bvse-Fachverband Glasrecycling: Sorgen trotz positiver Entwicklung beim Altglas

1890
Getrennte Sammlung von Altglas (Foto: Austria Glas Recycling)

Bonn — Die positive Entwicklung auf dem Verpackungsmarkt hat 2014 zu einem Nachfragezuwachs der Glashütten nach Altglas geführt. Dieser Trend setzt sich auch zu Beginn des Jahres 2015 fort, schätzt der bvse-Fachverband Glasrecycling.

Die Recyclingquote erreichte in Deutschland im Hohlglas-Segment zuletzt 87,1 Prozent, was etwa 2,42 Mio. Tonnen aufbereitetem Altglas entspricht. Prozentual zugenommen hat zudem die Menge des in der Behälterglasproduktion eingesetzten Altglases im Verhältnis zu primären Rohstoffen. „Dies ist ein klares Zeichen für die Altglasaufbereitungsbetriebe, dass sie mit ihren erheblichen Investitionen und technischen Innovationen den Qualitätsansprüchen der Glasindustrie gerecht werden“, resümiert bvse-Geschäftsführer Thomas Braun. Unterstützt wurde dies auch durch die Neugestaltung der Leitlinie „T120 – Qualitätsanforderungen an Glasscherben zum Einsatz in der Behälterglasindustrie“, die von den Entsorgerverbänden gemeinsam mit dem BV Glas erarbeitet wurde. Mit dieser Leitlinie gelang es den Beteiligten, einen von allen Seiten anerkannten, norm-ähnlichen Industriestandard für die Belieferung der Glashütten mit Scherben im Sinne eines qualitätsgesicherten Produkts zu schaffen.

Sorge macht dem bvse-Fachverband trotz der positiven Nachfrageentwicklung die Tendenz der Glashütten, sich den Zugriff auf Altglasmengen selbst zu sichern. „Dies erachten wir als völlig falsches Signal für die Eigenständigkeit der mittelständischen Recyclingwirtschaft“, kritisiert Marnix-Jan Oostrijck, bvse-Vizepräsident für den Bereich Glasrecycling. Verschärft wird diese Entwicklung durch den weiteren Aufbau von Glasrecyclinganlagen im In- und Ausland, die in den Wettbewerb um die Rohscheiben eintreten. Darüber hinaus lassen veränderte Rahmenbedingungen – etwa in England – eine zusätzliche Verknappung von Scherben erwarten: Die Förderung für das Glasrecycling wurde gekürzt, und gleichzeitig hat eine Anerkennung des Scherbeneinsatzes im Straßenbau als Verwertungsoption stattgefunden.

Zudem verschärfen die Glashütten – oft getrieben durch die Anforderungen ihrer Endabnehmer – ihre Abnahmekriterien weiter. Gleichzeitig haben die Altglasaufbereiter jedoch mit der erheblich sinkenden Qualität der Sammelfraktion aus den dualen Systemen zu kämpfen. So nahm in 2014 die Zahl der Altglas-Umschläge und -Umschlagplätze dramatisch zu, was in der Ausschreibung der Sammelaufträge seitens der Dualen Systeme begründet liegt. Dadurch werden die Aufbereitungsbetriebe mit einem Zuwachs an kleineren Glaspartikeln konfrontiert, was die Sortierbedingungen erschwert. Bisher wirken die Dualen Systeme dem nicht entgegen.

Trotz dieser Qualitätsprobleme verlangen die Dualen Systeme höhere Preise für die Rohscherben. Diese steigenden Kosten konnten nicht an die Glashütten weitergereicht werden, so dass die Margen bedrohlich sinken. Erste Aufbereitungsbetriebe mussten Kurzarbeit ansetzen.

Quelle: bvse-Fachverband Glasrecycling