Projekt R-Bau: Damit aus Bauresten zertifizierte Recyclingbaustoffe werden

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Bauschuttrecycling (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Wien, Österreich — Baurestmassen aller Art (mineralisch, biogen, metallisch) sind ein relevanter Faktor in der österreichischen Abfallwirtschaft. 2012 betrug ihr Anteil am Gesamtabfall fast 14%, in Summe 6,6 Mio. Tonnen (aus Hoch- und Tiefbau). Studien zeigen, dass die Sortierung und Verwertung der anfallenden Reststoffe oftmals wirtschaftlicher ist als die reine Deponierung von unsortierten Baurestmassen. Dieser Ansatz liegt auch der neuen „Recycling-Baustoffverordnung“ des BMLFUW zugrunde, deren Kundmachung im Sommer 2015 zu erwarten ist.

Sie sieht vor, dass Abbrucharbeiten künftig als verwertungsorientierter Rückbau entsprechend der ÖNORM B 3151 („Rückbau als Standardabbruchmethode“) erfolgen müssen. Ziel ist es, durch organisatorische und technische Maßnahmen möglichst sortenreine, schadstofffreie Abfallfraktionen zu erhalten, die nicht auf der Deponie landen, sondern als zertifizierte Baustoffe wiederverwendet oder bei Neubau und Sanierung eingesetzt werden können.

Rückbaukatalog als Entscheidungsgrundlage

Für Bauherren und Bauunternehmer bringt die Recycling-Baustoffverordnung eine Reihe neuer Pflichten, darunter etwa die „orientierende Schadstofferkundung“ vor dem Abbruch. Hier setzt das Projekt R-Bau (Replizierbare Strategie zur Forcierung des verwertungsorientierten Rückbaus im Hochbau) aus der Programmlinie „Stadt der Zukunft“ des bmvit an. Die Österreichische Energieagentur und die Ressourcen Management Agentur (RMA) erstellen im Zuge des Projekts R-Bau einen Rückbaukatalog, um Entscheidungsgrundlagen für Planung, Ausschreibung und Durchführung des verwertungsorientierten Rückbaus inkl. Abfallbewirtschaftung zur Verfügung zu stellen. Darauf aufbauend wird gemeinsam mit relevanten Stakeholdern wie Gemeinnützigen Bauvereinigungen, Bauträgern, Abbruchunternehmen sowie Interessensvertretern aus der Politik und der Wirtschaft eine praxisorientierte und replizierbare Rückbaustrategie zur Forcierung des verwertungsorientierten Rückbaus im Wohnbau erarbeitet.

Im März 2015 wurden die ersten Ergebnisse und der Entwurf des Rückbaukatalogs diskutiert. Die Reaktionen der Stakeholder bestätigen, dass beim Abbruch von Wohngebäuden in der Regel noch Optimierungspotential vorhanden ist. Peter Traupmann, Geschäftsführer der Energieagentur, beurteilt die gegenwärtige Situation so: „Derzeit vergibt der Bauherr Abbruch und Entsorgung im Allgemeinen pauschal an ein Abbruchunternehmen. Es mangelt in der Wohnbaubranche aber noch an Wissen und Erfahrung über mögliche Rückbaukonzepte und deren ökonomische und ökologische Vorteile. Diese Lücke soll mit dem Projekt R-Bau geschlossen werden.“

Für das kosteneffizienteste Rückbaukonzept

Das Projekt verwendet repräsentative Gebäude- und Bauteilmodelle, die in der Abbruch-Planung Anhaltspunkte für das kosteneffizienteste Rückbaukonzept bieten. So erhält man beispielsweise durch die Trennung von Kalkmörtel vom Ziegelschutt saubere Baurestmassen, die zu deutlich besseren ökonomischen Konditionen zurück in die Kreislaufwirtschaft geführt werden können. Standardisierte Mustertexte für die Ausschreibung von Abbruchtätigkeiten sollen für mehr Transparenz im Hinblick auf die zu erbringenden Leistungen sorgen und dem Bauherrn die organisatorische Abwicklung erleichtern.

Die aufwändige Vorbereitung und Durchführung des Abbruchs macht sich bezahlt. Energieagenturchef Peter Traupmann sieht im hochwertigen Baustoff-Recycling auch für den Wohnbau den richtigen Weg: „Innerhalb weniger Jahre tausende moderne, leistbare Wohnungen zu errichten, wie es derzeit etwa in Wien der Fall ist, erfordert höchst effizienten Umgang mit Energie und Ressourcen. Der Energieaufwand für die Herstellung von Recyclingmaterialien ist im Allgemeinen viel geringer, die anfallenden CO2-Emissionen entsprechend weniger. Wohnbaugenossenschaften können Recycling-Baustoffe aus dem Abbruch eigener Wohnhäuser bei eigenen Neubauten wieder einsetzen oder als Qualitätsprodukt auf den Markt bringen. Im Neubau wird man zweckmäßigerweise bereits in der Planung darauf achten, dass ein Gebäude am Ende seiner Lebensdauer schadstofffrei und sortenrein rückgebaut werden kann.“

Bis Februar 2016

Das Projekt R-Bau wird bis Februar 2016 im Rahmen des Programms „Stadt der Zukunft“, des Forschungs- und Technologieprogramms des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, durchgeführt (Website: hausderzukunft.at; Projektnummer: 845214). Interessenten finden auf den Websites der Österreichischen Energieagentur und der Ressourcen Management Agentur weitere Informationen zum Projekt.

Quelle: APA-ots