Vollzugsdefizit: Altauto-Demontage laut bvse auf „beklagenswert niedrigem Niveau“

1173
Altauto-Verwertung (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

Bonn — Die nach Altautoverordnung zertifizierten Entsorger berichten übereinstimmend, dass der Zulauf an Fahrzeugen, nachdem das Polster aus der Abwrackprämie nun endgültig abgearbeitet ist, wieder ein beklagenswert niedriges Niveau erreicht hat. Das erklärte Sebastian Will vom bvse-Fachverband Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling. Insgesamt wurde das Geschäft in einer Branchenumfrage als „durchwachsen“ beschrieben. Das Problem der ungünstigen Margen hinterlässt im Altfahrzeuggewerbe genauso seine Spuren wie in der gesamten Schrottwirtschaft.

Ein im Vergleich zu 2013 leicht erhöhter Umsatz hat in 2014 zu keiner Verbesserung des Gewinns bzw. der Liquidität geführt. Für das kommende Jahr wird mit einem nochmaligen Rückgang des Altfahrzeugzulaufs von rund 4 Prozent gerechnet.

Alle wollen etwas vom Kuchen abhaben

Seit In-Kraft-Treten der Altfahrzeug-Verordnung im Jahre 1998 verändern sich die Marktbedingungen der Altfahrzeugbranche ständig. Was sich nicht geändert hat, sind dagegen die seit Jahren immer wieder vorgebrachten Forderungen der Branche nach einer praktikablen begrifflichen Abgrenzung zwischen Altfahrzeug und Gebrauchtwagen sowie einem erkennbaren Vollzug.

In der Zwischenzeit hat sich eine Reihe von verschiedenen Gruppen herauskristallisiert, die sich um den eigentlich gefährlichen Abfall Altfahrzeug kümmern. Es sind die zertifizierten Entsorger, eine der wichtigen Säulen des Gesetzesvorhabens, Entsorger mit nach Baurecht genehmigten Aufbereitungskapazitäten, „Entsorger“ ohne jegliche Qualifikation sowie Zerlegungstätigkeit ohne Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, der Online-Handel, „international tätige Gebrauchtwagenhändler“ und nicht zuletzt die Versicherungen und die Autohäuser selbst. Sie alle wollen etwas vom Kuchen abhaben und bearbeiten den Markt mit recht unterschiedlichen Mitteln und durch eine recht unterschiedliche Herangehensweise.

Sebastian Will: „Klar ist, dass bei dieser breiten Angebotskonkurrenz der zertifizierte Altfahrzeugrecycler sehr innovativ sein muss, um entsprechende Fahrzeuge für seine Anlage zu bekommen.“

Entsorgung irgendwo und irgendwie

Die Zeiten der Abwrackprämie wurden von den befragten bvse-Mitgliedern als goldene Zeiten bezeichnet, weil per Anordnung der im Gesetz verankerte Verwertungsnachweis zu dem Instrument gemacht wurde, was er eigentlich auch außerhalb einer staatlich gewährten Abwrackprämie sein sollte: nämlich ein legales Mittel, um Altfahrzeuge einer geordneten und kontrollierten Entsorgung in den dafür vorgesehenen Betrieben zuzuführen. Nun sei alles wieder beim Alten. Verwertungsnachweise interessierten kaum eine Behörde, so dass die Entsorgung problemlos irgendwo und irgendwie durchgeführt werde.

„Die eklatanten Vollzugsdefizite deutscher und europäischer Behörden haben zu den oben genannten und von einigen Gruppen sicherlich auch gewollten Marktveränderungen geführt. Fairerweise muss man zugeben, dass alle Anbietergruppen Verbraucherwünsche bedienen. Die Vollzugsdefizite in den einzelnen Ländern hat übrigens die Kommission im vergangenen Jahr bereits in einem aufwändigen Monitoringverfahren festgestellt. Erkennbare Reaktionen sind Mangelware“, kritisierte der bvse-Vertreter.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.