Hans-Werner Sinn: Insgesamt positive Aussichten für Wirtschaftsentwicklung

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Vortrag von Prof. Dr. Hans-Werner Sinn auf dem Altpapiertag 2015 (Foto: bvse)

Bonn — „Wir können entspannt nach vorne schauen“, prognostizierte Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts. Er war vorletzte Woche einer Einladung des bvse-Vizepräsidenten Reinhold Schmidt zum 18. Internationalen Altpapiertag in Berlin gefolgt und ging in seiner Keynote-Speach auf das Thema Weltwirtschaft und die Situation in Deutschland und Europa ein.

Vor rund 500 hochinteressierten Teilnehmern erklärte der nicht unumstrittene Ökonom, dass sich die Weltwirtschaft nach der letzten Rezension 2008/2009 wieder gefangen habe und er nach dem leichten Wachstum in den vergangenen beiden Jahren in seiner Prognose auch von einem weiteren positiven Trend für 2016 ausgehe. Auch im Blick nach Übersee in die USA sieht Professor Sinn eine positive Entwicklung des Wirtschaftsklimas. So konnte sich dort nach der schweren Immobilienkrise, die ab 2008 die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zog, durch wieder steigende Tendenzen in der Bauwirtschaft seit 2013 auch der Arbeitsmarkt wieder erholen: Die Arbeitslosenquote sank von rund 10 Prozent in 2009 auf 5,5 Prozent in 2015.

Die wirtschaftliche Situation in Deutschland entwickle sich nach einem Einbruch durch die Ukraine-Krise im 1. Halbjahr 2014, in den letzten Monaten durch gute Exporte positiv und verzeichnete sogar ein Plus, unterstrich der ifo-Präsident. Die Prognosen für ein Wirtschaftswachstum lägen für 2015 bei + 2,1 Prozent und auch für 2016 würden immerhin noch gute 1,8Prozent Wachstum erwartet.

Im Rückgang der Rohstoffpreise begründet

Die Ursache für die positive Entwicklung des Wirtschaftsklimas in Deutschland sieht Sinn zum einen im Rückgang der Rohstoffpreise wie z.B. Rohöl, Roheisen, Eisenerz etc. begründet, die sich wiederum positiv auf den Konsumgüterkauf und damit verbunden auch gute Exportgeschäfte auswirken. Zum anderen hätten – aufgrund der Immobilienkrise in den USA, der Kapitalflucht der Griechen, ausgelöst durch die griechische Staatskrise mit einem Schuldenberg von 107 Milliarden Euro in 2012 und nicht zuletzt dank der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank – deutsche und ausländische Investoren seit dem Jahr 2010 wieder deutsche Immobilien als „sicheren Hafen“ entdeckt und damit einen Boom in der deutschen Baubranche ausgelöst. Ginge man von den aktuellen Auftragsbeständen der Architekten aus, dürfte sich dieser Aufwärtstrend auch in 2015 weiter fortsetzen, prognostizierte der Professor für Nationalökonomie.

Grexit: sinnvoll, aber wenig wahrscheinlich

Sinnvoll und von den Kapitalmärkten erwartet, jedoch wenig wahrscheinlich sei nach Meinung von Professor Sinn der vieldiskutierte Grexit: der Austritt Griechenlands aus der Eurozone mit der gleichzeitigen Abwertung der Währung. Dies würde, nach Sinn, zu einer Steigerung der Herstellung und Produktion im eigenen Land führen, verbunden mit einer Senkung der Arbeitslosenquote. Die Rückkehr der Touristen aus den Nachbarländern und damit die Neustärkung der Tourismusbranche sei dann genauso wahrscheinlich wie die Rückkehr der Kapitalflüchtlinge mit Neuinvestitionen in Griechenland, was wiederum eine Ankurbelung der Baubranche zur Folge hätte. Aufgrund der aktuell gewährten Notkredite der EZB an Griechenland hält Professor Sinn es jedoch für wahrscheinlicher, dass Griechenland in jedem Fall in der Eurozone bleiben wird. Bis Ende März 2015 hat das hochverschuldete Land 325 Milliarden Euro an öffentlichen Krediten erhalten, dies entspricht 182 Prozent des Bruttoinlandsproduktes oder 35 Marshallplänen.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.