaß reduziert werden, bevor es entsorgt wird. Wir reden dabei nicht von ein paar Litern. Allein in meinem Wahlkreis fallen jährlich 110 Millionen Liter giftiges Lagerstättenwasser an. Bisher wird das alles einfach wieder in das Erdreich verpresst, aber nicht dorthin, wo es herkommt, sondern lediglich in Tiefen zwischen 400 und tausend Metern. Das geht nicht.

Um mehr Erfahrungen mit Fracking in Schiefergestein zu sammeln, soll es wissenschaftlich begleitete Probebohrungen oberhalb von 3.000 Metern geben. Wird das Verfahren so durch die Hintertür eingeführt?

Wir fordern, die Zahl der Probebohrungen auf maximal acht zu begrenzen. Die Befürchtungen teile ich aber auch so nicht. Wenn die Experten zu dem Schluss kommen sollten, dass unkonventionelles Fracking an einer konkreten Stelle unbedenklich ist, entscheidet immer noch das zuständige Landesbergamt über eine kommerzielle Nutzung. Dazu gehört ein Genehmigungsverfahren, eine umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfung, die Beteiligung der Öffentlichkeit. Viele in der Union fordern darüber hinaus, einen Parlamentsvorbehalt. Angesichts dieser massiven Hürden kann ich mir nicht vorstellen, dass es in absehbarer Zeit unkonventionelles Fracking in Deutschland geben wird.

Warum nicht? In den USA boomt die Technologie, die Energiepreise sind dadurch erheblich gesunken. Könnte sich Deutschland daran nicht ein Beispiel nehmen?

Deutschland ist nicht mit der texanischen Tiefebene vergleichbar, sondern wir haben sehr verdichtete Siedlungsräume. Auch Niedersachsen ist nicht menschenleer. Wenn wir die Menschen vor Lärmemissionen und vergiftetem Trinkwasser schützen wollen, müssen wir uns fragen, ob wir an diesen Vorräten rütteln wollen oder sie gegebenenfalls für nachfolgende Generationen als Reserve bewahren möchten.

In Niedersachsen werden große Vorkommen an Schiefergas vermutet. Ist das nicht eine Riesenchance für Ihre Heimat?

Die Arbeitsplätze in der Erdgasindustrie sind wichtig und ich wünsche mir auch, dass es mehr werden. Aber mir geht es auch um die Arbeitsplätze in anderen Branchen, etwa in der Lebensmittelindustrie. Ein Beispiel: Ein Landwirt in meiner Region hat Kartoffeln angebaut, die an eine große Fast-Food-Kette geliefert wurden. Nachdem das mit dem Benzol passiert ist, hat er seinen Liefervertrag verloren, rein prophylaktisch, denn tatsächlich waren seine Kartoffeln nicht betroffen. Dieser Mann produziert heute keine Kartoffeln mehr, er musste seine Mitarbeiter entlassen. So etwas müssen wir in Zukunft verhindern.

Das vollständige Interview kann unter bundestag.de nachgelesen werden.

Quelle: Deutscher Bundestag