Austropapier: Österreichische Papier-Industrie liegt über EU-Durchschnitt

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Altpapier (Foto: Kürth / Recyclingportal)

Wien — „2014 war für viele Unternehmen gut, häufig bedingt durch kurzfristige Preissenkungen bei Holz und Energie. Die langfristige Wettbewerbsfähigkeit ist aber weiterhin stark von der Entwicklung der klima- und energiepolitischen Ziele abhängig, die sich stark auf Energie- und Rohstoffkosten auswirken“, fasst Alfred Heinzel, Präsident der Austropapier, Vereinigung der österreichischen Papierindustrie, die aktuelle Situation im Rahmen der Jahrespressekonferenz zusammen.

Die österreichische Papierindustrie verzeichnet 2014 eine geringe Produktionssteigerung von +0,6 Prozent gegenüber 2013 bei einer Produktion von 4,9 Mio. Tonnen Papier. Damit ist das vergangene Jahr für viele Unternehmen positiv und besser als der EU-Durchschnitt. Langfristig hängt die Wettbewerbsfähigkeit aber stark von der Entwicklung der Holz- und Energiepreise ab, diese beiden Faktoren verzeichneten 2014 kurzfristige Preissenkungen, die für das gute Ergebnis mitverantwortlich waren. Der Umsatz war 2014 mit -1,8 Prozent im Vergleich zu 2013 leicht rückgängig und lag bei 3,8 Mrd. Euro.

Produktionsentwicklung überdurchschnittlich

Besonders gut entwickelt haben sich die Spezialpapiere. Diese legten um 2,4 Prozent auf 280.000 Tonnen zu. Ebenfalls leicht stieg die Produktion bei grafischen Papieren um 0,5 Prozent auf 2,7 Mio. Tonnen und bei Verpackungspapieren auf 1,9 Mio. Tonnen (+ 0,4 Prozent im Vergleich zu 2013). Die Zellstoffproduktion sank 2014 um 2,2 Prozent auf 1,9 Mio. Tonnen bedingt durch Anlagenumbauten. Das hatte auch Rückgänge beim Holzeinsatz (-4,0 Prozent auf 8,0 Mio. t) und Energieverbrauch (-3,6 Prozent auf 15.000 GWh) zur Folge. Die Strompreise waren 2014 zwar rückläufig, dafür müssen die Unternehmen aber Aufschläge für Ökostromförderung und zukünftig wahrscheinlich auch durch das Energieeffizienzgesetz in Kauf nehmen. Die Investitionen beliefen sich gesamt auf 155 Mio. EUR. Große Projekte wurden z.B. in Gratkorn oder Frohnleiten umgesetzt.

Energie- und Klimaziele gefährden Holzversorgung

Der Holzeinsatz 2014 reduzierte sich hauptsächlich wegen eines Kesselschadens im Zellstoffwerk Pöls um 4 Prozent auf 8,0 Mio. Festmeter (m3). Infolgedessen und durch ein Schadholzereignis, das ungeplant Holzmengen freisetzte, konnte die Importquote auf 35 Prozent gesenkt werden. Bei Vollauslastung der Werke würden aber sowohl Holzmenge und Importanteil wieder steigen. Im Jahr 2014 wurden nur 17 Mio. Festmeter von den 22 Mio. projektierten geerntet, deshalb muss die Holzernte in den kommenden Jahren entsprechend vorangetrieben werden.

Zusätzlich wird bei Holz die Konkurrenz zur rein thermischen Verwertung zu einer immer größeren Herausforderung. Rundholz fließt in großen Mengen in Biomassekraftwerke, während Sägenebenprodukte wie Hackschnitzel immer öfter in die Pelletsherstellung gehen. „Die politischen Energie- und Klimaziele gefährden zunehmend die Rohstoffversorgung der Papier- und Zellstoffwerke, indem sie die Verbrennung von Holz fördern. Klagenfurt plant mit zwei Biomasseheizkraftwerken einen weiteren Schritt in diese falsche Richtung. Erneuerbare Energien sind ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz, aber Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sollten immer im Vordergrund stehen“, gibt Christian Skilich, Vizepräsident der Austropapier, zu bedenken.

Veredeln statt Verbrennen

Bereits seit Längerem appelliert die Papierindustrie unter dem Motto „Veredeln statt Verbrennen“ dafür, Holz zuerst zu Produkten wie Papier zu verarbeiten, und erst nachfolgend thermisch zu verwerten. Das bringt positive Effekte für CO2-Bilanz, Wertschöpfung und Arbeitsplätze. „Das Ökostromgesetz räumt der sogenannten kaskadischen Nutzung zwar auf dem Papier den Vorrang ein, muss aber endlich auch in die Realität umgesetzt werden“, fordert deshalb Max Oberhumer, Vizepräsident und Energiesprecher der Austropapier.

Papierindustrie ist Vorreiter bei Klimaschutz und Energieeffizienz Die Branche zählt selbst zu den größten und effizientesten Erzeugern von Ökostrom, ist aber von der Ökostromförderung ausgeschlossen. Insgesamt setzt sie über 60 Prozent biogene Brennstoffe ein und erzeugt damit jährlich 1.700 GWh Ökostrom. Auf der anderen Seite zahlt sie aber als energieintensive Industrie 5 Mio. EUR in den Ökostromfördertopf und wird dadurch mehrfach durch das Ökostromförderregime benachteiligt.

Endlich Rechtsunsicherheit bereinigen

Weitere Zusatzkosten auf Energie befürchtet die Papierindustrie nun auch durch das Energieeffizenzgesetz. „Die Papierindustrie ist Vorreiter von effizientem Energieeinsatz, dadurch sind Einsparungspotentiale schon in hohem Maße realisiert. Trotzdem sind wir sehr daran interessiert, weiterhin freiwillige Einsparmaßnahmen umzusetzen und deren Anrechenbarkeit für unsere Energieversorger mit diesen zu vereinbaren. Allerdings muss die Rechtsunsicherheit bezüglich der Bewertung der Industriemaßnahmen endlich bereinigt werden. Dazu ist ein konstruktiverer Dialog zwischen Politik und Wirtschaft notwendig“, stellt Max Oberhumer fest.

Die hohe Energieeffizienz findet auch in den CO2-Emissionen ihren Niederschlag. Seit 1990 hat die Papierbranche die CO2-Emissionen pro Tonne Produkt um ca. 40 Prozent senken können, weitere Einsparungen, wie es die EU fordert, sind – wenn überhaupt – nur mit enormem Kostenaufwand möglich. „Das 40 Prozent Reduktionsziel der EU ist standortpolitisch extrem gefährlich. In Europa müssen Industriepolitik und Klimapolitik endlich in Einklang gebracht werden. De-Industrialisierung ist der falsche Weg, Emissionen einzusparen. Um international weiterhin wettbewerbsfähig zu sein, ist es unumgänglich, dass der Papierindustrie ihre Gratiszuteilung und damit der Carbon Leakage-Status erhalten bleibt. Wachstum muss weiterhin möglich sein!“, appelliert Max Oberhumer.

Mit Nachhaltigkeit punkten

Die österreichische Papierindustrie blickt aber trotz aller Herausforderungen positiv in die Zukunft. „Wir sehen unser Potential im Bereich der ganzheitlichen Nutzung des Rohstoffs Holz. Durch das Know-How im Bereich der Biomasse hat die Papierindustrie das Potenzial, den Wertstoff Holz, mit Produkten wie hochwertigen Chemikalien oder Brennstoffen optimal zu nutzen“, ist Alfred Heinzel überzeugt.

Quelle: Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie gemeinsam mit dem Fachverband der Papierindustrie