Bauindustrie und Entsorgungswirtschaft: 90% Baustoff-Recycling nicht zu halten

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Bauschuttdeponie (Foto: © Jochen Zellner, Lk Neustadt/Aisch-Bad Windsheim / abfallbild.de)

Berlin — Geeignete Verwertungs- und Beseitigungsmöglichkeiten für Bauschutt zu finden, wird immer schwieriger. Bei einer aktuellen Umfrage unter rund 100 Bauunternehmen gaben 80 Prozent aller Befragten an, der Aufwand, eine geeignete Entsorgungsmöglichkeit zu finden, habe sich deutlich erhöht. Zudem seien die Transportwege zu den Deponien länger geworden. Die Folgen seien höhere Kosten für den Kunden und mehr klimaschädliche CO2-Immissionen.

Die vom HDB und dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes erhobenen Zahlen belegen, dass es bereits erhebliche Entsorgungsengpässe bei mineralischen Bauabfällen gibt. Die Umfrageergebnisse wurden im Rahmen einer gemeinsamen Tagung zur Deponiebewirtschaftung in Berlin vorgestellt, zu der auch Vertreter aus Bundes- und Landesministerien, der Bau-, Abbruch- und Recyclingwirtschaft sowie der nationalen und europäischen Verbände gekommen waren. „Wir brauchen jetzt die Ausweitung der Deponiekapazitäten für gering und mäßig belasteten Bauschutt in Deutschland“, erklärten der Präsident des BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V., Peter Kurth, und der Hauptgeschäftsführer des Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. (HDB), RA Michael Knipper.

„Wir befürchten seit langem, dass bei den mineralischen Bauabfällen Recyclingquoten von über 90 Prozent zukünftig nicht mehr zu erwarten sind. Eine Halbierung ist unter den gegebenen Umständen nicht ausgeschlossen. Fehlende politische Regelungen und regionale Engpässe führen bereits heute dazu, dass immer mehr Boden und Bauschutt deponiert werden müssen. Mineralische Abfälle bilden deshalb künftig ein Schwerpunktthema der Verbandsarbeit. Aktuell unzureichende Bedarfsplanungen und Genehmigungen für erweiterte und neue Deponiestandorte dürfen nicht weiter hingenommen werden“, erklärte BDE-Präsident Peter Kurth.

„Vor dem Hintergrund zunehmender Widerstände gegen neuen Deponieraum brauchen Vorhabenträger zudem für die Planung und in Genehmigungsverfahren von Deponien unterstützende politische Signale auf nationaler und europäischer Ebene“, ergänzte HDB-Hauptgeschäftsführer Michael Knipper. Die Bauwirtschaft braucht nach seiner Ansicht angemessene und praxisorientierte Rahmenbedingungen und Regelungen, um die Erfolgsgeschichte Kreislaufwirtschaftsträger Bau fortzuschreiben. „Wir benötigen harmonisierte Bewertungsgrundlagen und ein durchgängiges Gesamtkonzept im Rahmen der Mantelverordnung, das bereits bei der Planung und Ausschreibung beginnt, den selektiven Rückbau auf der Baustelle adressiert und Verwertungsbedingungen schafft, die auch dem Ressourcenschutz gerecht werden, bei klarer Definition von Verantwortlichkeiten“, forderte Knipper.

Aufschluss über Aufkommen und Verbleib mineralischer Bauabfälle hatte zuletzt der Monitoringbericht der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau geliefert. Nach Ansicht der Verbände spiegele dieser jedoch auf Basis der verfügbaren Zahlen von 2012 einen Erfolg wider, der unter den gegebenen Bedingungen nicht gehalten werden könne. Dies belege auch die aktuelle Umfrage unter 100 Unternehmen der Bau-, Abbruch- und Recyclingwirtschaft von ZDB und HDB.

Den Monitoringbericht Kreislaufwirtschaft Bau sind unter kreislaufwirtschaft-bau.de zu finden, die Ergebnisse der ZDB/HDB-Umfrage unter bde-berlin.org.

Quelle: BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V.