Heraeus: Edelmetallkreislauf ist ein Paradebeispiel für Cradle to Cradle

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Platin-Katalysator-Netz (Foto: Heraeus Holding GmbH)

Hanau — Das Thema „Cradle to Cradle – Von der Wiege zur Wiege“ steht beim diesjährigen „Earth Day – Tag der Erde“ am 22. April im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Was in vielen Wertstoffströmen noch zur Zukunftsmusik gehört, ist beim Recycling wertvoller und knapper Edelmetalle wie Platin im Edelmetall-Kreislauf von Heraeus bereits seit Jahren nachhaltig gelebte Praxis. Und: Das Edelmetallrecycling verbraucht im Vergleich zum bergmännischen Abbau bei der Gewinnung der gleichen Menge Platin bis zu 100 Mal weniger Energie.

Edelmetalle sind sehr selten und wertvoll. Pro Jahr werden mehr als 20.000 Tonnen Silber und ca. 2400 Tonnen Gold gefördert. Platinmetalle sind noch seltener: Zusammen rund 500 Tonnen dieser Metalle werden weltweit aus primären Quellen und Auto-Katalysator-Recycling ausgebracht. Die Menge des jährlich gewonnenen Platins, rund 240 Tonnen, ließe sich bequem in einer Garage unterbringen.

Bis zu 30 Prozent stammen aus Recycling

Die verfügbare Fördermenge an Edelmetallen aus den Minen reicht schon seit Jahren nicht mehr aus, um die steigende Nachfrage in der Automobil-, Schmuck-, Glas- und Chemieindustrie zu befriedigen. Daher ist das Recycling dieser Metalle aus verschiedensten Industrieanwendungen von großer Bedeutung. Bei der Aufarbeitung der Platingruppenmetalle – dazu gehören neben Platin auch Palladium, Rhodium, Ruthenium und Iridium – hat sich Heraeus eine starke Marktposition erarbeitet.

Rund 25 bis 30 Prozent des globalen Angebots an Platinmetallen stammen laut Studien der International Platinum Association (IPA) bereits aus Recycling.

Energieverbrauch um Faktor 70 bis 100 geringer

Heraeus konzentriert sich beim Recycling vor allem auf Edelmetalle in Industriekatalysatoren – etwa Platinnetze für die Düngemittelindustrie oder Schüttgutkatalysatoren für industrielle chemische Prozesse. Die Rückgewinnungsquoten für Edelmetalle aus diesen Materialien aus dem Recycling liegen je nach Material bei weit über 90 Prozent – ein nahezu geschlossener Stoffkreislauf.

„Auf diese Weise kann sogar nachhaltig Energie eingespart werden. Denn der Abbau von Platingruppenmetallen aus Minen ist nicht nur schwierig und aufwändig – lediglich zwei bis sechs Gramm Edelmetall finden sich in einer Tonne Gestein – sondern auch sehr energieintensiv“, erläutert Dr. Steffen Voss, Global Head of Operation & Innovation bei Heraeus Metal Management. Zum Vergleich: Der Energieverbrauch bei der gleichen Menge Platin ist beim Recycling um den Faktor 70 bis 100 geringer und die Kohlendioxid-Emissionen sogar um den Faktor 200 bis 300 geringer.

An allen Standorten weltweit einheitliche Standards

Bereits seit den 1980er Jahren hat Heraeus das Recycling als elementaren Bestandteil des Edelmetallkreislaufes kontinuierlich ausgebaut und global positioniert. Damit zeitaufwendige Transporte und teure Zölle entfallen, betreibt Heraeus die Recyclinganlagen dort, wo die Kunden sind. An Standorten in den USA und Europa, in China, Indien und Südafrika arbeiten insgesamt knapp 600 hoch spezialisierte Fachkräfte.

„Mit technisch ausgefeilten Recycling-Verfahren gewinnen wir alle Edelmetalle aus verbrauchten edelmetallhaltigen Rückständen und Produkten nach internationalen Standards zurück. Aus den raffinierten Edelmetallen werden wieder neue Produkte für industrielle Anwendungen hergestellt“, beschreibt Steffen Voss. „Durch einen ständigen Technologietransfer ermöglichen wir an allen Standorten weltweit einheitliche Standards, Produktionsprozesse und Reinheiten nach international vorgegebenen Richtlinien.“

Enge Verzahnung von Handel, Recycling und Produktion

Beipielsweise kommen in der Salpetersäure-Herstellung für die Düngemittelindustrie Katalysator-Netze aus Platin-Rhodium-Legierungen mit bis zu sechs Meter Durchmesser zum Einsatz. Diese Netze werden von Heraeus produziert und nach Gebrauch beim Kunden zur Wiedergewinnung der Metalle im Recycling aufbereitet. Dort werden sie in die einzelnen Bestandteile wie Platin und Rhodium getrennt, bevor die gereinigten Edelmetalle wieder in die Produktion neuer Drähte und Netze gehen.

Eine wichtige Rolle in diesem Kreislauf spielt der Edelmetallhandel, der das gesamte Edelmetall-Management für Kunden übernimmt. Ein Kunde, der von Heraeus für seine Fabrikanlage Katalysatornetze aus einer Platin-Rhodium-Legierung benötigt, kann den Preis der für die Netze benötigten Edelmetalle – schon früh in der Projektphase – durch Preissicherungs-Geschäfte mit der Handelsabteilung festschreiben und sich so eine sichere Kalkulationsgrundlage für sein Projekt verschaffen. Rechtzeitig zum Produktionsbeginn der Netze stellt der Handel sicher, dass die Metalle in der erforderlichen Reinheit physisch zur Verfügung stehen. Durch die enge Verzahnung von Handel, Recycling und Produktion kann Heraeus seinen Kunden einen ununterbrochenen Wertstoffkreislauf anbieten.

Quelle: Heraeus Holding GmbH